Leiden lindern

Wie Kirche Menschen in Not hilft

Im Krankenhaus, am Telefon oder im Beichtstuhl: Die Kirche versucht auf vielerlei Weise, Leiden zu lindern. mk online hat bei verschiedenen katholischen Einrichtungen nachgefragt, wie dies gelingen kann.

Reihe oben von links: Daniel Lerch, Pater Peter Linster SJ, Frater Emmanuel Rotter OSB. Reihe unten: Alexander Fischhold, Stephanie Waldstein © Kiderle (2), privat (3)

Daniel Lerch
Leiter der katholischen Klinikseelsorge am Klinikum München-Innenstadt

In unseren Kliniken verbringen Menschen oft die schwerste Zeit ihres Lebens. Und dennoch sagen viele, dass gerade in dieser schweren Zeit manche Beziehung erneuert und vertieft worden ist – zu anderen Menschen oder auch zu Gott. Als Klinikseelsorger erlebe ich, dass eine Zeit des Leids durchaus auch als Zeit des Heils erfahren werden kann, wenn ein Patient spürt, dass er auch in seiner Krankheit und Pflegebedürftigkeit geliebt, angenommen und nicht allein gelassen ist. So kann ein kranker Mensch gleichzeitig ein heiler Mensch sein.

Pater Peter Linster SJ
Rektor der Bürgersaalkirche und Beichtseelsorger in St. Michael in München

Immer wieder bedanken sich Menschen nach einem Beichtgespräch oder einer Beichte mit: Danke Pater! Sie haben mir helfen können. Was ist geschehen? Der Beichtende konnte in Ruhe nicht nur seine Sünden beichten, sondern auch seine Probleme aussprechen und seine Fragen darlegen. Es geht ja nicht nur um Schuld und Sünde, sondern mindestens ebenso oft um Probleme und Lasten, die jemand loswerden möchte. Es genügt oft, Betreffende anzuhören. Da helfen keine frommen Sprüche, sondern nur barmherziges Zuhören, ein wahres Mitempfinden und die Zusicherung des Gebetes. Und ich darf sagen, dass ich gern bei der täglichen Messe im Bürgersaal der Beichtenden gedenke.

Frater Emmanuel Rotter OSB
Prior der Benediktinerabtei St. Bonifaz in München und Leiter der dortigen Obdachlosenhilfe

Seit jeher suchen arme und bedürftige Menschen Hilfe und Rat an den Pforten von Klöstern, und gerade die Abtei St. Bonifaz ist aufgrund ihrer Lage in der Mitte der Großstadt München ein bevorzugter Anlaufpunkt für Menschen in Not. Das Haneberghaus unserer Abtei ist eine Einrichtung für obdachlose Menschen. Jeden Vormittag werden dort bis zu 250 Menschen verpflegt, und es gibt an vier Tagen in der Woche Anlaufstellen wie die Arztpraxis, die Kleiderkammer, die Duschabteilung und die Sozialarbeit. Grundprinzip ist, obdachlosen Menschen ohne Vorbedingungen alle Angebote an einem Ort zu machen, die sie zu einem Überleben auf der Straße benötigen, und so zumindest eine weitere Verschlechterung ihrer Lebenssituation zu vermeiden. Finanziert wird diese Arbeit über Spenden, die Trägerschaft liegt beim Kloster. Derzeit kommen viele Gäste aus dem südosteuropäischen Raum, viele sind auch Asylbewerber oder anerkannte Asylanten.

Theologe Alexander Fischhold
Leiter der Telefonseelsorge in der Erzdiözese München und Freising

Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr per Telefon, Chat und E-Mail erreichbar. Wie oft es uns wirklich gelingt, Leid zu lindern, weiß ich nicht, vermutlich gar nicht so oft. Aber was wir können ist: zuhören, uns als Gegenüber anbieten, Zeit schenken, damit Menschen ihre Sorgen und ihr Leid teilen können. Dabei sind wir offen für all das, was Menschen bewegt – wir teilen ihre Trauer und Angst, ihre Freude und Hoffnung. Grundsätzlich möchten wir jedem Ratsuchenden ein Gespräch pro Tag ermöglichen.


Stephanie Waldstein
Diözesanoberin der Malteser in der Erzdiözese München und Freising

Auf die Frage wie die Malteser versuchen, Leid zu mildern, fiel mir die Evangeliums-Stelle von Markus, 12,28b-34 ein. Darin heißt es: „Du sollst Deinen nächsten Lieben wie Dich selbst.“ Das sind kraftvolle Worte. Jeder Mensch sollte versuchen, diese im Herzen zu tragen und im Charisma der Nächstenliebe zu agieren. Entweder im Engagement bei einem der vielen Malteser Angebote vom Sanitätsdienst über Besuchs- bis hin zu Hospiz- oder Demenzangeboten oder aber einfach im täglichen Leben. Manchmal genügt dafür auch ein Lächeln.