Tipps in Zeiten der Corona-Pandemie

So können Sie mit Angst umgehen

Sorge um die Gesundheit, den Arbeitsplatz und das Einkommen – gerade in der derzeitigen Situation ist für viele Menschen Unsicherheit ein fester Begleiter. Doch wie lässt sich mit diesen Sorgen gut umgehen?

Für viele Menschen ist Angst während der Corona-Pandemie ein Begleiter.

München – Wohl die wenigsten haben schon eine vergleichbare Situation erlebt wie jetzt. So viel Ungewissheit und Unsicherheit sind wir nicht gewöhnt. Sorge um die eigene Gesundheit und die der Angehörigen, Sorge um den Arbeitsplatz und das Einkommen. Selbst nervenstarke Menschen spüren jetzt, dass diese Pandemie Angst macht. Eine Angst, die an uns nagt. Der verordnete Stillstand des öffentlichen Lebens verschafft eine gewisse Atempause, aber auch viel Zeit, sich in Sorgenschleifen hineinzubohren. Möglichkeiten zur Ablenkung fallen jetzt weg, man muss sich den Ängsten stellen und sie vielleicht auch eindämmen, aber wie?

Sibylle Loew ist katholische Leiterin der Krisenberatungsstelle Münchner Insel. Die Theologin und Therapeutin weiß, dass Ängste menschlich sind: „Ängste sind etwas sehr Gutes, etwas Wichtiges. Ohne sie könnten wir nicht überleben. Das ist ein Urinstinkt, der in unserem Stammhirn verankert ist.“ Da setzt zum Beispiel ein Fluchtmechanismus ein, wenn ein Gegenstand auf uns zufliegt. Der Körper kann dadurch in Sekundenschnelle reagieren. Belastend werden Ängste, wenn sie sich verselbständigen und den Realitätsbezug verlieren: „Da wandeln sie sich zu einem Fluch, der mich nicht mehr loslässt. Und meistens ist es so, dass dann unsere Angstphantasien mit uns entgleisen“, berichtet die Therapeutin aus der Praxis.

Miteinander reden

Was aber kann man diesen Phantasien entgegenhalten? Loew rät: „Wichtig finde ich es, dass man versucht, sich zu beruhigen. Also nicht sich noch weiter in die Angstspirale hineinzudrehen. Sich bewusst machen, ob da wirklich eine konkrete Gefahr besteht in diesem Moment. Sich sagen‚ okay, ich bin jetzt hier in Sicherheit in meinen eigenen vier Wänden, habe gegessen, getrunken‘ – dann kann man auch mit der Angst aufhören.“ Ein sachlicher Faktencheck könne dabei helfen: Was spricht wirklich dafür, dass jemand in der Familie sich ansteckt oder schwer erkrankt?

Und auch wenn Corona-Ängste kein entspannendes Gesprächsthema sind: Reden hilft. Dazu ermutigt Loew. „Natürlich ist es gut, mit jemand anderem zu reden, so sachlich wie möglich. Zu sagen, ich hab die und die Befürchtung, wir haben da jemanden getroffen, der war möglicherweise angesteckt.“ Wichtig dabei sei auch, die eigenen Gefühle zu benennen: „Sagen, ich mach mir Sorgen, ich hab da Angst, ich kann schlecht schlafen.“

Aussteigen aus der Gedankenschleife

Viele erliegen dem Sog, ständig Nachrichten anzuschauen und die neuesten Zahlen nachzusehen. Dem zu widerstehen ist nicht einfach. Manche Menschen sind besonders ängstlich und sorgen sich stärker als andere. Für sie ist es besonders wichtig, Abstand zu bekommen, das ist eine Erkenntnis aus der therapeutischen Arbeit, erklärt Loew und räumt ein: „Das Denken kann man tatsächlich schwer steuern, das wissen wir alle.“ Aber man kann methodisch vorgehen, in ganz konkreten Schritten: „Der erste Schritt dazu ist, eine Wahrnehmung aufzubauen: ‚Ah, jetzt bin ich schon wieder in meiner Angst-Gedankenschleife.‘“ Da sind vielleicht Phantasien über Phantasien, was alles passieren könnte, welche Probleme die Kinder bekommen könnten oder die Eltern. Aber das bewusste Wahrnehmen macht einen weiteren Schritt möglich: „Dann kann ich mir auch sagen: Will ich da jetzt wirklich weiter drinbleiben oder stoppe ich das? Ich kann mich entscheiden.“ Dann kann man sich sagen: „Nein, jetzt zu dieser Uhrzeit möchte ich aussteigen aus dieser Gedankenschleife.“

Die Autorin
Gabriele Hafner
Radio-Redaktion
g.hafner@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie