Laiengremium im Münchner Erzbistum

Armin Schalk ist neuer Vorsitzender des Diözesanrats

Der Diözesanrat der Katholiken der Erzdiözese München und Freising hat einen neuen Vorsitzenden: Armin Schalk setzte sich bei der Wahl in Ohlstadt gegen Hiltrud Schönheit durch. Der bisherige Amtsinhaber, Professor Hans Tremmel, war nach drei Amtsperioden nicht mehr angetreten.

Armin Schalk (rechts) folgt Hans Tremmel an der Spitze des Diözesanrats der Katholiken der Erzdiözese München und Freising © Kiderle

Ohlstadt – Die Spannung war so groß wie schon lange nicht mehr, und selbst langjährige Kenner grübelten, wann zuletzt bei einer Vorstandswahl des Diözesanrats mehr als ein Kandidat auf der Wahlliste stand. Nach drei Amtsperioden und zwölf Jahren hatte der amtierende Vorsitzende, Professor Hans Tremmel (58), bereits im Vorfeld angekündigt, nicht mehr zur Wahl anzutreten. Es stand jedoch zunächst kein Nachfolgekandidat frühzeitig fest.

Zwei Kandidaten für den Vorsitz

Erst eine Woche vor der Vollversammlung machte der Name Armin Schalk (55) die Runde, der als Vertreter der Region Nord bereits seit Jahren Mitglied im Vorstand des Diözesanrats war. Zwei Tage vor der Versammlung dann die Überraschung: Auch Hiltrud Schönheit (62), die Vorsitzende des Katholikenrats München, verkündete ihre Kandidatur. Somit waren interessante Bewerbungsreden und Diskussionen garantiert, als sich die Delegierten des Diözesanrats in Ohlstadt im Landkreis Garmisch-Partenkirchen versammelten.

Es war die erste Vollversammlung nach der Pfarrgemeinderatswahl am 20. März dieses Jahres, somit nahmen zahlreiche neugewählte Rätevertreter erstmals teil. Nach einigen Grußworten sowie einem Fotorückblick über die Aktivitäten des Diözesanrats seit 2018 bildeten die traditionellen Berichte zur Lage den ersten Programmhöhepunkt.

Bericht des Diözesanratsvorsitzenden

Hans Tremmel legte in seiner Abschiedsrede als Vorsitzender des Diözesanrats den Schwerpunkt zunächst auf den Synodalen Weg. Er habe gemeinsam mit anderen Diözesanräten darauf hingewirkt, dass der Text „Gemeinsam beraten und entscheiden“ noch nicht bei der 4. Synodalversammlung im September zur Abstimmung gekommen sei, da hier noch Veränderungsbedarf bestehe. Denn im Gegensatz zu manchen anderen deutschen Diözesen sei der Diözesanrat im Erzbistum München und Freising „weiter“ und verstehe sich „nicht nur als Beratungs-, sondern insbesondere in gesellschaftspolitischen Themen durchaus als Entscheidungsgremium“. Mit Blick auf einen möglichen Synodalen Rat auf Diözesanebene sagte er, es sollten keine neuen Gremien eingeführt werden.

In der Folge übte Tremmel scharfe Kritik am Verhalten derjenigen Bischöfe, die am ersten Abend der Synodalversammlung in Frankfurt gegen den Grundtext „Leben in gelingenden Beziehungen – Grundlinien einer erneuerten Sexualethik“ gestimmt hatten, ohne sich vorher an der Diskussion beteiligt zu haben. Wie gewohnt fand er klare Worte und sprach von einer „verheerenden“ Außenwirkung, einem „Skandal“, einem „Fiasko“, einem „inakzeptablen“ und „beschämenden“ Verhalten der „Minoritäts-Bischöfe und notorischen Wahrheitsbesitzer“.

Weite Perspektiven und gemischte Gefühle

Mit seinem Resümee, man sei in einer „guten Richtung für die gesamte Kirche Jesu Christi“ unterwegs, und der Feststellung, der Synodale Weg sei „kein Spaziergang“, sondern „eine Alpenüberquerung. Unser erklärtes Ziel dabei aber ist Rom und nicht Canossa“, verriet er eine Perspektive, die klar über Deutschland hinausgeht.

Abschließend gab der Vorsitzende Einblicke in seine persönliche Arbeit im Diözesanrat, die auch von Konflikten und der Mühsal des „Gremienkatholizismus“ geprägt gewesen sei und in die „Energie, Nerven, Herzblut, Kompetenz, Geld und nicht zuletzt ganz viel Lebenszeit“ geflossen seien. Dennoch scheide er mit Dankbarkeit aus diesem Amt, das ihm „Pflicht und Ehre“ gewesen sei. Die Zusammenarbeit mit Kardinal Marx bezeichnete er als vertrauensvoll, konstruktiv und herzlich. Die Delegierten erwiderten den Dank und die guten Wünsche von Professor Tremmel mit stehenden Ovationen.

Bericht des Erzbischofs

Dann trat Kardinal Marx ans Mikrofon und hob zu einer knapp halbstündigen Rede an. Wie schon bei den beiden vorausgehenden Vollversammlungen nahm er die aktuelle Debatte um Synodalität und das Verhältnis zwischen Orts- und Weltkirche in den Blick. Über eine mögliche künftige Verpflichtung der Bischöfe, Rechenschaft über ihre Arbeit abzulegen, sagte der Erzbischof: „Das will ich gerne tun.“ Weiterhin seien er selbst wie auch alle Gläubigen „Lernende“, was Synodalität bedeute.

