Pflegenotstand

Frauenbund: Höhere Mindestlöhne statt einmaliger Pflegeprämie

Die Landesvorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbunds, Emilia Müller, hat ganz konkrete Vorstellungen, was den Lohn angeht und fordert zudem mehr Personal

Die Forderung ist klar: Ein Mindestlohn von 15 Euro pro Stunde. © Kzenon - stock.adobe.com

München (KNA) Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) in Bayern hat statt einmaliger Prämien für Pflegekräfte einen höheren Mindestlohn für diese Berufsgruppe gefordert. "Wertschätzung macht sich nicht einzig - aber vor allem - auf dem Gehaltszettel bemerkbar", sagte die KDFB-Landesvorsitzende Emilia Müller am Freitag mit Blick auf den Internationalen Tag der Pflege am kommenden Dienstag. "Als größter Frauenverband Bayerns fordern wir keine Symbolpolitik, sondern nachhaltige Verbesserungen und strukturelle Korrekturen."

Müller forderte Lohnuntergrenzen, konkret 15 Euro pro Stunde für Fach- und 12 Euro für Hilfskräfte. Hintergrund sei, dass der allgemeine Pflegemindestlohn und die tariflichen Arbeitsbedingungen derzeit nur wenigen Beschäftigen zugutekämen. Das liege vor allem an der Struktur der Branche mit privaten, kommunalen und freigemeinnützigen Arbeitgebern, so die KDFB-Vorsitzende. Ein einheitlicher, allgemeinverbindlicher Tarifvertrag und ein angemessenes Gehalt seien die besten Grundlagen für echte Wertschätzung und Achtung von Pflegetätigkeiten.

Höherer Personalschlüssel ist nötig

Außerdem forderte Müller, eine praxistaugliche Regelungen für eine verbindliche Personalbemessung in der stationären Alten- und Krankenpflege zu finden. Die Aufgaben könnten mit einem höheren Personalschlüssel qualitativ besser bewerkstelligt werden. "Wer Zeit hat, sich um die Menschen, die ihm anvertraut sind, zu kümmern, arbeitet außerdem lieber Vollzeit."

Frauen in Pflegeberufen arbeiteten wegen der körperlichen und psychischen Belastungen sehr oft in Teilzeit, so die KDFB-Chefin. Sie seien damit nicht nur von niedrigem Gehalt, sondern auch von den Auswirkungen ihrer Teilzeittätigkeit auf die Rente betroffen. "Finanzielle Aufwertung, aber auch mehr Vollzeittätigkeit, würde für viele Frauen bedeuten, dass sie im Ruhestand nicht auf die Grundsicherung zurückfallen." (kna)

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