Kardinal Reinhard Marx gratuliert Papst em. Benedikt XVI.

„Wer glaubt, ist nie allein“

Benedikt XVI. feiert seinen 90. Geburtstag. In der Münchner Kirchenzeitung hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, den emeritierten Papst gewürdigt.

Kardinal Reinhard Marx ist Erzbischof von München und Freising und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.

Wer die Lebens- und Wirkungsgeschichte Joseph Ratzingers genau anschaut, entdeckt eine große Kontinuität und Verlässlichkeit. Schon als Student fiel er auf durch außergewöhnliche intellektuelle Brillanz und zugleich durch eine sehr tiefe, fast kindliche Frömmigkeit. Diese Mischung fasziniert bis heute viele Menschen an Papst em. Benedikt XVI. Seine Vorlesungen waren stets überfüllt, seine Gottesdienste und Predigten waren Garant für volle Kirchen. Er war nie ein Mann des professoralen Elfenbeinturms, sondern stets ein Lehrer, der Menschen überzeugen, bewegen und Begeisterung für den Glauben wecken konnte. Vor allem aber wollte er sich immer ganz in den Dienst der Kirche, des Volkes Gottes stellen, ob als Professor, Bischof, Kardinal, als Papst und auch als emeritierter Papst.

Der Name Joseph Ratzinger steht für ein anspruchsvolles Christentum. Der christliche Glaube, der Europa so entscheidend geprägt hat, ist nicht zu reduzieren auf ein subjektives Gefühl oder einen simplen Moralismus. Das war auch für Papst Benedikt XVI. stets ein Anliegen, und es ist eine Überlebensfrage für die Kirche. Gerade seine Jesus-Bücher lassen die Person, die im Mittelpunkt des christlichen Glaubens steht, auch vor dem Anspruch der Vernunft, im Blick auf die moderne Welt und ihre kritischen Anfragen, strahlend aufleuchten. Das fasziniert gerade auch suchende Menschen. Es geht im Glauben an den menschgewordenen Gott eben ums Ganze, um die Wahrheit über Gott und die Welt und den Menschen.

Glaube ist anspruchsvoll, aber nicht anstrengend

Joseph Ratzinger zeigt auch, dass der Glaube anspruchsvoll, aber nicht anstrengend ist. Mit Jesus Christus wird der Mensch in seine eigentlichen und höchsten Möglichkeiten geführt. „Wer glaubt, ist nie allein.“ Dieser Satz aus der Predigt, die Papst Benedikt XVI. zu Beginn seines Pontifikates hielt, war auch das Leitwort für seinen Besuch 2006 in Bayern. Wer glaubt, ist nie allein, weil Christus ihn nicht verlässt und die Gemeinschaft der Glaubenden ihn stützt. Wenn die Christen entdecken und auch bezeugen, dass sie im Glauben eine Vertiefung, Erweiterung und Stärkung des Lebens erfahren, kann dieser Glaube auch in unserer Zeit ansteckend wirken.

Für den Weg der Kirche in das 21. Jahrhundert war Papst Benedikt XVI. ein großes Geschenk und eine geistige und geistliche Herausforderung zugleich. Auch sein Rücktritt zeigt etwas von dieser anspruchsvollen und geistlichen Dimension seines Wirkens. Tief verwurzelt im Gebet und der großen katholischen Tradition, ist er deshalb ein sehr moderner Theologe und Glaubenszeuge.

Unser Erzbistum ist ihm in ganz besonderer Weise verbunden. Er ist und bleibt seiner Heimat treu verbunden. Er ist einer von uns! Deshalb freue ich mich ganz besonders, dass wir ihn in Rom gemeinsam mit den Dekanen des Erzbistums am Osterdienstag treffen und ihm die Glückwünsche aller Gläubigen unseres Erzbistums persönlich überbringen können.