Neue Folge Podcast "Reisewarnung"

Opfer von Menschenhandel kehren heim nach Nepal

Für die Fußballweltmeisterschaft in Katar mussten Menschen unter unwürdigen Bedingungen schuften. Viele Arbeiter kamen aus Nepal und wurden Opfer von Menschenhandel. Die Rückkehrer stehen jetzt vor dem Nichts. Die missio-Projektpartner helfen.

Pabitra mit ihren beiden Kindern. Die ältere Tochter musste bei Verwandten aufwachsen, während sie im Ausland Geld verdienen wollte. Heute ist die Familie endlich wieder vereint. © missio/stark

In Katar arbeiten Menschen aus vielen Ländern unter zum Teil menschenunwürdigen Bedingungen. Nepal ist eines der Länder, aus dem sehr viele der Arbeiterinnen und Arbeiter kommen. Denn das Land ist extrem arm und das Geld, das die Arbeitsmigranten nach Hause überweisen, macht ungefähr ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts aus.

Arbeitssuchende werden Opfer von Menschenhandel 

Doch oft werden die Migranten Opfer von Menschenhändlern. Agenten kommen in die Dörfer, versprechen ein Gehalt von umgerechnet 200 Euro im Monat – was ein kleines Vermögen in Nepal ist – und besorgen Flugtickets und Visa, die natürlich erstmal bezahlt werden müssen. Das kostet ungefähr 800 Euro.

Wenn die Menschen bei ihren Arbeitgebern angekommen sind, werden ihnen häufig die Pässe abgenommen, sie werden behandelt wie Leibeigene und oft auch misshandelt und missbraucht. Jahr für Jahr werden rund 35.000 Menschen allein aus Nepal Opfer solcher Menschenhändler. Das Ziel der Arbeitsmigration ist nicht nur Katar, es geht auch oft nach Saudi-Arabien, Dubai, Malaysia oder Indien.

Mit enttäuschten Hoffnungen zurück in die Heimat

Missio-Redakteurin Antje Pöhner hat in Nepal Menschen besucht, die zurückgekehrt sind und körperlich und psychisch am Ende ihrer Kräfte waren. Zum Beispiel Pabitra. Sie war einige Jahre lang Hausangestellte in Katar. Ihr Chef hat sie missbraucht, seine Frau hat sie mit heißem Wasser übergossen. Danach hat sie ihr Glück in Malaysia versucht. Der Arbeitslohn ist auch dort geringer ausgefallen als versprochen. Mehr als zehn Jahre hat sie ihre Tochter kaum gesehen, die bei Verwandten aufgewachsen ist. Die Caritas in Nepal hilft Menschen wie ihr, sich eine neue Existenz aufzubauen.

Alternativen und bessere Chancen

Einem Mann, der im Ausland ein Bein verloren hat, haben sie zum Beispiel eine Motorrad-Rikscha finanziert und er konnte sein eigenes Transportunternehmen aufmachen. Ein anderer hat jetzt einen kleinen Laden. Neben der Hilfe für RückkehrerInnen versuchen die Caritas-MitarbeiterInnen auch, den Menschen Alternativen aufzuzeigen.

Englischunterricht und eine handwerkliche Ausbildung sollen ihnen bessere Chancen sichern, wenn sie sich doch für einen Auslandsaufenthalt entscheiden. Außerdem warnen sie vor den Gefahren, die bei der Arbeitsmigration lauern. Antje Pöhner berichtet in der aktuellen Folge des missio-Podcasts „Reisewarnung“ von ihrer Recherche in Nepal und von der Arbeit der missio-Projektpartner.

Podcast-Tipp

Reisewarnung

Für die Regionen, in die die Redakteure von missio München reisen, gibt es oft eine Reisewarnung. Nicht nur zu Corona-Zeiten. Da, wo der Staat nicht mehr funktioniert, sind die Netzwerke der kirchlichen Einrichtungen häufig die einzigen Anlaufstellen, die überhaupt noch da sind. Für das „missio magazin“ berichten die Redakteure, was die Menschen dort bewegt – ihre Sorgen und Nöte, Krieg und Konflikt - aber auch den ganz normalen wunderbaren Alltag.

> zur Sendung

Die Autorin
Brigitte Strauß-Richters
Radio-Redaktion
b.strauss-richters@st-michaelsbund.de