Faustfestival in München

Wissenschaftler über die Existenz des Teufels

Gibt es den Teufel wirklich? In der Katholischen Akademie wurde über diese Frage diskutiert. Eine eindeutige Antwort gab es nicht.

Existiert der Teufel?

München – „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“ Aus der berühmten Frage der Margarete an Faust in Goethes gleichnamigen Drama spricht der Zweifel, ob der Gelehrte an Gott glaubt. Wer die Gottesfrage stellt und damit etwas umfassend Gutes zu denken versucht, muss aber auch an die Kehrseite denken, das schlechthin Böse, das nicht einfach in den „guten Gott“ hineinverlegt werden kann. Dieser Gretchenfrage stellten sich am Montag in der Katholischen Akademie in München vier Wissenschaftler aus unterschiedlichen Bereichen unter dem Leitthema: „Mephisto theologisch. Gibt es den Teufel wirklich?“

Gibt es den Bösen?

Wie sehr der Diabolus auch heute noch Menschen beschäftigt, wurde bereits im Vorfeld der Veranstaltung deutlich, die im Rahmen des Münchner Faust-Festivals stattfand. Florian Schuller, Direktor der Katholischen Akademie und Moderator der Diskussion, erzählte, dass ein potentieller Gast vorab die Referenten anrief und fragte, ob sie an den Teufel glaubten. Von ihrer Antwort wollte er seinen Besuch abhängig machen. Schuller stellte klar, dass er an den lieben Gott glaube, nicht aber an den Teufel. Eine richtig gestellte Frage könnte lauten: „Meinen Sie, dass es den Teufel gibt?“ Aber auch damit ist noch nicht alles geklärt: „Dass es das Böse gibt, da sind wir uns wohl alle einig. Ob es den Bösen gibt, darum geht es heute Abend“, fasste er die Problematik zusammen.

Tatsächlich bot die Runde ganz unterschiedliche Antworten. Thomas Ruster, der als Dogmatikprofessor an der Technischen Universität Dortmund die Stimme der Theologie repräsentierte, plädierte für ein systemisches Verständnis des Teufels. Systeme, zum Beispiel Konzerne, seien genauso willensstarke Akteure wie Personen. Dass etwa der Autokonzern VW Menschen und der Umwelt geschadet und dies nachträglich vertuscht habe, liege nicht so sehr an den einzelnen Verantwortlichen, sondern vor allem an der Logik des Systems. Dieses System stelle Gewinnmaximierung über alles.

Exorzismus weltweit auf dem Vormarsch

Wie ein solches System dann besser gemacht, im klassischen Vokabular also exorziert werden könne, erklärte der Wissenschaftler jedoch nicht. Auch hilft der auf Systeme fokussierte Entwurf Individuen nicht, die sich vom Teufel besessen fühlen. Wie viele solcher Menschen es gibt, darauf machte Katharina Wilkens aufmerksam. Die Religionswissenschaftlerin hat in ihrer Doktorarbeit religiöse Heilungen in Ostafrika untersucht und dort jeden Nachmittag erlebt, wie „am Fließband exorziert“ wurde. Während in Europa Exorzismen kaum mehr ein Thema seien, steige deren Zahl weltweit. Daher forderte sie, diese religiöse Praxis in den Mittelpunkt der Reflexion zu stellen.

Faustfestival

Das gab es noch nie in München. Vom 23. Februar bis zum 29. Juli 2018 steht die bayerische Landeshauptstadt ganz im Zeichen von Johann Wolfgang von Goethes (1749-1882) "Faust". Unter dem Motto "Ein Drama, eine Stadt, hunderte Events" werden an die 500 Veranstaltungen geboten. Ausstellungen, Theater- und Kinoaufführungen, Konzerte, Vorträge, Partys und vieles mehr.

Eckhard Frick, der als Mediziner, Psychotherapeut, Philosoph und Theologe der Studienauflistung von Goethes Hauptfigur Heinrich Faust Konkurrenz macht, betonte gegenüber Ruster den Vorrang der individuellen vor der systemischen Dimension. Wenn Menschen sich als von Dämonen oder vom Teufel besessen beschrieben, sollte man ihnen erst einmal zuhören, bevor man sie mit einer aufklärerischen Einstellung überfalle. Dann müsse geprüft werden, ob eine psychische Krankheit vorliegt. „Aber auch ein psychisch Kranker hat das Recht auf Gebet, den Beistand der Kirche, das ist kein Gegensatz zu einer Behandlung“, betonte der Jesuit. Die vierte Stimme lieferte der Kunsthistoriker Wolfgang Augustyn, der sich jedoch bewusst auf die Darstellungen des Versuchers beschränken und entsprechend seines Fachgebiets keine Aussage über das „Dahinter“ der Bilder machen wollte.

Dem Satan mit Ironie begegnen

Bei den unterschiedlichen Antwortversuchen wurde deutlich, dass die Frage nach dem Bösen mindestens ebenso schwer zu beantworten ist wie die nach dem Guten. Stoff zum Nachdenken bot die Diskussion mehr als genug. Und auch einen Modus, wie am besten mit dem Widersacher umzugehen sei: Inspiriert von Goethes „Faust“ sei dem Satan nach Frick am besten mit Ironie zu begegnen. So zitierte er zum Abschluss einen Satz aus dem Drama, der das vermeintliche Verschwinden des Teufels durch die Aufklärung aufs Korn nimmt: „Er ist schon lang ins Fabelbuch geschrieben; allein die Menschen sind nichts besser dran, den Bösen sind sie los, die Bösen sind geblieben.“ (Theresia Lipp)