Reforminitiative "Wir sind Kirche"

Aufarbeitung von Missbrauch: "Es braucht noch mehr Druck"

Die Geduld vieler Gläubiger sei am Ende: Christian Weisner von der Reformbewegung "Wir sind Kirche" zweifelt an, ob die Reaktion von Kardinal Marx auf das Missbrauchsgutachten ausreicht, um die drohende Welle von Kirchenaustritten zu stoppen.

Christian Weisner, Mitglied im Bundesteam von "Wir sind Kirche" © KNA

München – In der Reaktion des Erzbistums auf das Missbrauchsgutachten der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) sei deutlich geworden, unter welchem Druck die Kirchenleitung stehe, so Christian Weisner vom Bundesteam der Reformbewegung "Wir sind Kirche". Kardinal Reinhard Marx kündigte bei der Pressekonferenz in der Katholischen Akademie in Bayern an, spätestens in einem Jahr darüber berichten zu wollen, welche konkreten Veränderungen nach der Analyse des Gutachtens in Gang gesetzt wurden.  Weisner befürchtet, "dass viele Menschen nicht mehr die Geduld haben", darauf zu warten.

Neue Struktur von Kirche

Positiv sei, dass Kardinal Marx die Bedeutung des Reformdialogs Synodaler Weg für die Aufarbeitung des Missbrauchs unterstrichen und verteidigt habe.  "Es geht wirklich um eine andere Theologie und eine andere Kirchenstruktur", sagte Weisner zu mk-online.  Es sei falsch, wie der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer von einem "Missbrauch des Missbrauchs" zu sprechen, da stimme er Marx zu.

Unklar sei geblieben, so Weisner, wie Kardinal Marx die Rolle und Verantwortung von Papst emeritus Benedikt XVI. bewertet. "Da hätte ich mir gewünscht, dass er sich deutlicher distanziert."

Aufarbeitung von Missbrauch ist Generationenaufgabe

Es zeige sich, dass es eine Generationenaufgabe sei, den Missbrauch aufzuarbeiten. "Es braucht noch viel mehr Druck von unten, von der Öffentlichkeit und den staatlichen Institutionen, damit in der katholischen Kirche etwas passiert", sagte Weisner.

 

Der Autor
Klaus Schlaug
Online-Redaktion
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