Historische Aufarbeitung

Papst Pius XII. in den Archiven des Erzbistums

Am 2. März öffnet der Vatikan seine Archive zu Pius XII. (1939-1958). Auch in den Archiven des Erzbistums München und Freising finden sich Spuren von ihm.

In den Akten von Erzbischof Kardinal Michael von Faulhaber finden sich Unterlagen zu Pius XII. © Andrey Kuzmin - stock.adobe.com

Papst Pius XII. war München und Bayern als ehemaliger Nuntius in besonderer Weise verbunden. Professor Johannes Merz, Direktor des Archivs und der Bibliothek des Erzbistums München und Freising, spricht im Interview über die Rolle des Archivs für die historische Aufarbeitung.

mk-online: Pius XII. war vor seiner Zeit als Nuntius von 1917 bis 1925 in München, später arbeitete er entscheidend an der von Kardinal Faulhaber entworfenen Enzyklika „Mit brennender Sorge“ mit.Welche Unterlagen haben sich denn über diesen Papst im Archiv des Erzbistums erhalten?

Johannes Merz: Unterlagen zu Pius XII. beziehungsweise Eugenio Pacelli finden sich in erster Linie in den Akten von Erzbischof Kardinal Michael von Faulhaber. Die in dessen Nachlass durchgängig von 1917 bis 1952 überlieferte Korrespondenz unterstreicht das vertrauensvolle Verhältnis zwischen den beiden. Darüber hinaus finden sich dort aber auch zahlreiche Ansprachen, Predigten und Enzykliken Pacellis. Eine ausführliche Presseausschnittsammlung macht deutlich, wie intensiv Faulhaber das Wirken des Nuntius, Kardinalstaatssekretärs und Papstes verfolgte. Weitere Briefe Pacellis sind etwa im Nachlass des Münchner Weihbischofs Anton Scharnagl sowie in den Nachlass-Splittern des ehemaligen bayerischen Kriegsministers Philipp von Hellingrath und des ehemaligen deutschen Reichskanzlers Georg Graf von Hertling enthalten.

Wie stark sind diese Quellen denn bereits aufgearbeitet und veröffentlicht?

Die sehr umfangreichen Faulhaber-Akten sind schon seit 2002 vollständig nutzbar und werden im Lesesaal des Archivs vorgelegt. Zahlreiche Forschungsvorhaben aus aller Welt haben seitdem darauf zurückgegriffen. Wirklich ausgeschöpft sind diese Quellen freilich noch lange nicht. Ein Findbuch steht auch online im Digitalen Archiv des Erzbistums zur Verfügung. Der Bestand wurde in den vergangenen Jahren detaillierter verzeichnet. Diese Neubearbeitung werden wir in Kürze veröffentlichen.

Parallel dazu werden die hoch bedeutenden Tagebücher von Kardinal Faulhaber über ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Projekt ediert und online zur Verfügung gestellt; bisher sind die Jahrgänge 1911-1920, 1933-1937 und 1945-1946 einsehbar.

Wie wichtig sind diese Münchner Dokumente denn für die Forschung über Papst Pius XII.?

Gerade für die Geschichte der Kirche in Deutschland sind sie meines Erachtens sehr wichtig. Die enge Verbindung zwischen Pacelli und Faulhaber geht auf die Zeit der Kriegs- und Nachkriegswirren 1918/19 zurück. Seitdem stand Pacelli stets in engem Austausch mit Faulhaber. Die Faulhaber-Akten geben über den unmittelbaren Austausch der beiden hinaus vielfältige Auskünfte über zentrale Themen, etwa zu den Verhandlungen zum Reichskonkordat 1933 oder zur Enzyklika „Mit brennender Sorge.“

Nicht vergessen werden dürfen dabei die Kontakte und Gespräche Faulhabers mit Verbindungsleuten nach Rom, die in seinen Tagebüchern aufscheinen und die Faulhabers Netzwerke zeigen. Dennoch bleibt immer zu berücksichtigen, dass die deutschen Verhältnisse nur einen Teilaspekt im weltweiten Wirken des Papstes darstellen – insofern wird durch die Öffnung der vatikanischen Bestände zu Pius XII. auch unsere Münchner Überlieferung in neuen Kontexten erscheinen.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de