Erntedankfest

Gott sei Dank

Am ersten Sonntag im Oktober wird das Erntedankfest gefeiert. Dabei wird "die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit" als Gottesgeschenk geehrt.

Am ersten Sonntag im Oktober wird das Erntedankfest gefeiert. © ChristArt - Fotolia ChristArt - Fotolia

Erntedankfeste gab es schon in vorchristlicher Zeit. Vergleichbare Riten sind aus Skandinavien, Israel, Griechenland oder aus dem Römischen Reich bekannt. In der römisch-katholischen Kirche ist ein Erntedankfest seit dem 3. Jahrhundert belegt. Einen einheitlichen Termin gab es nicht, da die Ernte je nach Region und Witterung zu unterschiedlicher Zeit eingebracht wurde.

Erntedank schon im Alten Testament

Allen Religionen ist eigen, dass sie "die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit", wie es in jeder Eucharistiefeier heißt, als Gottesgeschenk betrachten, so auch im Judentum. Im Buch Genesis wird berichtet, dass Kain ein Opfer von den Früchten des Feldes und Abel ein Opfer von den Erstlingen seiner Herde brachte.

Nach der Reformation wurde das Erntedankfest an unterschiedlichen Daten gefeiert. Einige evangelische Kirchenordnungen „verbanden den Dank für die Ernte mit Michaelis, andere legten ihn auf den Bartholomäustag (24. August), auf den Sonntag nach Ägidii (1. September) oder nach Martini (11. November).“ Schließlich bürgerte sich die Feier am Michaelistag (29. September) oder – weit überwiegend – am ersten Sonntag nach Michaelis als Termin ein.

Kein Bestandteil des Kirchenjahres, trotzdem beliebt

Die römisch-katholische deutsche Bischofskonferenz legte 1972 den ersten Sonntag im Oktober als Festtermin fest, ohne diese Festlegung für alle Gemeinden verbindlich auszusprechen. Offizieller Bestandteil des Kirchenjahres ist das Erntedankfest aber bis heute nicht, d. h. die Gemeinden sind nicht verpflichtet, das Fest zu feiern.

Vielerorts werden in den Kirchen Erntedankaltäre aufgebaut, auf denen Lebensmittel wie Getreide, Kartoffeln, Gemüse und Obst dargebracht werden, aber auch Wein, Brot und Blumen. In manchen Gemeinden werden Erntedankkronen aus Stroh und Getreide gebunden oder Körnerteppiche mit christlichen Motiven aus Getreidekörnern gestaltet.

Regionales Minibrot für den guten Zweck

Die „Aktion Minibrot“ der Katholischen Landjugendbewegung hat in vielen Pfarrein zu Erntedank Tradition. Dabei werden kleine Brote aus regionalen Zutaten gebacken und gegen eine Spende an die Kirchenbesucherinnen und Kirchenbesucher verteilt. Der Erlös wird für Projekte in der Eine-Welt-Arbeit verwendet. 1969 wurde diese Aktion in der Münchner Innenstadt zum ersten Mal durchgeführt. (sts)

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 4. Oktober 2014 und wurde am 1. Oktober 2021 aktualisiert.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de

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