Interaktiver Parcours zur Missbrauchsprävention

Wo der Spaß aufhört

"Echt krass" - so der Titel einer Wanderausstellung, die Jugendliche für sexuelle Grundverletzungen sensibilisieren und die soziale Handlungskompetenz stärken will. Digitale Lovestorys, Klappkarten und Audiosequenzen sind Teil des interaktiven Parcours. Derzeit ist er im Erzbischöflichen Jugendamt zu sehen.

Die Ausstellung sensibilisiert mit interaktiven Lernstationen für Grenzverletzungen. (Bild: Sankt Michaelsbund/Zimmerhackl)

München - „Wie eine Befragung von 16-jährigen Jugendlichen ergab, hat jedes sechste Mädchen und jeder 20. Junge bereits sexuelle Gewalt erlebt. Ein Viertel aller Tatverdächtigen haben dabei das 21. Lebensjahr noch nicht überschritten“ – darüber informiert eine Tafel in der Wanderausstellung des PETZE-Instituts mit dem Titel „Echt krass!“. Sexuelle Gewalt gehört zum Alltag von Jugendlichen – die Übergriffe reichen von sexistischen Sprüchen über sexuelle Belästigung im Internet bis hin zur Vergewaltigung. Die Missbrauchspräventions-Ausstellung für Jugendliche, die derzeit im Erzbischöflichen Jugendamt gastiert, soll dem entgegen wirken, indem sie für sexuelle Grenzverletzungen sensibilisiert und die soziale Handlungskompetenz gegen Übergriffe stärkt.

Donnerstagnachmittag, es ist kurz vor drei. Die Klasse 8d des erzbischöflichen Pater-Rupert-Mayer Gymnasiums Pullach trudelt ein. Ihr Klassenlehrer Herr Geppert findet es gerade im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen in der Klosterschule Ettal wichtig, sich als kirchliche Schule offen mit diesem Thema auseinanderzusetzen, auch wenn er überzeugt ist, dass „die Kirche da einen wichtigen Schritt gemacht hat“. Die Uhr wird gestoppt. Zehn Minuten Zeit haben die Schüler und Schülerinnen für jede der fünf Lernstationen. Sie beschäftigen sich mit Themen wie Klischees zu Vergewaltigung und Pornographie, einem angemessenen Verhalten in einer Beziehung oder der Selbstverständlichkeit von Geschlechter-Stereotypen in der Werbung.

„Quiz à la BRAVO“

Der interaktive Parcours ist den Bedürfnissen von Jugendlichen angepasst, er überfordert trotz seines großen Themenspektums nicht. Im Gegenteil: Allerlei Klappkarten, digitale Fotostorys, Audiosequenzen über Kopfhörer, Magneten oder Holztafeln zur Bewertung von Fallbeispielen und vieles mehr bringen Abwechslung und spornen zur aktiven Auseinandersetzung an.

Veronika drückt es so aus: „Das ist nicht nur so ‚Gelaber‘, mal was anderes“ - „Da muss man nicht nur dem Lehrer die ganze Zeit zuhören“, ergänzt Carola, während sich die beiden an einer Box mit der juristischen Seite von sexuellem Missbrauch beschäftigen und Holzkarten mit Fallbeispielen zu den entsprechenden Paragraphen schieben. An den anderen Stationen klackern derweil die Klappkarten mit Klischees zur Pornographie, rote Magneten markieren Grenzverletzungen in einer Schulhofszenerie, Herzpunkte helfen in einem „Quiz à la BRAVO“ den eigenen Sextyp herauszufinden. Bei einer digitalen Fotostory über ein Geschwisterpaar, das versehentlich im Internet miteinander flirtet, ist verhaltenes Gekicher zu vernehmen.

„Die Kurzfilme“, „die lustigen Anmachsprüche“, „wie man reagieren soll“, „die Kiste mit Herzklopfen“ – so lauten die Antworten, als Geppert in der anschließenden Reflexionsrunde die Jugendlichen fragt, was ihnen zur Ausstellung nun als Erstes einfalle. Offen sprechen sie über Fallbeispiele aus ihrem weiteren Umfeld. Das spielerische Training gelingt, die Schüler seien „voll dabei“ gewesen, so Geppert. (Franziska Zimmerhackl)