Neuer Seminardirektor

Weder all- noch ohnmächtig

Joachim Burkard löst Martin Schnirch als Direktor des Spätberufenenseminars in Waldram ab. Im Interview sprechen beide über die zahlreichen Veränderungen, die in der Einrichtung anstehen.

Der neue Waldramer Seminardirektor Professor Joachim Burkard (49, links) und sein Vorgänger Pfarrer Martin Schnirch (50) vor dem Schulgebäude (Bild: Hammermaier) © Hammermaier

mkn: Herr Pfarrer Schnirch, Sie haben das Spätberufenenseminar St. Matthias seit 2007 geleitet. Was waren wichtige Veränderungen in dieser Zeit?

Schnirch: Von den äußeren Dingen, die sich verändert haben, ist natürlich der Schulneubau für alle immer noch sichtbar. Im Inneren gab es eine starke Veränderung dadurch, dass die Barmherzigen Schwestern weggegangen sind, und dadurch, dass die Seminaristen immer weniger geworden sind.

mkn: Herr Professor Burkard, welche neuen Impulse wollen Sie als Seminardirektor einbringen?

Burkard: Die Bistumsleitung hat mir einen ganz klaren Veränderungsauftrag gegeben. Das fängt beim Wohnen an, das sich auch für Frauen öffnen soll, weil die Hälfte der neu renovierten Zimmer leider leer steht. Zudem wird hier mit der Fachoberschule zum Schuljahr 2017/18 ein weiterer Schulzweig eröffnet. Und dann ergeben sich natürlich viele Veränderungen dadurch, dass ich die Leitung nur mit einer halben Stelle übernehmen werde und mit der anderen halben Stelle Professor für Pastoraltheologie in Benediktbeuern bleibe. Das heißt, wir werden auch die Leitungsstruktur umbauen: Es soll eine Verwaltungsleitung und eine religionspädagogische Leitung geben. Diese sollen gemeinsam mit dem Schulrektor und mir als Stiftungsdirektor die Verantwortung für diese Einrichtung übernehmen.

mkn: Herr Pfarrer Schnirch, Sie haben es angesprochen: Die Zahl der Seminaristen ist rückläufig – von etwa 30, als Sie 2007 Seminardirektor wurden, auf derzeit 11. Zeigt sich in Waldram auf diese Weise der Priestermangel?

Schnirch: Ich erkläre mir diese Entwicklung so, dass es in den vergangenen Jahren immer mehr Möglichkeiten gegeben hat, zum Hochschulzugang zu kommen, auch einfachere als Abitur mit Latein und Griechisch. Hinzu kommt, dass es insgesamt weniger junge Leute gibt. Ein weiterer Punkt ist sicher auch, dass unsere Einrichtung weithin nicht bekannt ist, und vielleicht auch der Priestermangel und das Image von Kirche.

Burkard: Wir haben ja auch einen Mangel in anderen kirchlichen Berufen. Es fällt immer am stärksten auf, dass wir keine Priester und Pfarrer mehr haben, aber wir haben den Mangel durchgehend in allen Berufsgruppen. Das sehe ich auch in Benediktbeuern: Wir sind froh um jede Studentin, die den Studiengang Religionspädagogik anfängt. Die haben im Grunde ja alle eine Anstellungsgarantie nachher. Es fehlt uns an allen Ecken und Enden.

mkn: Wie wollen Sie in dieser Situation wieder mehr junge Menschen für kirchliche Berufe begeistern?

Burkard: Wir leben in einem gesellschaftlichen Kontext, den wir nicht selber mitbestimmen können. Wir sind weder all- noch ohnmächtig, sondern irgendwas dazwischen, und das gilt es zu gestalten: Wie profilieren wir diesen Ort, dass klar wird, hier können junge Menschen einen Beruf finden, der ihrer Berufung entspricht?

mkn: Wie stellen Sie sich das Spätberufenenseminar St. Matthias in zehn Jahren vor?

Burkard: Nächstes Jahr feiert diese Einrichtung ihr 90-jähriges Bestehen. Wir wollen, dass das ein Fest für die Zukunft wird, dass es hier weitergeht, dass Waldram ein offener Ort bleibt. Zukunft werden wir – das sage ich als Pastoraltheologe – nur gewinnen über Versuch und Irrtum. Es wird keine Garantie geben, dass das, was wir tun, gleich von Erfolg gekrönt ist.

mkn: Herr Pfarrer Schnirch, was war in den vergangen Jahren erfolgreich – und was war eher schwierig?

Schnirch: Es fällt einem das Schwierige meistens zuerst ein – wie auf einem weißen Blatt Papier der schwarze Punkt zuerst auffällt. In solche Einrichtungen kommen auch Menschen mit großen persönlichen Schwierigkeiten, die eine Gemeinschaft über Jahre belasten. Das Positivste insgesamt gesehen ist, dass ich hier ganz viele hochmotivierte junge Leute getroffen habe, nicht nur lerntechnisch, sondern auch was religiöses Leben angeht. Und ich würde mir für die Zukunft wünschen, dass St. Matthias ein Ort bleibt für Menschen, die wirklich was wollen. (Interview: Karin Hammermaier)