Unbekanntes Kirchenfest

Was wird am Fest „Verklärung des Herrn“ gefeiert?

Am 6. August feiert die katholische Kirche „Verklärung des Herrn“. Ein Fest, das viele nicht kennen.

Jesus offenbarte sich in überirdisch strahlendem Lichtglanz,

Dem Fest „Verklärung des Herrn“ liegt ein Geschehen im Leben Jesu zu Grunde, das in den ersten drei „Synoptiker“ genannten Evangelien überliefert wird: Bevor Jesus in Jerusalem seinen Leidensweg antritt, besteigt er mit den drei Jüngern Petrus, Jakobus und Johannes einen Berg und offenbart sich ihnen in überirdisch strahlendem Lichtglanz, darin vereint mit zwei großen Gestalten aus der Geschichte Israels: Mose und Elija. Von dieser Vision überwältigt, möchte Petrus sogleich drei (Laub-)Hütten bauen. Da ertönt eine Stimme aus der Wolke: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören.“

Der in der Bibel nicht näher bezeichnete Berg wird seit frühchristlicher Zeit mit dem Berg Tabor in Galiläa identifiziert. Dort ließ Kaiserin Helena eine Kirche erbauen. Daraus entwickelte sich ab dem 6. Jahrhundert vorerst nur in den östlichen Kirchen das Fest „Metamorphosis“ (lateinisch: „Transfiguratio Domini nostri Jesu Christi“), zu Deutsch eigentlich „Verwandlung“, regelmäßig aber mit „Verklärung des Herrn“ übersetzt. Die Verwandlung Jesu auf dem Berg bestand ja eben darin, dass das göttliches Wesen Jesu klar in Erscheinung trat. In der lateinischen Kirche des Westens breitete sich das Fest „Verklärung des Herrn“ erst ab dem Mittelalter aus, als man einzelne Stationen aus dem Leben Jesu eingehender zu betrachten begann. Nach dem Sieg über die Türken bei der Belagerung von Belgrad 1456 wurde es im darauf folgenden Jahr durch Papst Callistus III. in den liturgischen Kalender der lateinischen Kirche aufgenommen. Der Festtermin am 6. August ist seitdem in Ost und West gemeinsam.

Was sind die „Synoptiker“?

Die Synoptiker bzw. synoptischen Evangelien nennt man die drei Evangelisten Markus, Matthäus und Lukas bzw. ihre Evangelien. Beim Vergleich stimmen deren Texte weitgehend überein.

Es fällt auf, dass alle drei synoptischen Evangelien die Perikope von der Verklärung Jesu an einen nahezu gleich lautenden Ausspruch Jesu anschließen: „Von denen, die hier stehen, werden einige den Tod nicht schmecken, bis sie das Reich Gottes (machtvoll kommen) sehen?“ Tatsächlich erblicken die drei Jünger sogleich ihren Meister schon in göttlicher Herrlichkeit, noch ehe sie seinen Tod erlebt oder den eigenen Tod „geschmeckt“ haben.

Ruhestandpriester Otto Wiegele
Ruhestandpriester Otto Wiegele © UIG

„Mein geliebter Sohn“

Die Anwesenheit von Mose und Elija, die in der jüdischen Tradition als endzeitliche Vorläufer des Messias gelten, lässt erkennen, dass in Jesus wahrhaft der erwartete Messias zu erblicken ist. Matthäus (Mt 17,1 – 9) hebt zudem hervor, dass die Stimme, durch die Jesus als „Mein geliebter Sohn“ proklamiert wurde, aus einer „leuchtenden“ (!) Wolke kam und vom Gesicht Jesu selbst ein Lichtglanz ausging, so wie die Lichtstrahlen von der Sonne ausgehen. Beim Abstieg vom Berg rät Jesus den Jüngern, niemandem von diesem Erlebnis zu erzählen, „bis der Menschensohn von den Toten erstanden ist“. Davon anderen zu erzählen, dafür war erst nach der Auferstehung Jesu die Zeit reif.

Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil wird in der römisch-katholischen Liturgie die Perikope (Abschnitt aus der Bibel, der im Gottesdienst verlesen wird) von der Verklärung Christi auch an jedem zweiten Fastensonntag abwechselnd nach einem der synoptischen Evangelien gelesen. Das kann uns ermutigen, auch auf bedrängenden Wegstrecken, hinter noch so düsteren Wolken, nach seiner lichtvollen Gegenwart Ausschau zu halten. Nicht selten werden wir uns im Nachhinein dankbar bewusst, wo überall er längst ermutigend zugegen war. (Otto Wiegele)

Zum Autor: Otto Wiegele ist Ruhestandspriester in Rosenheim und war bis 2012 Pfarrer in der Münchner Pfarrei Verklärung Christi.