Aufregung um Google

Wo sind die Kreuze der Kirchtürme hingekommen?

Im Kartendienst von Google fehlen in der 3-D-Ansicht bei vielen Kirchen die Kreuze. Weil der Rest der Bilder gestochen scharf ist, liegt der Verdacht nahe, dass schon wieder mutwillig Kreuze entfernt wurden. Die Erklärung ist allerdings eine andere.

Die Kirche Sankt Ludwig ist bei Google Earth ohne Kreuze auf den Kirchturmspitzen zu sehen. © Screenshot

Mountain View – Viele Bilder sind es, die den Verdacht der Kreuz-Retusche nahelegen: Bei der Landshuter Stiftsbasilika Sankt Martin fehlt das Kreuz, die Universitätskirche Sankt Ludwig in München steht "Oben ohne" da und in Garmisch oder Zorneding ist es ebenso. Der Turm ist gestochen scharf zu sehen, er kann im Browser gedreht und gekippt und so von allen Seiten begutachtet werden. Doch das Kirchturmkreuz fehlt.

Dieser Effekt erklärt sich ein erstes Mal, wenn man sich in der 3-D-Ansicht bewegt. Am PC kann man per gedrückter STRG-Taste das Bild kippen, am Handy geht das mit zwei Fingern, die parallel über das Bild streichen. Jetzt ist zu erkennen, dass Google aus Häusern oder auch Bäumen dreidimensionale Körper formt. Diese können auch in Perspektiven gedreht werden, die bei der Befliegung für die Kamera gar nicht zu sehen waren. Beispielsweise dass eine Turmhaube vor dem Horizont erscheint.

Der Strommast zeigt: Google kann vieles, aber nicht alles.

Google arbeitet an besserer Darstellung

Bei diesen Berechnungen werden aus den Fotopunkten 3-D-Körper gebildet. Das funktioniert ab einer gewissen Größe sehr gut. Bei Gegenständen unter 20 Zentimetern Breite aber wird es aber kritisch. Da macht der Rechner Fehler, wie das Beispiel eines Strommasten zeigt. Der Schattenwurf ist perfekt, beim 3-D-Gebilde ist doch einiges schief gegangen. Auch am Kirchturm von Zorneding lässt sich das gut belegen: Die schmalen Bauteile können nicht erfasst werden – so dass nicht nur das Kreuz fehlt, sondern ein Teil der Turmhaube zu schweben scheint.

Durch die fehlenden Kreuze wird ein falsches Bild der Wirklichkeit vermittelt. So frappierend es auch aussehen mag, es ist doch nur eine technische Angelegenheit. Laut eines Medienberichts arbeitet Google daran, das Problem zu beheben. Doch was ist dann noch alles zu erkennen? Der Blick auf die Terrasse des Autors ist jetzt schon arg detailliert.

Der Autor
Georg Walser
Online-Redaktion
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