50 Jahre Rätearbeit

Weltweit einzigartig

Zum 50-jährigen Bestehen der katholischen Räte erzählen Ehrenamtliche von ihrem Engagement. Diesmal erinnert sich Professor Werner Buchner aus Pullach bei München, dass es damals gar nicht so einfach war, in der Kirche eine demokratische Struktur zu etablieren.

Werner Buchner aus Pullach bei München hat die Gründungsphase der Räte aktiv miterlebt.

Das Laienapostolat hat in unserer Kirche seit eh und je eine aus dem Glaubensgut begründete Tradition, wenn auch mit wechselnden Formen und Ausmaßen. Mit den vor einem halben Jahrhundert geschaffenen und ganz und gar neuartigen Rechtsgrundlagen, die heute noch weltweit ihresgleichen suchen, wurden aber nach Form und Aufgaben wesentliche neue Akzente für die Teilhabe der Laien am kirchlichen Leben auf Pfarrei-, Dekanats-, Stadt- und Bistumsebene gesetzt.

Kein einfaches Unterfangen

Die Gründung und der Aufbau des damit geforderten modernen Rätesystems waren wahrlich kein einfaches Unterfangen. Wahlen und Abstimmungen waren in der Kirche weitgehend ungewohnt. Dazu kommt, dass herkömmliche Formen der Demokratie nicht ohne weiteres und in allen Bezügen in das gewachsene Gefüge der Kirche passten. Auch innerhalb der Laienbewegung entstanden neue Wechselwirkungen. Der ausgeprägt starke Verbandskatholizismus sah sich konfrontiert mit den inner- und außerkirchlichen Aktivitäten der neuen Rätehierarchie. Vor allem aber für das kirchliche Amt war vieles naturgemäß recht ungewohnt.

Für die Mitglieder der Räte selbst wuchs die zeitliche und auch manche mentale Belastung. Um so erstaunlicher ist es, dass die Katholikenräte doch recht zügig den beachtlichen Stellenwert erringen konnten, der sie heute auszeichnet. Das gilt nach außen wie nach innen. Die Teilnehmerliste für den Jahresempfang der Räte zeigt anschaulich, dass maßgebliche Vertreter von Staat und Kommunen, von Wirtschaft und Gesellschaft sowie von Wissenschaft und Forschung für die Arbeit unserer kirchlichen Gremien Interesse bekunden. Und auch die Organe der öffentlichen Meinungsbildung berichten vielfach und vielfältig über das Wirken der Räte.

Zuversichtlich in die Zukunft blicken

Papst Benedikt XVI. hat in seiner Zeit als Erzbischof von München und Freising in einem persönlichen Brief bereits im Jahr 1980 Folgendes geschrieben: „Als ich das Amt des Erzbischofs übernahm, habe ich der Arbeit in den Räten nicht ohne eine gewisse Sorge entgegengesehen. Es gehört zu den freudigen Überraschungen meines Dienstes, dass ich gerade bei den katholischen Laien eine aus dem Glauben kommende Identifikation mit der Kirche in ihren Nöten und Auseinandersetzungen gefunden habe, deren Stütze ich mir aus meinem Tun nicht mehr wegdenken könnte.“

Kardinal Reinhard Marx hat kürzlich in einem Beitrag im Amtsblatt ähnlich formuliert. Vergangenheit und Gegenwart der Räte sind damit positiv dokumentiert. Mit Gottes Hilfe sollte es uns auch für die Zukunft nicht bange sein müssen. (Professor Werner Buchner)

Der Autor stammt aus Pullach bei München und hat die Gründungsphase der Räte aktiv miterlebt. Er war Pfarrgemeinderatsmitglied, Dekanatsratsvorsitzender, Mitglied des Katholikenrates München und stellvertretender Vorsitzender des Diözesanrates sowie des Landeskomitees. In der Zeit der Erzbischöfe Kardinal Julius Döpfner und Kardinal Joseph Ratzinger war er zehn Jahre Sprecher des damaligen „Seelsorgerates“ (später „Pastoralrat“), der aus gewählten Vertretern des Priesterrates, des Diözesanrates und aus vom Erzbischof berufenen Personen bestand.

In dieser Serie berichten anlässlich des 50-jährigen Bestehens der katholischen Rätearbeit jede Woche Ehrenamtliche über ihr Engagement. Am Samstag, 30. März, wird das Jubiläum mit einem großen „Fest der Räte“ in München gefeiert.