Jubiläum 20 Jahre

Trotz Inflation und Krieg: Trostberger Tafel konnte immer Lebensvermittel verteilen

Corona, Inflation und Ukraine-Krieg: Ulrike Bergmann-Fritz, Leiterin der Trostberger Tafel, versucht gelassen zu bleiben. 20 Jahre Tafel-Erfahrung kommen ihr dabei zugute.

Tafel-Leiterin Ulrike Bergmann-Fritz mit Lebensmittel-Spenden © SMB/Hasel

Erste Erfahrungen mit der Arbeit von Tafeln hat Ulrike Bergmann-Fritz in München gesammelt. Als sich ihr Lebensmittelpunkt ändert, weil sie nach Trostberg im nördlichen Landkreis Traunstein zieht, stellt sich ihr deshalb die Frage: Gibt es in der Kleinstadt Bedarf für eine Tafel, die Bedürftige mit Lebensmitteln versorgt? Zusammen mit Mitstreitern des örtlichen Arbeitskreises „Agenda Soziales“ erkundigt sie sich im damaligen Sozialamt. Das sieht durchaus Potential für eine Tafel-Initiative.

Tafel für Erwachsene, Schulkinder und Tiere

Für Bergmann-Fritz ist das der Startschuss. 2002 gründet sie im Rahmen der örtlichen katholischen Kirchenstiftung die Trostberger Tafel. Mit klaren Regeln: Berechtigt zum Besuch der Tafel sind Empfänger von Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld. „Es wird alles geprüft im Bürgerbüro, und dort wird entschieden, ob ein Tafelschein ausgestellt wird oder nicht“. Rentner, Alleinerziehende oder Großfamilien gehörten seit jeher zu den Kunden. Mit den Jahren kommen Geflüchtete hinzu. Und die Initiative wächst weiter. Zum Tafelladen gesellt sich eine Frühstücks-Tafel für Schulkinder und die Tiertafel. Um dies alles organisatorisch zu bewältigen holt Bergmann-Fritz 2016 die Malteser als Träger der Einrichtung „mit seinem ganzen Know-How“ mit ins Boot.

Motivierte ehrenamtliche Helfer

Die zweite große Säule der Tafel-Initiative sind von Anfang an die Ehrenamtlichen. 75 Helfer gibt es zurzeit, davon sind 50 aktiv, erklärt Bergmann-Fritz. Eine von ihnen ist Margarete Hulm. Die Rentnerin aus Trostberg ist fast von Anfang an mit dabei. Sie gehört zu den „Lagerdamen und -herren“, die die angelieferte Ware der Sammeltouren im Laden einräumen. Konkret heißt das: Gemüse aussortieren und putzen, und ganz wichtig: immer auf das Mindesthaltbarkeitsdatum bei Jogurt und Butter achten, erklärt Hulm. Das 20-Jahr-Jubiläum der Trostberger Tafel sieht sie mit gemischten Gefühlen: „Es ist wirklich sehr traurig, wenn Menschen auf Lebensmittelspenden angewiesen sind in so einem reichen Land wie bei uns“. Andererseits findet Hulm es wichtig, auf lokaler Ebene „in kleinem Maß“ etwas dagegen zu tun. „Ich finde den Gedanken, dass man Lebensmittel statt zu vernichten an Personen weitergibt, denen damit über die Runden geholfen wird, einfach großartig“.

Zukunftssorgen: mehr Nutzer bei zurückgehenden Spenden

Für die Zukunft wünscht sich die Trostbergerin, dass es weiterhin ausreichend Helfer gibt, die sich für die Tafel engagieren. Eine Sorge, die auch Tafel-Leiterin Bergmann-Fritz umtreibt. Die aktuellen Krisen hätten dazu geführt, dass viele, die eigentlich mitmachen wollten, es nicht könnten, weil sie erst einmal selbst schauen müssten, wie sie über die Runden kommen. Noch aber läuft alles nach Plan, und Ulrike Bergmann-Fritz trotzt mit ihrem Team aus Ehrenamtlichen den Folgen der aktuellen Krisen wie Corona, Inflation und Ukraine-Krieg. Waren es vor Corona rund 280 Menschen, die die Tafel genutzt haben, ist die Zahl mittlerweile auf gut 400 angewachsen. Hinzu kommt die Entwicklung, dass immer mehr Nutzer dazu kommen und es gleichzeitig immer weniger Lebensmittelspenden gibt, weil Supermärkte und Geschäfte mittlerweile auch eigene Modelle für die Weitergabe überschüssiger Ware entwickelt haben.

Gelassen bleiben in der Krise

Auch wenn die Zeiten schwieriger geworden sind: Ulrike Bergmann-Fritz bleibt Optimistin. „Wir haben uns noch nicht mit einer Deadline beschäftigt, bis da hin und nicht weiter, sondern wir lassen es jetzt ganz gelassen auf uns zukommen, sind in gutem Austausch mit dem Träger, der ja auch immer wieder Hilfsmaßnahmen anbieten kann, und dann schauen wir einfach, was kommt“. Bislang sei, so die Tafel-Leiterin, noch nie eine Lebensmittel-Ausgabe ausgefallen. Und das bleibe auch ihr Anspruch für die kommenden Jahre. Vor zwei Jahrzehnten hätte sie nicht einmal im Traum daran gedacht, dass ihr Leben diese Richtung nehmen würde, bemerkt Ulrike Bergmann-Fritz rückblickend. Die Trostberger Tafel ist ihr Lebenswerk geworden, daran lässt sie keinen Zweifel.

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Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de