Corona-Pandemie

Wie umgehen mit Verschwörungstheoretikern?

Die Corona-Situation in Deutschland spitzt sich stetig zu und trotzdem gibt es immer noch viele Menschen, die das Virus für eine Erfindung halten. Wie man am besten mit Querdenkern diskutiert, das kann man in der Freisinger Dombergakademie lernen.

Driften Menschen tief in die Querdenker-Szene ab, kann das für die Familie und den Freundeskreis sehr belastend sein. © Fokussiert - stock.adobe.com

Freising – Die Intensivstationen sind voll, die Zahl der täglichen Todesfälle steigt und trotzdem liegt die Impfquote in Deutschland bei gerade einmal 68 Prozent. Manche haben Angst vor Spritzen oder unbekannten Nebenwirkungen, andere sind jedoch der Ansicht, dass Corona frei erfunden ist und eine unbekannte Macht eine neue Weltordnung schaffen will. Woran sich erkennen lässt, ob ein Nachbar oder Freund aus Sorge eine Impfung scheut, oder weil er sich im Netzt der Verschwörungstheoretiker verfangen hat, dazu bietet die Dombergakademie in Freising in regelmäßigen Abständen Seminare an.

Die Zielgruppe sind Beschäftigte im Bildungsbereich oder in der sozialen Arbeit, also Menschen, die in ihrem beruflichen Alltag mit solchen Theorien konfrontiert werden. Das Angebot richtet sich aber auch an Menschen, die sich um ein Familienmitglied sorgen. Die meisten Teilnehmer kommen in die Seminare, weil sie bereits Erfahrungen mit Verschwörungstheoretikern gemacht haben und sich wünschen, künftig besser argumentieren zu können.

Gesprächsregeln zu Weihnachten

Dozent Kai Kallbach beleuchtet mit den Teilnehmern zunächst die Gründe, warum Menschen Verschwörungstheorien für bare Münze nehmen und erklärt die spezifischen Mechanismen und "Logiken" dieses Denkens – und vor allem seine Gefahren. Im Anschluss wird im Rollenspiel erprobt, wie man Anhängern solcher Denkmuster am sinnvollsten begegnet. „Wir schauen uns zum Beispiel an, warum jemand die Maskenplicht ablehnt – sind das gesundheitliche Gründe? Oder wird vielleicht der Anfang einer staatlichen Unterdrückung befürchtet, dann sollte man wirklich hellhörig werden“, erklärt Kallbach. Generell empfiehlt er, sich gleich bei den ersten Anzeichen, dass ein Familienmitglied oder ein Freund zum Verschwörungstheoretiker werden könnte, Hilfe zu holen. Beispielsweise auch bei Sektenberatungsstellen. Denn driften Menschen wirklich tief in diese Szene ab, kann das für die Familie und den Freundeskreis sehr belastend sein. Familien, in denen Corona ein großes Streitthema ist, rät er deshalb, vor dem gemeinsamen Weihnachtsfest klare Gesprächsregeln zu vereinbaren.

Mit Blick auf die Querdenker-Szene warnt Kai Kallbach entschieden, dass die Mitglieder nicht harmlose Andersdenkende sind, sondern in weiten Teilen „antidemokratisches, rechtsextremes und antisemitisches Gedankengut vertreten“. Weil man in der Dombergakademie davon ausgeht, dass sich Verschwörungstheorien auch in Zukunft weiterverbreiten, wird dort aktuell auch an Bildungsangeboten für die junge Generation gearbeitet. So soll zum Beispiel ein Kartenspiel entstehen, mit dem Schüler spielerisch den Umgang mit Verschwörungstheorien und eine kritische Medienkompetenz erlernen.

Die Autorin
Cathrin Schreiber
Radio-Redaktion
c.schreiber@st-michaelsbund.de