Segnung homosexueller Paare

Zuspruch für Bischof Osters Kritik

Die Forderung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken nach einer Segnung gleichgeschlechtlicher Paare stößt weiter auf Kritik. Nachdem bereits der Passauer Bischof Stefan Oster und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Reinhard Marx den Vorstoß des ZdK kritisierten kommen nun auch kritische Töne aus weiteren deutschen Bistümern.

Bischof Stefan Oster (Bild: Bistum Passau)

Berlin - Die scharfe Kritik des Passauer Bischofs Stefan Oster an der Forderung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) nach einer Segnung homosexueller Paare findet weitere Unterstützer. Osters Amtsbrüder aus Augsburg, Eichstätt, Görlitz, Regensburg und Würzburg dankten ihm für seine "deutlichen Worten". Das geht aus einem Brief an Oster hervor, dessen Wortlaut dieser am Samstag auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte.

In ihrem Brief betonen die Bischöfe, dass sie seine Äußerungen hinsichtlich der christlichen Ehe "voll und ganz" unterstützten, da diese "in der Lehre Jesu in der Schrift und in der Tradition der Kirche" gründeten. Auch wenn die deutsche Gesellschaft mittlerweile stark säkularisiert sei, sollte dies als Chance verstanden werden, "die Einzigartigkeit der christlichen Berufung in der Welt von heute neu zu entdecken".

Oster hatte zuvor den ZdK-Beschluss vom vergangenen Wochenende zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare "nicht nachvollziehbar" genannt. Das ZdK, so Oster weiter, leite damit einen "dramatischen Kurswechsel" ein, der vieles betreffe, was die katholische Kirche bisher gültig über Ehe und Sexualität lehre. Das ZdK wies Osters Kritik zurück. 
Auch der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hatte am Freitag Kritik an dem ZdK-Beschluss geäußert. Er nannte die Forderungen "unvereinbar" mit der Lehre und Tradition der Kirche. Zugleich betonte Marx: "Beide Themen bedürfen einer weiteren theologischen Klärung und nicht vorschneller, plakativer Forderungen". ZdK-Generalsekretär Stefan Vesper sagte auf Anfrage, das Katholikenkomitee sei zum Gespräch bereit. Es handele sich um eine wichtige Debatte.

Marx unterstrich zudem, dass die von der ZdK-Vollversammlung einstimmig verabschiedete Erklärung "Zwischen Lehre und Lebenswelt Brücken bauen - Familie und Kirche in der Welt von heute" zahlreiche "erfreuliche Aussagen" enthalte, die die theologische und gesellschaftliche Bedeutung der Familie hervorhöben und die Förderung der Familie im kirchlichen Bereich und durch Politik und Gesellschaft förderten.

In seiner Reaktion auf Osters Kritik hatte ZdK-Generalsekretär Vesper bekräftigt, dass die Erklärung des ZdK mit dem "eindeutigen Bekenntnis" zur "sakramentalen Ehe als Modell für eine lebenslange Bindung" beginne. Das ZdK stehe klar zu diesem Lebensmodell und ermutige Paare zum Eheversprechen und zur Gründung einer Familie. Allerdings erkenne das Gremium auch an, dass viele der Werte, "die die sakramentale Ehe als Bild für den Bund zwischen Gott und Menschen auszeichnen", heute auch "in anderen Partnerschafts- und Familienformen gelebt werden".

Daher habe sich das Komitee auch für eine "Weiterentwicklung von liturgischen Formen, insbesondere Segnungen gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, neuer Partnerschaften Geschiedener und für wichtige Weichenstellungen im Familienleben" ausgesprochen. Diese Äußerungen seien aber kein Angriff auf die kirchliche Lehre, sagte Vesper.

Der religionspolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck, lobte am Samstag die Äußerungen des ZdK und sprach sich für einen Dialog aus. "Es ist gut, dass Kardinal Marx die Diskussion über die Forderung nach einer Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und einer zweiten kirchlich nicht anerkannten Ehe nicht gänzlich abwürgt, sondern eine weitere "theologische Klärung" für erforderlich hält", sagte Beck. (kna)