Zur Papstreise nach Afrika

Zeichen der Solidarität und Hoffnung

Als ich im vergangenen März den Flüchtlingsbeauftragten des Kardinals von Addis Abeba dazu befragte, was man dort unternehme, um junge Äthiopier von der Flucht nach Europa abzuhalten, traten dem jungen Mann plötzlich die Tränen in die Augen.

Barbara Brustlein ist Chefredakteurin des Missio Magazins und Leiterin der Abteilung Kommunikation bei Missio München.

Gerade hatte er noch Zahlen genannt, Fluchtrouten erläutert, Bildungs- und Ausbildungsprogramme geschildert, da konnte er nicht mehr weitersprechen. Er weinte. Sein eigener Cousin, sagte er, sei bei der Überfahrt über das Mittelmeer ertrunken. Bei dem Versuch, ein besseres Leben aufzubauen. Für sich und für seine Familie, der er Geld schicken wollte. Es gibt Formen von Armut und Perspektivlosigkeit, die so erdrückend sind, dass Menschen ihr Leben aufs Spiel setzen. Die Slums von Nairobi, die Papst Franziskus besucht hat, sind solche Orte. Wenn der Papst dort anprangert, dass derartige Lebensbedingungen entstehen, weil einige wenige „dem Gott des Geldes huldigen“, legt er den Finger in die Wunde. Kein einziger afrikanischer Staatschef, der Erschütterung zeigt, wenn seine Landsleute im Mittelmeer ertrinken, wie Menschenrechtsaktivist Rupert Neudeck sagt. Kein einziger afrikanischer Staatschef, der eine Universität gebaut hat, in die er seine Kinder schicken würde, wie der senegalesische Schriftsteller Abasse Ndione schreibt. Stattdessen eine Weltgemeinschaft, die afrikanische Länder in die Abhängigkeit von Nahrungsmittelimporten treibt. Dazu transnationale Konzerne, die die Ressourcen dieses Kontinents plündern, um nur zwei Punkte zu nennen.

Der Papst ist nach Kenia, Uganda und unter Lebensgefahr in die Zentralafrikanische Republik gereist und damit „an die Ränder gegangen“. Das wurde von den Afrikanern, wie Missio-Projektpartner berichteten, als großes Zeichen der Solidarität und der Hoffnung gewertet. Noch beschäftigt sich Deutschland mit den Flüchtlingen aus Syrien. Künftig werden zahllose Afrikaner ihrer Heimat den Rücken kehren – wenn nur eine kleine Elite auf diesem Kontinent gut leben kann.