Sternsinger und kirchliches Ehrenamt

Von Königinnen und Königen lernen

Die Sternsinger üben Solidarität mit den Ärmsten. Aber nicht nur hier, sondern auch beim Ehrenamt in den Pfarreien können sie ein Vorbild sein.

Ehrenamtlich intensiv unterwegs: Die Sternsinger. © Kiderle

München – Die buntgekleideten Kinder und Jugendlichen haben in den vergangenen Tagen wieder die winterlich grauen Straßen belebt. Unverdrossen ziehen Jahr für Jahr allein im Erzbistum München und Freising etwa 20.000 Sternsinger von Haus zu Haus. Rund drei Millionen Euro Spenden haben sie im vergangenen Jahr gesammelt. Bei der jüngsten Aktion dürften es wieder ähnlich viel geworden sein. Das ist eine gute Nachricht gegen die wohlfeilen Klagen über den Niedergang ehrenamtlichen Engagements bei jungen Leuten, die angeblich das Wort „sozial“ nur noch im Zusammenhang mit Sozialen Medien kennen.

Große Vorbilder

Die deutschlandweit über 300 000 kleinen Könige und Königinnen sind vielmehr große Vorbilder. Schon den Kleinsten unter ihnen ist klar, dass es vielen anderen Menschen in der Welt ungleich schlechter als ihnen geht. Für sie erheben sie ihre Stimme, zeigen Flagge oder genauer ihren Stern, der an das Kind aus Bethlehem erinnert. Sie sind ein Hoffnungszeichen gegen alle, die nur noch auf ihr eigenes Land sehen und keine Verantwortung für den Rest der Welt übernehmen wollen. Obwohl diese Welt vernetzter ist denn je. Was auf einem Kontinent sich entwickelt oder auch nicht entwickelt, berührt auch die anderen Erdteile. Ich meine die Sternsinger sind aber nicht nur wegen ihrer Solidarität ein Vorbild.

Teil einer großen Bewegung

Gerade den Kirchen können Sie darüber hinaus etwas Wichtiges beibringen: Wie ehrenamtliches Engagement auch im 21. Jahrhundert funktioniert. Die jungen Leute tun ihren freiwilligen Dienst für einen beschränkten Zeitraum. Dann aber mit großer Intensität. Auch für diesen befristeten Einsatz bekommen sie allgemeine Anerkennung, werden in Gesellschaft und Medien beachtet. Sie können sich als Teil einer großen Bewegung fühlen, die global denkt und in kleinen Gemeinschaften lokal sichtbar wird. Sie handeln kirchlich organisiert, ohne zwangsläufig am Pfarrleben teilzunehmen oder jeden Sonntag in die Messe zu kommen.

Darauf müssen sich die Kirchen einstellen

Außerdem geschieht Sternsingen nicht im Sitzen, sondern im Gehen und im konkreten Tun. Und die jungen Menschen und ihre Eltern, die ihnen die Teilnahme an der Aktion erlauben, sind überzeugt, dass die Hilfe sinnvoll ist, ankommt und das auch nachprüfbar und transparent ist. Regelmäßige Gremientreffen, langfristige Verbindlichkeit, die Zugehörigkeit zu einer dauerhaften Gruppe ist in der Sternsingeraktion nachrangig. Auf diese Weise scheint christliches Engagement anziehend zu sein. Darauf müssen sich die Kirchen einstellen, wenn sie ihre Ehrenämter für die Zukunft entwickeln wollen.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

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Kommentar über Sternsinger und Ehrenamt im Münchner Kirchenradio