Gabe des Heiligen Geistes

Sprachengebet: Wenn nur Gott deine Worte versteht

Es ist ein Beten mit Silben und Lauten. Kaum verständlich. Der Heilige Geist selbst soll in dem Moment aus den Menschen sprechen.

Beim Sprachengebet spricht der Heilige Geist aus dem Menschen. © zakalinka - stock.adobe.com

München – „Sende deinen Geist aus und alles wird neu…“ -  So hallt der Fürbittenruf durch die Münchner Bürgersaalkirche am Samstagabend. Doch dann verstummt der Antwortgesang und geht in ein Gemurmel von Silben und Lauten über. Wie eine Welle durchströmt dieses Grundrauschen den großen Raum. Ein Sinn ist aus dem Gesagten und Gesungenem nicht zu erfassen. Wer das sogenannte Sprachengebet zum ersten Mal hört, ist möglicherweise ein wenig irritiert. Das kann der Münchner Pfarrer Willi Huber durchaus nachvollziehen. Er kam in seiner Jugend zum ersten Mal in Berührung mit dieser Form des Betens, dessen Silben und Laute für ihn „das Innere in uns ausdrücken“. Er sieht darin eine Hilfe Gottes beim Beten, wodurch er nicht nachdenken müsse und sich einfach „fallen lassen“ kann.

„da will eine Silbe raus aus dem Mund“

Das Sprachengebet sei ein Geschenk Gottes, erklärt Pfarrer Willi Huber in seiner ruhigen und reflektierten Art: „Ich kann es nur erbeten, am Ende kann ich es nicht machen.“ Als er es mit 17 Jahren zum ersten Mal selbst miterlebte, hat er dafür beten lassen, es auch zu können. Kurze Zeit später ist ihm beim Gebet der Text ausgegangen und er hat sich „mit anderen Silben weiterbeten gefunden“. Über 25 Jahre ist es her, da hat auch Rosina Wagner für sich beten lassen, diese Gabe geschenkt zu bekommen. Kurz danach saß sie als Beifahrerin im Auto und spürte „da will eine Silbe raus aus dem Mund“. Sie konnte es erst nicht glauben und hat es zunächst unterdrückt. Doch dann hat sie sich in der Gemeinschaft mit anderen langsam darauf eingelassen. Heute betet die 63-Jährige regelmäßig in dieser Form.

Gebet ohne Worte

Ihr gefällt die Beschreibung, dass das Sprachengebet eine „Intimsprache zu Gott“ ist. „Ich darf Gott vertrauen, dass der Heilige Geist in mir betet, worum es gerade geht.“, beschreibt sie. Denn er wüsste „viel besser, was in meinem Herzen gerade dran ist.“. Die dunklen Augen von Rosina Wagner strahlen vor Lebendigkeit, wenn sie vom Sprachengebet erzählt. Ihr hilft das Gebet, wenn sie etwas nicht in Worte ausdrücken kann. Zum Beispiel beim Lobpreis, nach einem unruhigen Tag oder gerade auch dann, wenn sie für andere betet: „Oft wissen wir ja gar nicht wirklich, was der andere braucht. Dann gebe es ab an den Heiligen Geist. Er soll wirken.“  

Das Sprachengebet in der Bibel


Das Sprachengebet wird auch Zungengebet oder Zungenrede genannt. Nach dem Neuen Testament ist es eine Gnadengabe des Heiligen Geistes. (1.Korinther 14,2-19) An verschiedenen Stellen in der Bibel wird das Phänomen beschrieben. Eine oft zitierte Stelle ist Röm 8,26-27: „So nimmt sich auch der Geist unserer Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, was wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit unaussprechlichen Seufzern. 27 Der die Herzen erforscht, weiß, was die Absicht des Geistes ist. Denn er tritt so, wie Gott es will, für die Heiligen ein.“

Das Zungengebet als Gebetsform und das Pfingstwunder, das in der Apostelgeschichte (Apg 2,4) beschrieben wird, haben die Gemeinsamkeit, dass der Heilige Geist wirkt. Sie unterscheiden sich jedoch in einem entscheidenden Punkt: Die Apostel konnten sich in fremden, unbekannten Sprachen unterhalten und haben sich dennoch verstanden, beim Sprachengebet geht hingegen es um eine persönliche Verbindung zu Gott.

Doch ist das wirklich der Heilige Geist, der aus den Menschen spricht? Skeptiker würden das sicher verneinen. Und auch Pfarrer Huber hatte ganz zu Beginn Fragen „Ist das wirklich von Gott? Oder sind das Silben, die ich selbst mache?“. Trotzdem hat er das Sprachengebet immer weiter praktiziert und letztlich gab es eine Situation, in der all seine Zweifel zerschlagen wurden: Nach dem Tod seiner Großmutter standen er und seine Familie anschließend noch an ihrem Sterbebett. Für ihn war sie der erste tote Mensch, den er gesehen hat. In diesem Moment wuchs ihn ihm das Bedürfnis zu beten, aber keiner machte den Anfang. So begann er für sich leise das Sprachengebet: „Das war so eine tiefe Erleichterung. Ab dem Zeitpunkt war ich mir sicher. Das ist von Jesus. Das ist gut.“

Gottesdienst mit Sprachengebet

Pfarrer Willi Huber und Rosina Wagner sind Mitglieder der charismatischen Bewegung Neuer Weg. Sie veranstaltet jeden Monat einen Lobpreisgottesdienst in der Münchner Bürgersaalkirche, bei dem auch in Sprachen gebetet wird. In dieser Form zu beten, ist aber keine Voraussetzung, um zu kommen und mitzufeiern. Bei dem Gottesdienst gibt es auch einen Stand, der über das Sprachengebet informiert. Die Mitglieder sind vor Ort und für Fragen ansprechbar. Das nächste Mal findet der Gottesdienst am 19. Juni statt.

Die Autorin
Katharina Sichla
Teamleiterin mk online
k.sichla@st-michaelsbund.de

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