Theologie im Fernkurs

Was den eigenen Glauben trägt

Reiner Pittinger ist 36, kommt aus Starnberg und ist Sofware-Entwickler. In seiner Freizeit studiert er Theologie im Fernkurs. Das ermutigt ihn, mehr über seinen Glauben zu sprechen.

Reiner Pittinger studiert einen Lehrbrief.

München – 2009: Bischof Richard Williamson hat öffentlich den Holocaust geleugnet – ein heiß diskutiertes Thema auch in der Familie Pittinger. Reiner Pittinger erinnert sich, wie er mit seinen Verwandten zusammensaß. Sein Onkel meinte, dass jetzt wohl endgültig der Zeitpunkt gekommen sei, um aus der Kirche auszutreten. Reiner sah das anderes, doch richtig begründen konnte er seine Entscheidung nicht. Das war für ihn der Beginn einer Suche.

Glauben aus Überzeugung

Der heute 36-Jährige ist im Starnberger Umland aufgewachsen. Bis Mitte 20 war er Ministrant, engagierte sich im Pfarrgemeinderat und half bei Pfarrfesten: „Glaubens-Leben war Gemeinde-Leben.“ Das änderte sich, als er 2008 nach Berlin zog. Plötzlich fiel die Gemeinde aus Kindheitstagen weg, er musste sich neu orientieren und das in einer Stadt, in der es nicht viele Christen gibt. Von der bayerischen Idylle in die Diaspora. Die Zeit habe ihn sehr geprägt, erzählt er. In Berlin habe er Christen getroffen, die ihren Glauben aus Überzeugung leben. Das nahm er als Ansporn. So suchte der Software-Entwickler immer wieder Angebote, um sich weiterzubilden. Als er sich die Homepage von „Theologie im Fernkurs“ anschaute, wusste er sofort: „Das ist genau das, was ich will.“

Ein Lehrbrief mit Notizen.
Ein Lehrbrief mit Notizen. © privat

Lehrbriefe zu verschiedenen Themen

Im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz werden dort Kurse im Fernstudium für alle Interessierten angeboten, die mehr vom christlichen Glauben wissen, sich argumentativ mit Glaubensfragen auseinandersetzen und seine Bedeutung für das eigene Leben erschließen wollen. Dazu bekommt der Studierende im Grundkurs 24 Lehrbriefe zu verschiedenen Themen zur Verfügung gestellt. Wenn die im Briefkasten liegen, ist das für Pittinger „ein bisschen wie Weihnachten. Ich blättere durchs Inhaltsverzeichnis und denke mir: Mensch, das wollte ich ja immer schon mal wissen!“. Die Lehrbriefe behandeln alle jeweils ein Thema wie zum Beispiel „Einleitung in das Neue Testament“, „Handeln aus christlicher Verantwortung“ oder „Maria und die Heiligen“.

„Nicht fürs Herz, sondern fürs Hirn“

Der Lehrbrief „Die Schuld des Menschen und die Versöhnung mit Gott“ hat Pittinger nachhaltig beeindruckt. Da sei ihm noch mal richtig klar geworden: „Egal, wie viele Fehler du machst und für wie schlecht du dich hältst: Gott nimmt dich an, und du musst nichts dafür tun. Du musst ihm nur glauben.“ Das sei für ihn ein „Knallerheft“ gewesen. Während des Kurses beschäftigen sich die Studierenden aus wissenschaftlicher Sicht mit dem Glauben. „Die Hefte sind nicht fürs Herz, sondern fürs Hirn. Sie helfen aber, durchs Hirn irgendwie ins Herz zu gelangen“, sagt Pittinger lachend.

Informationen über das Studienprogramm „Theologie im Fernkurs“ erhalten Sie auch beim Erzbistum München und Freising.

Die Autorin
Katharina Sichla
Teamleiterin mk online
k.sichla@st-michaelsbund.de