Neue Glocke der Filialkirche in Gifthal wurde gesegnet

„Wie im Heimatfilm“

Seit 1482 war es nur noch eine Glocke, die in der Filialkirche St. Johannes im Pfarrverband Velden, läutete. Nun wurde die zweite Glocke, die in Passau gegossen wurde, mit einem großen Festzug nach Gifthal geleitet.

Der Festzug geleitete die Glocke nach Gifthal. (Bild: Sankt Michaelsbund/Wenger)

GIFTHAL/WURMSHAM. Unscheinbare 60 Zentimeter hoch, 44 Zentimeter im Durchmesser und 60 Kilogramm schwer – das ist sie, die neue Glocke, auf die die Bürger von Gifthal in der Gemeinde Wurmsham zu Recht stolz sind. Nun endlich ist das Geläut der kleinen Filialkirche St. Johannes im Pfarrverband Velden wieder vollständig. Von ursprünglich zwei Glocken wie zur Bauzeit des Gotteshauses um 1482 befand sich nur noch eine im Turm, die zweite war wohl zu Rüstungszwecken im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen worden, wie Bürgermeisterin Maria Neudeker bemerkte.

Es ist das große Verdienst der Mesnerfamilie Kraxenberger, dass die Glocke im vergangenen Jahr als eine der letzten bei der Firma Perner in Passau gegossen wurde, mit einem Bus voller Glockenfreunde aus der Gemeinde am 8. Februar abgeholt wurde und nun der feierliche Moment bevorstand: die Segnung der neuen, nach Johannes dem Täufer benannten Glocke. In einem Festzug wurde sie, begleitet von Fahnenabordnungen, Kapelle, Geistlichkeit und einer Schar von Gläubigen, schließlich an ihren neuen Wirkungsort gebracht

„Wir sind beide jetzt hierher versetzt, um unseren Dienst zu tun“, meinte Pfarrer Tobias Rother freilich etwas scherzhaft, der die Segnung der Glocke in Vertretung von Weihbischof Bernhard Haßlberger, der verhindert war, durchführte. Beide kämen sie aus dem gleichen Boden, sei doch 500 Meter entfernt vom Ort, wo die Glocke gegossen wurde, sein Sandkasten gelegen. „Wie der Pulsschlag Gottes in unserer Zeit“ – so könne ein Glockenschlag wirken, war sich Pfarrer Rother sicher. Die Glocken, sie gäben unserem Leben Regelmäßigkeit. Und doch zeigten sie uns auf, dass wir nicht alles bestimmen könnten, sondern dass Gott hineinwirke in unsere Welt.Es ist eine „Geschichte wie in einem Heimatfilm“, so beschrieb es der Landshuter Landrat Peter Dreier. Eine Geschichte, die dank vieler Helfer, die Zeuge dieses seltenen Ereignisses werden durften, wieder aufleben darf. (tw)