München

Kreisjugendring: Anstieg der Kinderarmut befürchtet

Ende des Jahres erscheint der neue Armutsbericht der Stadt München. Frauke Gnadl von „Hilfe für Kids“ befürchtet, dass die Zahlen deutlich höher sein werden als zuletzt. Dafür gibt es mehrere Ursachen.

Hohe Mieten, Corona und die Inflation verstärken die Kinderarmut in München, meint Frauke Gnadl vom Projekt "Hilfe für Kids". © Ralf Geithe - stock.adobe.com

Kinder und Jugendliche bekommen in München immer mehr das Gefühl abgehängt, zu sein“, sagt Frauke Gnadl, Projektleiterin bei „Hilfe für Kids“. Das Spendenprojekt des Kreisjugendrings (KJR) München-Stadt gibt es seit 1998. Damals hatten die Betreuer in den Einrichtungen des KJR Alarm geschlagen, weil immer mehr Kinder hungrig oder nicht ausreichend gekleidet in den Freizeitstätten erschienen waren. Seitdem sammelt „Hilfe für Kids“ Spenden für bedürftige Kinder und Jugendliche in München. Davon werden beispielsweise Ferienfahrten und Bildungsangebote für die Kinder bezahlt.

Hilfswerk: Corona-Pandemie und Energiekrise verstärken Kinderarmut

2 bis 2,5 Millionen Kinder in Deutschland gelten als arm (Unicef-Studie (6/2017). In München waren es 2017 rund 30.000 Kinder (Armutsbericht 2017). Der neue Armutsbericht der Stadt erscheint Ende dieses Jahres. Gnadl geht davon aus, dass sich die Zahlen deutlich erhöhen werden. Das deutsche Kinderhilfswerk hat erst kürzlich eine fehlende Gesamtstrategie zur Bekämpfung der Kinderarmut in Deutschland angemahnt. Die Corona-Pandemie und die gegenwärtige Energiekrise hätten beim Thema Kinderarmut als Verstärker gewirkt, ohne dass seitens der Politik ausreichend darauf reagiert worden sei, kritisierte der Präsident des Kinderhilfswerks, Thomas Krüger.

Verbesserungen von Bildungschancen gefordert

Auch Gnadl wundert sich, warum in den vergangenen 24 Jahren, seitdem es „Hilfe für Kids“ gibt, keine strukturellen Veränderungen in München vorgenommen wurden. So fehlten beispielweise noch immer wirklich niederschwellige Hilfsangebote, leichter verständliche Formulare und besser erreichbare Ämter. Veränderungen, die vermutlich schneller umzusetzen wären, als das große Problem des fehlenden und bezahlbaren Wohnraums in München zu lösen sein dürfte. Langfristig müssten vor allem aber die Bildungschancen deutlich verbessert werden. Denn um die Kinderarmut im reichen München zu bekämpfen sollte endlich größer gedacht werden, fordert Gnadl.

Die Autorin
Cathrin Schreiber
Radio-Redaktion
c.schreiber@st-michaelsbund.de