ZdK-Vollversammlung in Berlin

Trotz Kritik aus dem Vatikan: Laienverband zeigt sich selbstbewusst

Selbstbewusst und politisch zeigte sich der deutsche Laienkatholizismus bei seiner Vollversammlung in Berlin. Querschüsse aus Rom, die sich gegen kirchliche Reformanliegen richteten, beeindruckten nicht sonderlich.

Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), spricht während der Vollversammlung des ZdK am 24. November 2023 in Berlin. © KNA

Der Ort, den das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) für seine zweitägige Vollversammlung in Berlin wählte, ließ schmunzeln: das Hotel "Titanic". Man könnte meinen, dass es gut zum gegenwärtigen Zustand der katholischen Kirche in Deutschland passt. Doch der Laienverband gab sich am Wochenende sehr selbstbewusst. Nichts war zu spüren von Panik auf der Titanic. Man bezog gesellschaftspolitisch Stellung und ignorierte prominent neuerliche Kritik aus dem Vatikan an den Reformbestrebungen der katholischen Kirche in Deutschland.

Nahost-Konflikt im Mittelpunkt

Zum Auftakt stand zunächst der Krieg in Nahost im Mittelpunkt. ZdK-Präsidentin Stetter-Karp sprach von einem "Zivilisationsbruch" und sagte: "Der Terror der Hamas hat unermessliches Leid über Israel, über Jüdinnen und Juden gebracht." Es sei dem ZdK aber auch ein Anliegen, auf die dramatische Situation im Gazastreifen hinzuweisen. Die Debatte im Plenum zeigte auch Differenzen, wenn etwa nachgezählt wurde, wie viele Sätze die Präsidentin dem Leid der Juden und wie viele dem Leid der Palästinenser widmete.

Rasch kam die Diskussion auch auf die Auswirkungen in Deutschland. Als Gast sagte Israels früherer Botschafter in Deutschland, Shimon Stein, dass die Juden in Deutschland generell nicht sicher seien: "Die Deutschen haben ihren Teil der moralischen Vereinbarung zum 'Nie wieder!' bis heute nicht erfüllt." Stetter-Karp sagte, sie schäme sich für einen "unerträglichen Antisemitismus", der sich wieder breit öffentlich Bahn breche: "Ich kann es nur noch mal in aller Deutlichkeit betonen: Rechtsextremes, antisemitisches und menschenfeindliches Gedankengut kann niemals katholisch sein."

Erneut plädierte sie dafür, dass AfD-Mitglieder dem ZdK nicht angehören sollten und kritisierte zunehmenden Populismus, Demokratiefeindlichkeit und Hass in migrationspolitischen Debatten. "Zu den schrillsten Debatten in Deutschland und Europa gehört zweifellos der enthemmte Asylstreit. Die Diskurskultur ist in vielen Momenten unwürdig und verstörend." Stetter-Karp kritisierte, Bund und Länder setzten mit dem jüngsten Asylkompromiss auf ein Abschreckungsprinzip. Problematisch sei auch eine neuerliche Verzögerung des Familiennachzugs für subsidiär Schutzberechtigte.

Kritik an gegenwärtig Wirtschafts- und Sozialpolitik

Weiter mahnte das ZdK, dass die geplante Kindergrundsicherung nicht der aktuellen Haushaltskrise zum Opfer fallen dürfe. Stetter-Karp konstatierte eine Schieflage, bei der gegenwärtig Wirtschafts- und Sozialpolitik gegeneinander in Stellung gebracht würden. Wiewohl das ZdK die Kindergrundsicherung grundsätzlich begrüßt, sieht es aber auch noch deutlichen Nachbesserungsbedarf am "bislang enttäuschenden" Gesetzesentwurf. Kritisiert wurde unter anderem der Wegfall des Kindersofortzuschlags und eine Benachteiligung von Asylbewerberkindern. Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) verteidigte - wie am gleichen Tag bereits im Bundesrat - ihr Prestigeprojekt. Insgesamt wurde ihr aber großes Wohlwollen von der Vollversammlung entgegengebracht.

Mit Blick auf aktuelle Überlegungen, Abtreibungen außerhalb des Strafrechts zu regeln, plädierte Stetter-Karp nachdrücklich für eine Beibehaltung der bestehenden Regelung, "die ich für einen schwer errungenen wertvollen Kompromiss halte". Damit liegt das ZdK auf einer Linie mit den katholischen Bischöfen. Die Evangelische Kirche in Deutschland zeigt sich für Alternativen offen.

Unbeeindruckt von Note aus Vatikan

Auch Missbrauch war natürlich Thema. Auf dem Podium saßen Kai Christian Moritz vom Betroffenenbeirat der Deutschen Bischofskonferenz und Pater Hans Zollner, der im Frühjahr die päpstliche Kinderschutzkommission verlassen hatte, weil es dort an Transparenz fehle. Beide kritisierten, es gebe noch zu viel strukturelles Beharrungsvermögen und auch eine Instrumentalisierung von Betroffenen. Zollner sagte: "Ich lade keine Betroffenen mehr zu Veranstaltungen ein, weil ich zu oft erlebt habe, dass nach Zeugnissen, die zutiefst bewegend waren und Bischöfe und Kardinäle zu Tränen gerührt haben, sich anschließend nichts bewegt hat."

Mit Blick auf die innerkirchlichen Probleme zeigte sich der Laiendachverband robust. Betont unbeeindruckt reagierte man auf die am Freitag bekanntgewordene Note aus dem Vatikan, mit der Rom erneut mitteilte, die den Männern vorbehaltene Priesterweihe und die Lehre der Kirche zur Homosexualität seien nicht verhandelbar. Im Plenum war weder das noch der jüngste Papstbrief mit scharfer Kritik am deutschen Reformweg und dem neuen Synodalen Ausschuss wirklich Thema. Stattdessen ratifizierte die ZdK-Vollversammlung die Satzung für das neue Gremium nahezu einstimmig. (kna)