Papst-Buch "Letzte Gespräche"

Voyeuristische Neugierde

War das neue Interviewbuch "Letzte Gespräche" mit Papst em. Benedikt XVI. notwendig? "Nein", meint Jesuitenpater Andreas Batlogg.

Pater Andreas Batlogg SJ ist Chefredakteur der "Stimmen der Zeit".

„Wenn du geschwiegen hättest, wärst du ein Philosoph geblieben“ (Si tacuisses, philosophus mansisses) – Boëthius, der spätantike Philosoph, ist mir in den Sinn gekommen. Musste das wirklich sein? „Er kann es nicht lassen“ (Daniel Deckers, FAZ): Benedikt war schlecht beraten, sich noch einmal auf ein Interview einzulassen. Und er hat die (Aus-)Wirkung(en) falsch eingeschätzt.

Um nicht missverstanden zu werden: Ich zolle ihm Anerkennung für den historischen Entschluss, freiwillig auf sein Amt zu verzichten, dem er sich nicht mehr gewachsen fühlte. Er hat damit, wie Papst Franziskus sagte, „die Tür geöffnet für emeritierte Päpste“. Nur: Mit dem 28. Februar 2013, 20 Uhr, ging dieses Pontifikat zu Ende. Benedikt wollte sich als „Mönch“ zurückziehen. Und für die Kirche beten. Er hat die Spielregeln seines Abtritts selbst festgelegt. Und ändert sie jetzt – ohne ein Amt zu haben.

Ganz offensichtlich hat sich der 89-Jährige gesundheitlich wieder „derrappelt“. Er darf und soll auch seine eigene Meinung haben. Aber bitte nicht öffentlich. Muss er sie aus dem Off seines Klosters heraus kundtun? Gehören seine Wertungen, Bewertungen und Kommentare in die Öffentlichkeit? Braucht es „Klarstellungen“ seinerseits? Nein! Er ist, in dieser besonderen Situation der Kirche und des Papsttums, wieder eine Privatperson. Eine spezielle natürlich. Aber ist er so unsicher, dass er meint, sein eigenes Bild malen zu müssen?

Benedikt hat über die Motive seines Rücktritts gesprochen, seine Amtszeit evaluiert, seinen Nachfolger kommentiert, er ist über die deutsche Kirche hergezogen. „Gewerkschaftsmentalität“ und „ein Überhang an ungeistlicher Bürokratie“: Wirft das ein „weiser Großvater“ (Franziskus über Benedikt) seinen Bischofskollegen in Deutschland vor, über den Weg eines Interviews? Dieselben Feindbilder wie schon vor vierzig Jahren!

„Letzte Gespräche“ eines ehemaligen Papstes bedienen Klischees – und voyeuristische Neugierde. Wir haben nur einen Papst, nicht zwei. Für die Zukunft müssen das Rücktrittsszenario und die nachfolgenden Modalitäten besser geregelt werden. (Andreas Batlogg SJ)