Geschenke zu Weihnachten

Was man beim Schenken beachten sollte

Damit Freude bei dem, der etwas verschenkt, und dem, der beschenkt wird, aufkommen kann, sind ein paar kleine Überlegungen hilfreich.

Schenken will gelernt sein. © Jet Cat Studio - stock.adobe.com Jet Cat Studio - stock.adobe.com

Heuer wollen die Deutschen im Schnitt 281 Euro für Weihnachtsgeschenke ausgeben. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Damit liegt die Summe nur knapp unter dem Rekordwert vom vergangenen Jahr. Und so, wie oft vergessen wird, warum wir Weihnachten feiern, rückt auch der Sinn des Schenkens immer mehr in den Hintergrund.

„Wir schenken, weil wir selber Beschenkte sind“, sagt Pfarrer Rainer Schießler aus St. Maximilian in München. Beim Schenken „versuchen wir als irdische Menschen nachzuempfinden, welche Freude der liebe Gott empfunden hat, als er uns seinen Sohn geschenkt hat“. Ein gutes Geschenk lässt sich Pfarrer Schießlers Ansicht nach keinesfalls am Preis festmachen, entscheidend sei vielmehr, ob durch dieses Geschenk Beziehung entstehe.

Unternehmungen schenken

Ganz ähnlich sieht das auch Ursula Zeh aus Nürnberg. Die Psychologin leitet die Beratungsstelle für Ehe- und Partnerschafts-, Familien- und Lebensfragen im Erzbistum Bamberg. Ihrer Meinung nach bereiten die Geschenke am längsten Freude, die man wirklich mit einer Person verbindet, „wo ich merke, der andere hat sich Gedanken gemacht, was mich freuen könnte und was mir wichtig ist und was mir gefällt“. Außerdem sei das so bei Geschenken, bei denen sich der Schenkende selbst einbringt. Gerade in einer Zeit, in der man eigentlich alles schon habe oder sich selbst kaufen könne, mache es am meisten Sinn, etwas gemeinsam mit den für mich wichtigen Menschen zu unternehmen.

In „Schießlers Woche“ spricht Pfarrer Rainer Maria Schießler über Themen, die ihn bewegen. Den Podacst können Sie über die Streamingdienste Spotify, i-tunes, und Deezer abonnieren. Auch in der Mediathek von mk online gibt es den Podcast zum Anhören.

Wenn es um das Beschenken von Kindern geht, ist für Zeh weniger mehr. Denn „irgendwann wird es stumpf und beliebig“. Bei Kindern gebe es eine Regel, die laute: „So viele sie aufzählen können“, alles darüber hinaus sei nicht sinnvoll. Eine Lösung sei, als Familie bei größeren Geschenken zusammenzulegen und dann auch klar zu kommunizieren, wer alles an dem neuen Fahrrad oder Ähnlichem beteiligt war. Und auch für Kinder rät die Psychologin über Zeitgeschenke nachzudenken, beispielsweise einen gemeinsamen Besuch im Tierpark.

Auspacken ist Teil der Freude

Unter vielen Christbäumen werden sich auch in diesem Jahr vermutlich wieder Briefumschläge statt Päckchen befinden. Mehr als jeder Zweite plant laut der Umfrage von Ernst & Young nämlich einfach Geld oder Gutscheine zu verschenken. Gerade bei Kindern mindere das das Erlebnis des Beschenktwerdens: „Das Auspacken ist ein Teil der Freude und auch der Spannung, das finde ich für Kinder wichtig“, erklärt die Psychologin. Bei Erwachsenen verhalte sich die Sache ein wenig anders. Aber auch hier findet Zeh es wichtig, dass es einen Bestimmungsgrund für das Geldgeschenk gibt, „damit da auch ein Bezug zum Schenkenden da ist“. Ein richtiges Geschenk gehört auch für Pfarrer Schießler nicht in ein Kuvert, sondern ordentlich verpackt, „und wenn es nur Zeitungspapier ist. Es muss ja nicht das umweltschädlichste Geschenkpapier sein“.

Freude oder Schuldgefühle?

Aber was passiert eigentlich mit uns, wenn wir ein Geschenk bekommen und auspacken? Im Idealfall, meint die Psychologin, löst es einfach Freude aus, „es werden Endorphine ausgeschüttet, der Puls geht hoch. Ich bekomme gute Laune, die Spannung fällt von mir ab“. Aber Geschenke zu bekommen, macht nicht immer nur glücklich. So löse manches Geschenk Schuldgefühle oder Misstrauen aus, aber auch Enttäuschung, wenn das Geschenk nicht den Erwartungen entspreche oder es das Gefühl vermittle, der andere habe sich nicht viel dabei gedacht, führt Zeh aus.

Eine gute Nachricht gibt es aber für alle, die die Freude an den Geschenken verloren haben: Die kann man sich nämlich zurückholen. Zeh glaubt, es helfe, sich auf die Bedeutung des Geschenks zu besinnen und auf die Botschaft, die es transportieren soll. „Wenn ich sehe, da hat sich jemand viel Mühe gemacht, auch wenn ich das Teil gar nicht unbedingt brauche, dann kommt auch die Freude wieder; wenn ich sehe, da ist mir jemand dankbar, da mag mich jemand, dann freue ich mich doch auch über Geschenke.“

Die Autorin
Linda Burkhard
Radio-Redaktion
l.burkhard@st-michaelsbund.de