Das Labyrinth

Symbol des Lebens

Durch Wege in hohen Maisfeldern oder an Steinlinien entlang laufen - so ein Irrgarten macht Spaß. Dabei ist ein Labyrinth viel mehr, sagt Experte Gernot Candolini.

Der Weg zur Mitte - das Labyrinth © yegorov_nick - adobestock.com

München/InnsbrucK - Ein eigenes Labyrinth? Klingt erst mal aufwendig. Ist es aber nicht, sagt Gernot Candolini, der eine Montessorischule in Innsbruck leitet. Selbst kam er eher zufällig auf das Thema Labyrinth, nämlich als er im Rahmen einer Parkgestaltung um Hilfe gebeten wurde, und da zufällig das Gespräch auf das Labyrinth kam. Er las sich ein und war so fasziniert, dass er kurzerhand den Rasenmäher aus dem Schuppen holte und sein erstes Labyrinth in den Rasen mähte. Von da an war er von dem Thema so fasziniert, dass er mittlerweile unzählige angelegt hat, als Experte auf dem Gebiet gilt und das Buch „Labyrinthe mit Kindern erleben“, geschrieben hat.

Durchhaltevermögen gefragt

„Ein Labyrinth bezeichnet ein System von Linien oder Wegen, das durch zahlreiche Richtungsänderungen ein Verfolgen oder Abschreiten des Musters zu einem Rätsel macht“ – so beschreibt es Wikipedia ganz nüchtern. Und so ist es in der Theorie auch, meint Candolini. Das Besondere am Labyrinth sei, so der Fachmann, dass es in seiner alten, ursprünglichen Form nur einen Weg zur Mitte hat, ohne Sackgassen, ohne Abzweigungen. In der Mitte müsse man umdrehen und denselben Weg zum Ausgang gehen. Und man müsse immer den ganzen Weg gehen, könne das also nicht schneller, besser oder richtiger machen. Die Kunst sei es, sich drauf einzulassen und es zu begehen. Gerade Kinder können das besonders gut. Auch, wenn ein Labyrinth oft nur aus einer Vielzahl von Steinen, die auf dem Boden in Linien angeordnet sind, besteht, Candolini, der als Schulleiter viel mit Kindern zu tun hat, sagt: „Ein Kind zwischen zwei und 10 Jahren wird diese Linien nicht überspringen, sondern den ganzen Weg abgehen, denn das macht die Faszination davon aus.“ Eine Faszination, die viele Erwachsene ebenfalls spüren. Das Labyrinth symbolisiere den Lebensweg, meint Candolini. „Ein Weg mit vielen Windungen, neuen Wendungen zur inneren Mitte, den jeder Mensch gehen muss“, beschreibt er das Labyrinth.

Geschichte des Labyrinths

Labyrinthe gibt es aus unterschiedlichen Materialien. Oft wurden sie wohl nur in den Boden geritzt und sind irgendwann wieder verschwunden. Aber die uralten Steinlabyrinthe sind uns bis heute erhalten. Wozu die Labyrinthe ursprünglich angelegt wurden, ist nicht genau geklärt. Eine Vermutung sei es, so Candolini, dass sie etwas mit der Seefahrt zu tun hatten, denn sie tauchten oft direkt am Mittelmeer auf bevor sie sich in die ganze Welt ausbreiteten.

Die Fußbodenlabyrinthe in mittelalterlichen Kathedralen sollen als Bußübung gedient haben und kniend mit vielen Gebetsstationen bewerkstelligt worden sein. Das bekannteste, oft nachgeahmte, ist das in der Kathedrale von Chartres. Es geht auf eine Zeichnung von Villard de Honnecourt zu Beginn des 13. Jahrhunderts zurück, hat einen Durchmesser von 12,8 Metern und elf Umgänge. Es ist aus weißem und blauem Stein.

Wer nicht soweit möchte, sondern ein Labyrinth in seiner Nähe entdecken will, eine gute Karte gibt es unter begehbare-labyrinthe.de. Aber es muss nicht immer so ein aufwendiges Labyrinth sein. Man kann auch kleine Labyrinthe ins Gras mähen und aus Kaffeebohnen oder Teelichtern legen. Ein Labyrinth macht jedem Spaß und fördert vor allem eines: das Durchhaltevermögen. Und man lernt mit einem Labyrinth viel fürs Leben.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de