Weihnachtsaktionen der Caritas

Heiligabend für Einsame

Am 24. Dezember ist in den meisten Pfarreien und Sozialverbänden niemand mehr für Alleinstehende, Senioren oder Menschen mit Handicap da. In München aber versucht die Caritas mit zwei Projekten, an einem der emotionalste Tage des ganzen Jahres etwas Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen.

Die Caritas packt Tüten zu Weihnachten, um bedürftigen Menschen eine Freude zu bereiten. © IMAGO / Westend61

München - Seniorenkaffee, oder vorweihnachtliches Beisammensein: im Advent ist das Angebot in den Pfarrgemeinden oder bei der Caritas recht umfangreich, besonders für alleinstehende Menschen oder Menschen in besonderen Lebenssituationen. Aber an Heiligabend reißt das ab. Dann sind diese Menschen wieder allein. Wenn man allerdings genau hinschaut, findet sich doch die eine oder andere Aktion, die Menschen an Heiligabend auffängt: zum Beispiel im Münchner Alten- und Servicezentrum (ASZ) Westend. Hier findet coronabedingt zwar keine Heilig-Abend-Feier mit Plätzchen, Weihnachtsliedern und festlich geschmückten Tischen statt. Der Aufwand wäre mit Impfnachweis und einem tagesaktuellen Test für die Senioren und Menschen mit Handicap einfach zu groß, erklärt Matthias Kachel vom Alten- und Servicezentrum.

Am Jubelfest besser als nichts: „Weihnachten to go“

In diesem Jahr deswegen also „Heilig-Abend-Gabe“ statt „Heilig- Abend-Feier“: in Gruppen holen sich die Menschen im Viertelstundentakt ihr Weihnachtsessen und ein Geschenk ab, dann ist die Nutzung der FFP2-Maske ausreichend. „Im vergangenen Jahr gab es Maronencremesuppe und ein Rindersaftgulasch mit Semmelknödeln, für die Vegetarier Krautwickerl.“ Außerdem nehmen die Besucher eine Geschenketasche mit nach Hause: darin stecken ein Weihnachtsstollen, eine Flasche Punsch, Weihnachtsschmuck zum Aufhängen und kleine Geschenke wie ein Kalender oder Ähnliches. Eine kleine Bescherung mit weihnachtlicher Musik im Hintergrund, das Treffen alter Bekannter und wenigstens ein kleines Gespräch mit Matthias Kachel und seinen Helfern: in Coronazeiten kann halt ein gemeinsamer Heiligabend nicht stattfinden. Aber das Abholen der „Heilig-Abend-Gabe“ ist besser als Nichts, meint Kachel.  

Ehrenamtliche backen Plätzchen

Unterstützung bekommt er von einer ganzen Gruppe Ehrenamtlicher, die teils schon seit Jahren den Heiligabend im Alten- und Servicezentrum Westend vorbereiten und gestalten. So kommen eben auch selbstgebackene Plätzchen in die Weihnachtspäckchen, die sich die dankbaren Besucher abholen. Sie haben oft keine Verwandten oder nur Familie, die weit weg wohnt. Menschen mit Behinderung gehören genauso zu den Heiligabend-Gästen wie Senioren, die von Armut betroffen sind. So kommt das Angebot des ASZ hervorragend an, Mittleerweile seit 15 Jahren. Im vergangenen Jahr gab es mehr Anmeldungen, als Plätze für den Abend vorhanden waren.

"Geschenke-Aktion" feiert Premiere

Ganz anders präsentiert sich die „Geschenke- Aktion“ der Münchner Caritas in der Innenstadt. Sie feiert heuer Premiere: die Abteilung Personalgewinnung hat die Mitarbeiter aufgerufen, kleine Päckchen zu packen. Die sollen den Besuchern des Begegnungszentrums D3 in der Nähe des Hauptbahnhofs zugutekommen. Etwa einhundert Klienten finden sich jeden Tag hier ein: Alkoholkranke, Obdachlose, Menschen mit psychischen Schwierigkeiten. Der Hauptbahnhof und seine Umgebung sind Alkoholverbotszone. Im Begegnungszentrum aber dürfen die Besucher Alkohol trinken (Wein und Bier, keine hochprozentigen Getränke), erklärt Sozialpädagoge Nicolas Patzold.

Caritas-Mitarbeiter verteilen Weihnachtspäckchen

Ihnen allen wollen die Caritas-Mitarbeiter mit kleinen Geschenken helfen: „Die Caritas steht ja für „Nah. Am Nächsten“, das ist unser Slogan. Deshalb haben wir uns überlegt, denen zu helfen, die es dringend nötig haben.“  Celina Jung aus der Abteilung Personalgewinnung hat eine Liste erstellt, was in die Weihnachtspäckchen gesteckt werden soll: Desinfektionsmittel, Hygiene-Artikel, Zigarettentabak und -papier, oder Spielkarten – alles was sich leicht in die Taschen stecken lässt. Der Rücklauf der Weihnachtspäckchen ist ordentlich, noch bis zum 15. Dezember werden Spenden angenommen. Weil die Aktion heuer zum ersten Mal stattfindet, ist noch nicht ganz klar, wie die Geschenke an den Mann/die Frau gebracht werden sollen. Wahrscheinlich werden die Geschenke nach und nach an den Tagen vor Weihnachten und an Heiligabend selbst verteilt. Nicolas Patzold findet die Idee gut, weil sie „spontan und frisch“ ist. Und Celina Jung kann sich gut vorstellen, mit der Geschenkeaktion eine Tradition zu begründen.

Der Autor
Willi Witte
Radio-Redaktion
w.witte@st-michaelsbund.de