Erzbistum reagiert auf Gutachten zu Missbrauch

Nach Kardinal Marx-Statement: Betroffener vorsichtig optimistisch

Richard Kick sieht die Geschehnisse rund um die Veröffentlichung der Missbrauchsstudie im Erzbistum als "großen Wendepunkt" – vor allem in Bezug auf die Wahrnehmung von Betroffenen und die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der Kirche.

Richard Kick, Mitglied im unabhängigen Betroffenenbeirat der Erzdiözese München und Freising © Kiderle

München – "Ein klares Zugehen auf Betroffene", so fasst Richard Kick das zusammen, was er an diesem Donnerstag von den Verantwortlichen des Erzbistums München und Freising gehört hat. Diese reagierten auf einer Pressekonferenz in der Katholischen Akademie in Bayern auf das vor einer Woche vorgestellte Missbrauchsgutachten der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW).  Er sehe die Geschehnisse rund um die Veröffentlichung der Studie schon als "großen Wendepunkt" an, so Kick, vor allem in Bezug auf die Wahrnehmung von Betroffenen und die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der Kirche.

Kick ist Mitglied im unabhängigen Betroffenenbeirat der Erzdiözese München und Freising. Als Kind wurde er von einem Geistlichen jahrelang sexuell missbraucht, erst seit einer Traumatherapie, die er 2010 begann, kann er über die damaligen Ereignisse sprechen. Viele Betroffene litten unter posttraumatischen Belastungsstörungen. Sie könnten den Missbrauch selbst nicht mehr "spüren", nur die teils massiven negativen Auswirkungen auf ihr Leben, so Kick.

Entlassung von Offizial Wolf gefordert

Das Gutachten habe klar die Ursachen des Missbrauchsskandals aufgezeigt, diese ließen sich nicht mehr wegdiskutieren, betont Kick. Deshalb sei er - was die zukünftige Aufarbeitung betrifft - vorsichtig optimistisch, "auch wenn es noch ein harter und steiniger Weg sein wird", sagte Kick zu mk-online. Er begrüßt, dass der im Gutachten kritisierte Münchner Offizial Lorenz Wolf nun alle seine Ämter und Aufgaben ruhen lässt. Zugleich fordert er, dass Wolf nach seiner noch folgenden Stellungnahme von seinen Aufgaben dauerhaft entbunden und "gegangen" wird.

In Bezug auf Kardinal Reinhard Marx sagte Kick, dass er sich mehr Empathie vom Erzbischof im Umgang mit den Betroffenen wünsche. "Aber er ist ein wichtiges Bindeglied und wir brauchen ihn." Betroffenenbeirat und Aufarbeitungskommission im Erzbistum hätten die Aufgabe, darauf zu achten, dass geplante Maßnahmen "heute, morgen und übermorgen passieren und nicht in fünf Jahren". Aber der Prozess dazu sei angestoßen und dieser lasse sich auch nicht mehr aufhalten, betont Kick. 

Wenn Sie selbst von Missbrauch betroffen sind, oder jemanden kennen, der von Missbrauch in der katholischen Kirche betroffen ist, dann finden Sie auf der Seite der Deutschen Bischofskonferenz Informationen, wohin Sie sich wenden können. Auch im Erzbistum München und Freising gibt es verschiedene Anlaufstellen für Betroffene.

Der Autor
Klaus Schlaug
Online-Redaktion
k.schlaug@st-michaelsbund.de