Seine erste und wichtigste Aufgabe als Erzbischof sei der Dienst an der Einheit: Er müsse Brücken bauen und darauf hinwirken, dass möglichst viele in der Kirche zusammenblieben. Dabei sei es wichtig, Polarisierungen zu vermeiden und sich selbst nicht polemisch ins Blickfeld zu rücken. Er versprach, im Erzbistum „synodal weiterzumachen“, auch wenn der Synodale Weg als offizielles Format ende. Offen und kritisch zu sein, klare Positionen zu haben, dabei aber immer wieder das Gespräch zu suchen und zu starke Frontenbildung zu unterbinden – diese Haltung lobte Kardinal Marx auch an Tremmel, dem er für seine Arbeit ein herzliches Vergelt’s Gott sagte.

Wahl des Ersten Vorsitzenden

Die nun folgende Vorstandswahl begann mit den kurzen Vorstellungsreden der Kandidaten auf den Vorsitz. Armin Schalk, ein Physikingenieur, der in der Hochtechnologiebranche als Niederlassungsleiter eines weltweiten Unternehmens tätig ist und schon seit Jahren Vorstandsmitglied im Diözesanrat ist, betonte, er wolle als Vorsitzender einen „Teamansatz“ verfolgen, die Arbeit auf mehrere Schultern verteilen und nach dem Vorbild der Wirtschaft Themen deutlich schneller in die Umsetzung bringen als bisher.

Hiltrud Schönheit, beruflicherseits Juristin und als Vorsitzende des Katholikenrats München tätig, bekannte: „Ich liebe diese Kirche!“, berichtete aber auch von vielen Gesprächen mit Menschen, die sich – beispielsweise weil sie von Missbrauch betroffen sind – genau gegenteilig äußerten. Ihr Hauptziel sei es, darauf hinzuwirken, dass wieder mehr Menschen Glück und Heimat in der Kirche fänden.

Nach zahlreichen Fragen an Schalk und Schönheit und einer Personaldebatte unter Ausschluss der beiden Kandidierenden und aller nicht stimmberechtigten Personen wurde schließlich gewählt. 49 Stimmen entfielen auf Schönheit, 64 auf Schalk, der damit neuer Vorsitzender des Diözesanrats und oberster Laienvertreter im Erzbistum ist. Mit einem Gottesdienst in der Ohlstädter Pfarrkirche St. Laurentius und der Verabschiedung der scheidenden Diözesanratsmitglieder endete der offizielle Teil des ersten Tages.

Weitere Wahlen und Abstimmungen

Auch am zweiten Tag erwartete die Delegierten ein reichhaltiges Programm. Zu den stellvertretenden Vorsitzenden des Diözesanrats wurden gewählt: für die Region Nord Klaus Schex (54), für die Region Süd Martin Utschneider (56), für die Region München Hiltrud Schönheit (62) und als Vertreterin der Verbände Katharina Maier (30). Zudem wurden Vertreterinnen und Vertreter der Regionen, aus den Verbänden und dem Laienapostolat, in den Muttersprachigen Katholischen Gemeinden, im Landeskomitee in Bayern sowie im Zentralkomitee der deutschen Katholiken gewählt.

Auch über mehrere Anträge galt es abzustimmen. Der Antrag, unter den Gläubigen des Erzbistums eine Umfrage zur Verwendung der „Gender-Sprache“ durchzuführen, wurde bei 16 Pro-Stimmen und 10 Enthaltungen mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Mit jeweils klarer Mehrheit angenommen wurden hingegen zwei Anträge, gemäß denen sich der Diözesanrat bei Kardinal Marx dafür einsetzen soll, dass auch nichtgeweihte Seelsorger mit der Spendung der Taufe und Trauassistenz betraut werden und mit offizieller Beauftragung bei einer Eucharistiefeier predigen dürfen. Vom aktuellen Stand der geplanten Neuordnung der Dekanate im Erzbistum berichtete schließlich Generalvikar Christoph Klingan: Im Gespräch ist hier nicht nur eine Reform auf territorialer Ebene, sondern auch im Hinblick auf das Amt des Dekans selbst.

Sonne zum Abschluss

Als die Delegierten nach Abschluss der Versammlung den Heimweg – oder eine Wanderung im Gebirge – antraten und nach anfänglichem Regenwetter erstmals wieder die Sonne durchbrach, mag der eine oder die andere vielleicht an Kardinal Marx’ mitreißende Worte vom Vorabend gedacht haben. Da hatte der Erzbischof zum Ende seiner Rede die Vision skizziert, „dass der Himmel sich öffnet, dass sich Himmel und Erde berühren, und dass wir ‚Halleluja‘ rufen, wir leben – wir leben! – und wir werden leben.“ Es war einer jener Momente, in denen zu spüren war: Christliches Engagement muss nicht zwangsläufig in mühseligem Gremienkatholizismus versanden, es kann und sollte immer auch in die wunderbare Weite Gottes hinausführen. (Joachim Burghardt)