Beten in Corona-Zeiten

Hausgottesdienste statt Sonntagsmesse

Verpflichtende Anmeldung, begrenzte Teilnehmeranzahl, strenge Hygienemaßnahmen - nicht jeder fühlt sich zurzeit wohl dabei Präsenzgottesdienste zu besuchen. Deswegen muss man aber nicht auf Gottesdienste verzichten.

Eine Familie betet gemeinsam © Pixel-Shot - stock.adobe.com

München - Es gehört einfach zum Sonntagvormittag dazu: das Läuten der Kirchenglocken, die uns zur Feier der Heiligen Messe einladen. Auch an den kommenden Sonntagen werden wir die Glocken wieder hören. Manch einer fühlt sich davon zurzeit aber nicht besonders eingeladen. Auch wenn Präsenzgottesdienste unter strengen Coronamaßnahmen möglich sind, bleiben viele lieber vorsorglich daheim. Wer auf das gemeinsame Gebet dennoch nicht verzichten möchte, der kann das natürlich auch in den eigenen vier Wänden in einem Hausgottesdienst mit der Familie tun.

Einen Hausgottesdienst feiern kann jeder. Auf der Homepage des Erzbistums München und Freising findet man für jeden Sonntag eine Anleitung, wie man eine Hausandacht gestalten kann. Einfach auf das entsprechende Datum klicken, und man bekommt jede Menge Tipps. 

Was braucht man für einen Hausgottesdienst?

Schön wäre eine kleine Tischdecke, auf der man ein Kreuz platzieren kann. Dazu kommt noch eine Kerze, die zu Beginn des Gottesdienstes angezündet wird. Die Eltern sollten vorab die Lesung aus dem Sonntags-Evangelium vorbereiten. Und wenn die Kinder mögen, können sie ein paar Lieder heraussuchen. Man darf auch durchaus ein paar Getränke und Snacks bereitstellen. Und dann kann es eigentlich schon losgehen.

Wie läuft ein Hausgottesdienst ab?

Das Schöne an Wortgottesdiensten ist, dass man sie relativ frei gestalten kann. Allerdings sollten sie in einem bestimmten Rahmen stattfinden. Da ist es auch wieder sehr hilfreich, wenn man den Vorgaben auf der Erzbistums-Homepage folgt. Man beginnt zunächst mit dem Kreuzzeichen und entzündet dann die Kerze. Als Nächstes kommt das erste Lied und danach liest der Vater oder die Mutter das Evangelium. Nach einer kurzen Zeit der Stille kann jeder, der möchte, eine Fürbitte sagen. Gerade Kinder formulieren oft erstaunliche Fürbitten, das ist jedenfalls meine Erfahrung. Dann betet man gemeinsam das Vaterunser. Und zum Schluss singt man ein Segenslied oder der Vater bzw. die Mutter erbittet den Segen Gottes.

Wie lange sollte eine Hausandacht dauern?

Man richtet sich am besten nach dem Alter der Kinder. Wenn Kleinkinder mit dabei sind, sollte der Gottesdienst höchstens 15 bis 20 Minuten dauern. Wenn die Kinder schon Jugendliche sind, kann man natürlich auch länger machen. Da kann man sich dann zum Beispiel auch über das Evangelium austauschen. Jeder sagt, was ihn angesprochen hat oder was ihm besonders aufgefallen ist. Das wäre noch eine Möglichkeit, die Andacht intensiver zu gestalten.

Zum Schluss ein Liebesmahl

Damit nach dem Gottesdienst nicht alle sofort wieder auseinandergehen, kann man mit den vorbereiteten Getränken und Snacks eine Agape abhalten, auf Deutsch: ein Liebesmahl feiern. Das ist eine Tradition aus der frühen Kirche, die noch einmal herausstellt, dass es die Liebe Gottes ist, die die Gemeinschaft und damit auch die Familie zusammenhält. Und das symbolisiert sich natürlich auch in dem vielen guten Essen, dass Gott uns für die Agape schenkt. Gerade an den Sonntagen der Fastenzeit bietet die Agape einen schönen Ausklang für den Hausgottesdienst, denn da darf man das tun, auf was man schon die ganze Woche gewartet hat: Fastenbrechen!

 

Die Meldung wurde am 27.3.2020 zum ersten Mal veröffentlicht.

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie