Umgang mit Demenz

Zusammenleben auf Augenhöhe

Mit Demenz möglichst lange normal weiterleben – Helga Rohra erklärt, wie sich dieses Ziel erreichen lässt.

Helga Rohra

München - Sie haben Gedächtnislücken, finden den Weg nicht zurück nach Hause oder können sich nicht mehr selber einen Kaffee kochen: rund 240.000 Menschen in Bayern leiden an Demenz. Die Gesundheitspolitik im Freistaat hat lange gebraucht, dementiell Erkrankte in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Immerhin findet in diesen Tagen eine vom Gesundheitsministerium initiierte erste Bayerische Demenz-Woche statt, die mit zahlreichen Veranstaltungen einen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung anstoßen will.

Weiterleben nach der Schock-Diagnose Demenz

Dass Demenz-Patienten nun mehr Aufmerksamkeit erhalten als früher, ist auch das Verdienst von Helga Rohra. Die Münchnerin ist vor gut zehn Jahren an der dritthäufigsten Demenz-Form, der Lewy-Body-Demenz, erkrankt. Weil Rohra zu diesem Zeitpunkt erst Mitte 50 ist, gehen die Ärzte zunächst von einem Burnout aus. Erst in der Memory-Ambulanz am Klinikum der Universität München bekommt die Dolmetscherin schließlich die Diagnose Demenz. Von einem Tag auf den anderen ändert sich ihr Leben. Sie ist berufsunfähig und muss fortan von Erwerbsminderungsrente leben. Gut ein Jahr habe sie gebraucht, diesen Schicksalsschlag zu verkraften, erzählt Rohra. Mit einem starken Willen kämpft sie sich zurück ins Leben und findet eine neue Aufgabe: Sie beschließt, sich für die Rechte von Menschen mit Demenz einzusetzen.

Nicht über die Erkrankten sprechen, sondern mit ihnen

Mit Hilfe der Alzheimer Gesellschaft knüpft sie europaweit Netzwerke. Der Demenz-Aktivistin geht es dabei vor allem um Respekt für die Betroffenen. Sie fordert sowohl von den Angehörigen als auch von den Ärzten und dem Personal in Altenheimen mehr Einfühlungsvermögen gegenüber Demenz-Patienten. Es sei wichtig, mit den dementiell Erkrankten zu sprechen und nicht nur über sie, erklärt die 66-Jährige. Unermüdlich wirbt sie in Vorträgen für ihre Positionen. Und sie macht aktiv mit, wenn es darum geht, neue Wohnformen für Demenz- Kranke zu entwickeln. Zurzeit begleitet Rohra ein Care Farming Projekt in der Nähe von Luzern in der Schweiz. Dabei leben und arbeiten dementiell eingeschränkte Menschen auf einem Bauernhof auf Augenhöhe mit gesunden Menschen zusammen.

Menschen mit Demenz arbeiten gerne

Zuletzt war Rohra im Juni dort. Sie habe die Kälbchen, die Hühner und die Küche betreut, berichtet die Demenz-Aktivistin. „Wir arbeiten gerne, geben Sie uns nur die Chance“, fügt sie euphorisch hinzu. Und weist gleich noch auf ihr viertes Buch hin, das im Oktober erscheinen soll. Solange es geht, wolle sie anderen Mut machen. In Ruhestand gehen komme für sie nicht in Frage, dafür gebe es in der Demenz-Arbeit noch zu viel zu tun, betont Rohra.

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de