Entspannen und Austausch pflegen

Im Home-Office bei der Stange bleiben

Arbeiten von zuhause ist für viele in den letzten Tagen schon ein Stück Alltag geworden. Die dringenden to do’s sind langsam abgearbeitet, mit dem Arbeitsdruck sinkt die Motivation. Wie bleibt man aufmerksam und bei Laune? Susanne Westphal, Beraterin und Coach, hat gezielte Tipps.

Bewegung, Teamspirit, Kreativität, Entspannung - mit diesen Tipps klappt das Arbeiten im Home-Office ohne Probleme. © Marina Andrejchenko - stock.adobe.com

Arbeiten von zuhause, das spart Zeit, denn der Weg ist denkbar kurz. Aber sollte man den Wecker auch später stellen? Susanne Westphal sieht darin ein großes Plus: „Endlich kann ich mal meinem individuellen Bio-Rhythmus Raum geben und meine Schlafenszeit besser daran ausrichten, wie es mir guttut“. Nach der Zeitumstellung am Wochenende auch endlich mal die Chance, damit besser klar zu kommen. Auch gegen ein Mittagsschläfchen spricht nichts, solange in dieser Zeit keine Online-Meetings stattfinden. „Wichtig ist, dass ich meine Arbeit gut gemacht bekomme und erreichbar bin.“

Bewegung und Teamspirit

Wenn der Weg zur Arbeit wegfällt, fehlen auch ein paar Bewegungseinheiten. „Man sollte unbedingt Vitamin D tanken und einmal am Tag rausgehen“, legt Susanne Westphal allen ans Herz: „Das tut gut und Partner und Kinder können ja dabei sein.“ Hinterher geht man frischer wieder an die Arbeit.

Aber irgendwie fehlen doch die Kollegen. Für den Team-Zusammenhalt braucht es mehr als Informationsaustausch „Motivation ist auch eine sehr menschliche Angelegenheit“, weiß die Beraterin. Da kann man sich nette Dinge ausdenken, schlägt sie vor, vielleicht mal alle ihr Mittagessen fotografieren und so ein Stück Alltag teilen oder die Kinder sollen Mama oder Papa fotografieren, wie sie so typischerweise aussehen, an diesen Home-Office Tagen: „Das sind Ideen, die dafür sorgen, dass sich der Alltag wieder entspannter anfühlt“.

Der Kreativität auf die Sprünge helfen

Wenn jetzt gefragt ist, an Konzepten zu arbeiten oder Ideen auszubrüten -  wozu man im Büro selten kommt - wie fängt man an? Auf Knopfdruck kreativ sein, das schafft wohl keiner. Susanne Westphal rät zu klarer Struktur: Nichts was ablenkt, erstmal aufräumen und dann ausprobieren was funktioniert, denn „Kreativität ist sehr individuell“. Eine Methode: Mit anderen Medien arbeiten als sonst. Wer normalerweise schreibt, kann es mit Malen versuchen oder versuchen sein Thema mit Lego-Steinen nachzubauen. Ein anderer Inspirationsbringer: Im Internet nach Schlagworten zum Thema suchen, aber bei den Bildern. „Da kann man neue Assoziationen finden und Möglichkeiten, ein Thema anders zu betrachten“.

Auch Heimarbeiter brauchen Entspannung, gerade jetzt, wo jeder sich auch mit Ängsten herumschlägt. Susanne Westphal schlägt vor, Dinge zu tun, mit denen sich positive Gefühle verbinden: „Ich mach etwas, womit ich mich immer schon wohlgefühlt habe und dadurch folgen mir die Gefühle“. Die persönliche feel-good Tätigkeit der Beraterin ist Stricken: „Ich setze mich im Moment sehr, sehr gerne bei guter Musik in meinen Lieblingssessel und stricke an einer komplizierten Jacke. Die wird jetzt wohl durch die Umstände schneller fertig als geplant.“

Im hier und jetzt bleiben

Und wenn sich Sorgen immer wieder in den Vordergrund schieben und man sich schlecht konzentrieren kann? Wer schon einmal eine Zeit voll schwerer Besorgnis erlebt hat, weiß vielleicht noch: Vieles, was in der Zukunft liegt, verschwindet völlig aus dem Blick. Wenn zum Beispiel ein Angehöriger in Lebensgefahr schwebt, ist alles andere unwichtig. Deswegen kann jetzt die Regel helfen: Mach dir keine Sorgen über die Zukunft“, meint Susanne Westphal: „Wer jetzt permanent drüber nachdenkt, wo soll die Miete in drei Monaten herkommen, kann ich meinen runden Geburtstag im Herbst groß Feiern – weg mit solchen Gedanken“. Sie schlägt stattdessen vor: „Machen Sie sich Gedanken über heute, vielleicht noch über morgen“. In einem Ausnahmezustand wie jetzt können solche Grübeleien zu keinem Ergebnis führen, deshalb sollte man versuchen, die weitere Zukunft auszublenden um sich nicht zu überfordern.

Arbeitsberaterin Susanne Westphal bietet auf ihrer Website aktuell einen lockeren Austausch von Ideen und Erfahrungen im Café Corona.

Buchtipp

Susanne Westphal: Überzeugungstäterin

Campus Verlag, 227 Seiten

18 € inkl. MwSt.

Hier bestellen

Die Autorin
Gabriele Hafner
Radio-Redaktion
g.hafner@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie