Fest zum Jubiläum

100 Jahre Caritas im Erzbistum München und Freising

Knapp 10.000 Menschen arbeiten im Erzbistum München und Freising für die Caritas – rund um die Uhr, an jedem Tag der Woche. Jetzt hat Oberbayerns größter Sozialverband in Rosenheim sein hundertjähriges Bestehen gefeiert.

Prominente Teilnehmer bei der Podiumsdiskussion zum Caritas-Jubiläum: Josef Mederer, Bezirkstagspräsident Oberbayern; Eva-Maria Welskop-Deffaa, Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes; Hermann Sollfrank, Caritas-Diözesandirektor; Moderatorin Ursula Heller; Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU); SPD-Landtagsabgeordnete Doris Rauscher; (v.l.n.r.) © Witte/SMB

Rosenheim – „Es kann keine Kirche geben ohne Caritas!“ brachte es Kardinal Reinhard Marx beim Festgottesdienst in der Rosenheimer Christkönigkirche auf den Punkt. Denn die Caritas stehe an der Seite der Armen. Zum 100-jährigen Jubiläum der Caritas im Erzbistum München und Freising stellte Marx den Wohlfahrtsverband als Vorbild für die Kirche dar: denn eine Kirche, die sich nicht um die Armen kümmere, könne nicht wahre Kirche sein.

Armut, Krieg und Flucht: Caritas-Arbeit unverändert notwendig

Beim Festakt im Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrum griff Caritas-Diözesandirektor Hermann Sollfrank diesen Gedanken wieder auf: auch heute noch „federe die Caritas soziales Leid ab“. Armut, Krieg und Flucht seien nach wie vor Thema, an der Notwendigkeit der Caritas-Arbeit habe sich in den letzten einhundert Jahren nichts geändert. Beim Podium zu Themen wie Armutsbekämpfung, Wohnungsnot und der Inflation zeigten sich Differenzen: Gesundheitsminister Klaus Holetschek argumentierte, bei den Folgen von Inflation und steigenden Energiepreisen für Einrichtungen wie Krankenhäusern und Altenheimen sei der Bund gefragt, trotz eines Programms, das Bayern jetzt zur Entlastung aufgelegt habe. Die SPD-Abgeordnete Doris Rauscher, Vorsitzende des Landtagsauschusses Arbeit und Soziales, hätte sich das bayerische Programm früher und mehr Offenheit von der Staatsregierung gewünscht. Die Präsidentin des Deutschen Caritas-Verbandes, Eva-Maria Welskop-Deffaa, mahnte an, die Politik dürfe in der (Energie)-Krise den Blick nicht nur auf die Wirtschaft richten, auch die Altersheime „müssen beheizt werden“.

Star-Photograhin zeigt "Gesichter der Caritas"

Beim bunten Festtag zum runden Geburtstag der Caritas im Erzbistum stellte Star-Photographin Herlinde Koelbl auch Bilder aus, die als das „Gesicht der Caritas“ gelten könnten: großformatige Portraitfotos von Klienten der Diözesan-Caritas sowie haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden. Die abgelichteten Personen, Menschen im Alter zwischen einem und 90 Jahren, blicken den Betrachter direkt an: So kann man in Dialog mit den Menschen treten“, erklärte die Fotokünstlerin. Für sie seien die Portraitierten Partner und keine Objekte, sie versuche, den Menschen zugewandt zu sein. 

Kabarettist Springer wünscht Gelassenheit bei all den Krisen

Die eigene Zuwendung zu den Menschen machte der Caritas-Verband auch mit einem Projekt deutlich, dass die Mitarbeitenden im Foyer des Kultur- und Kongresszentrums aufgebaut hatten: Infostände zeigten die ganze Bandbreite der Caritas-Arbeit. Unter dem Motto „Walk and Talk“ nahmen die Caritas- Vorstände Besuchergruppen zu einzelnen Ständen mit, wo Fachleute unter anderem aus den Bereichen Migration, Suchthilfe und Inklusion Rede und Antwort standen. Direktor Sollfrank: „dazu gehört auch der Bereich „technische Innovation“, also Versorgung und Versorgungsforschung“. Beeindruckendes Zeugnis der Digitalisierung in diesem Bereich war der Assistenzroboter „Edan“, der Menschen mit Handicap mehr Lebensqualität ermöglichen soll.

Stargast zum Ausklang des Geburtstagsfestes war der Kabarettist Christian Springer, der mal nachdenklich von seiner Arbeit für syrische Flüchtlinge erzählte, mal launig über die Auswüchse des Genderns in der deutschen Sprache schwadronierte. Er wünschte sich, den Gästen und den Caritas-Mitarbeitenden, bei allen anstehenden Krisen für die Zukunft mehr Gelassenheit.

Der Autor
Willi Witte
Radio-Redaktion
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