Gegen den Lagerkoller

Damit aus der Corona-Krise keine Ehekrise wird

Die Psychologin Anjeli Goldrian von der Ehe-, Familien- und Lebensberatung des Erzbistums erklärt im Interview, wie der Haussegen trotz Quarantäne und drohendem Lagerkoller intakt bleibt.

Um solche Szenen zu vermeiden, hilft ein Familienstundenplan. © Kalinovsky Dmitry - adobe.stock

mk-online: Frau Goldrian, für Paare muss es ja nicht unbedingt schlecht sein, so viel Zeit miteinander zu verbringen, oder?

Anjeli Goldrian: Eine Herausforderung ist das für uns alle. Das ist eine Situation, die wir so noch nie hatten, und wir sind natürlich alle in unserer persönlichen Freiheit eingeschränkt. Deshalb ist es schon eine Stresssituation, und die erfordert sowohl im Bewusstsein als auch im Miteinanderreden Strategien, damit man diese Zeit einigermaßen gut durchsteht.

Gibt es denn da ein paar Tipps, wie man sagen kann, dass einem gerade nicht nach Reden zu Mute ist, weil man gereizt ist?

Goldrian: Es hilft auf jeden Fall schon, wenn man überhaupt selber bei sich feststellt, dass man geladen ist. Ob das jetzt an wirtschaftlichen Sorgen oder Angst vor Ansteckung liegt, ist erstmal egal. Das Bewusstsein darüber ist insofern hilfreich, weil man darüber mit dem Partner sprechen kann.

Und wenn man gerade partout nicht reden will?

Goldrian: Neben dem Sprechen gibt es natürlich ganz einfach Dinge, die Stress reduzieren: Das ist zum einen Bewegung. Wir dürfen ja noch raus zum Spazieren oder Joggen. Dann gibt es auch Achtsamkeitspraktiken: Meditation, Gebete oder auch einfach die Natur beobachten. Man kann auch bewusst gemeinsame Hobbys pflegen. Also Spieleabende machen, gemeinsam kochen oder Filme schauen.

Viele Leute sind ja auch einfach mit einer gesteigerten Haushaltsführung beschäftigt: Aufräumen, Küche weißeln und ähnliches. Ist das denn sinnvoll?

Goldrian: Man muss natürlich schauen, dass der gemeinsame Nenner erfüllt ist. Wenn einer im Homeoffice arbeiten muss und die anderen gemeinsam musizieren, dann ist Ärger vorprogrammiert. Da ist es besser sich vorher zusammen zu setzen und eine Art Familienstundenplan zu erstellen. Dabei sollte man auch überlegen: Wer muss jetzt was noch machen? Schularbeiten müssen erledigt werden oder eben Homeoffice. Dann gibt es auch eine definierte Freizeit. Da gilt es dann zu ordnen: Was machen wir und wer macht was.

Das ist also schon Einstellungssache: Das Beste draus machen.

Goldrian: Genau. Dann kann man auch konkrete Pläne zusammen besprechen, die für alle vorstellbar sind oder zu mindestens einen guten Kompromiss darstellen.

Der Autor
Willi Witte
Radio-Redaktion
w.witte@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie