Kirchenmusik aus St. Max

Zwischen Kirche und Konzerthaus

Der Musiker von St. Max, Gerald Häußler, ist auf der Bühne wie der Empore daheim. Doch Kirchenmusik war für ihn schon immer etwas besonderes: Sie soll die Hörer hundert Meter Richtung Himmel heben und den Blick auf gesellschaftliche Probleme lenken.

In seinem „Traumjob“ verbindet Gerald Häußler seine Liebe zur Musik mit der zu den Menschen. (Bild: Zendek)

München - "Ich habe meinen Traumjob“, antwortet Gerald Häußler ohne zu zögern, wenn man ihn nach den letzten 32 Jahren als Kirchenmusiker der Pfarrei St. Maximilian fragt; denn die Arbeit in dem imposanten Kirchenbau am Isarufer vereine die drei für ihn wichtigsten Pole: Musik, Kirche und Menschen. Dabei hatte der charismatische Münchner den Beruf des Kirchenmusikers eigentlich gar nicht angestrebt. Eine Zeitungsannonce war es, die sein Interesse für St. Max weckte, und schon nach wenigen Minuten des Vorstellungsgesprächs stellte ihn der damalige Pfarrer mit den Worten vor: „Schaun’s her, das ist unser neuer Kirchenmusiker!“ Es habe einfach sofort gepasst, erinnert sich Häußler heute gerne an diese Fügung. Mit Leidenschaft gestaltet er seitdem musikalisch das Kirchenjahr in der Pfarrkirche, leitet den gut 70-köpfigen MaxChor sowie den Jugendchor der Pfarrei.

Studiert hat der Sohn zweier Profisänger ursprünglich Schulmusik und Sologesang; sein Weg als Solist und festes Ensemblemitglied des Chores des Bayerischen Rundfunks führt ihn bis heute auf die großen Bühnen der Konzert- und Opernhäuser. Doch gleichzeitig hatte Musik für Häußler schon immer mit Kirche zu tun. Aufgewachsen in der Nachbargemeinde St. Anna, erlebt er schon früh die unterschiedlichen Klänge des Kirchenjahres, begeistert sich für die Messen, Requien und A-cappella-Literatur und sitzt schließlich selbst an der Orgel seiner Heimatpfarrei.

Es ist für ihn schon lange eine Selbstverständlichkeit, sich musikalisch zwischen der Konzertbühne und der Kirche hin- und herzubewegen und diese nicht als zwei in sich abgeschlossene Welten zu betrachten. Auch der MaxChor singt schon nach kurzer Zeit unter seiner Leitung nicht nur die Messen in der Pfarrkirche, sondern tritt auch erfolgreich konzertant auf. „Das Schönste ist für mich, nach einem großen Konzert im Herkulessaal am Samstagabend – zum Beispiel einem Verdi-Requiem – sonntags in der Frühmesse Orgel zu spielen und die Psalmen zu singen. Für mich gehört das ganz logisch zusammen und beides ist mir sehr wichtig“, erklärt Häußler.

Kirchenmusik vermittelt Botschaft der Auferstehung

Sowohl in der Messe als auch im Konzert sei das Ziel, das es zu erreichen gelte, dasselbe: eine qualitativ hochwertige Musik und das eigene Verständnis für deren Inhalte – wobei auf Letzterem der Schwerpunkt liege. Denn, so Häußler, „Musik soll keine Leistungsschau sein. Der Chor hat die wichtige Rolle, Inhalte zu transportieren“.

Dass es im Rahmen der sonntäglichen Messe dann aber doch um etwas mehr als Inhaltsvermittlung geht, wird deutlich, wenn Gerald Häußler beschreibt, welche Wirkung die Kirchenmusik auf die Gottesdienstbesucher haben sollte. Er strebe es keineswegs an, bei den Zuhörern eine Konsumhaltung hervorzurufen, sondern die Musik solle die Gottesdienstbesucher mitreißen und sie den Inhalt tief mitfühlen lassen. „Sie sollen von einem ‚Cruzifixus‘ oder ‚Et incarnatus est‘ ergriffen, ja emotional gepackt sein oder sich von den Klängen des Liedes ‚Großer Gott, wir loben dich‘ hundert Meter Richtung Himmel heben lassen“, veranschaulicht Häußler.

Doch auch außerhalb der Pfarrei hat die Kirchenmusik seiner Ansicht nach eine besondere Aufgabe. Ihre Botschaft der Auferstehung Jesu sei auch eine politische Botschaft und eröffne dadurch die Möglichkeit, den Blick auf gesellschaftliche Probleme zu lenken. Dies tut Häußler immer wieder durch zahlreiche Benefizkonzerte, mit denen vor allem karitative Einrichtungen für Kinder unterstützt werden.

Ein Chor über Glaubensgrenzen hinweg

Die verbindende Kraft der Musik spielt für den Kirchenmusiker auch innerhalb der Pfarrei eine wichtige Rolle. So singen etwa im MaxChor Katholiken gemeinsam mit Protestanten und kirchenfernen Menschen und sind doch alle durch den Chor in der Pfarrei verankert. Dass Häußler dies gelingt, ist nicht selbstverständlich und sicherlich auf seine Menschenliebe zurückzuführen, die langjährige Chormitglieder immer wieder beschreiben.

Fragt man Gerald Häußler, was er den Menschen vermitteln möchte, die er als Dirigent des Chores oder auch als Dozent für Gesang an der Münchner Musikhochschule unterrichtet, so antwortet er sofort: „Dass Singen eine Sache des Herzens ist; dass die Menschen mit Freude, mit Mut und Offenheit singen sollen – nur so wächst man dabei über sich hinaus.“ (oz)