Internationaler Freiwilligendienst

Vier Ecuadorianer im Erzbistum

Im Rahmen des Förderprogrammes „weltwärts“ beginnen sieben Deutsche ihren Dienst in Lateinamerika. Vier Ecuadorianer leisten einen Bundesfreiwilligendienst im Erzbistum.

Fabian Juca Vivar, Jeovanny Bohorquez Utreras, Anthony Vélez Sánchez und Dennys Espín Ortiz (von links) © Kiderle

München – Der aus Ecuadors drittgrößter Stadt Cuenca stammende Fabian Juca Vivar ist mit 27 Jahren der älteste der vier Ecuadorianer, die vorige Woche im Erzbistum angekommen sind. Der Physik- und Chemielehrer ist zudem der Einzige der Gruppe, der zuvor bereits im Ausland war: Außer Panama und den USA hat er schon mehrere europäische Länder besucht. Nun möchte er Deutschlands Geschichte, Kultur und Lebensstil kennenlernen. Die erste Lektion gab es bereits am Ankunftstag, als er abends – anders als in Ecuador üblich – keinen Reis zu essen bekam. Der Südamerikaner, der sich in seiner Heimat ehrenamtlich für Waisenkinder und ältere Menschen engagiert hat, will in Deutschland aber nicht nur „sehr viel lernen“, sondern auch „etwas hinterlassen“ und helfen, wo er kann. Sein Bundesfreiwilligendienst bei der Münchner Bahnhofsmission wird ihm dazu sicher viele Gelegenheiten bieten – und ihm zugleich vor Augen führen, „dass es nicht nur in Ecuador Armut gibt, sondern auch in Deutschland“.

Mit Gott nach Deutschland

Gott habe ihn dazu berufen, einen Freiwilligendienst in Deutschland zu leisten, ist Jeovanny Bohorquez Utreras überzeugt. Die Schwierigkeiten, die ihm sein Chemiestudium an der staatlichen Universität von Guayaquil bereitete, dürften das Ihrige dazu beigetragen haben, den 19-Jährigen zu einem längeren Auslandsaufenthalt zu bewegen. Hier in Deutschland hofft er, Neues kennenzulernen, und seine Erfahrungen dann den Menschen in Ecuador weitergeben zu können. „Die deutsche Kultur ist ganz anders“, meint der junge Lateinamerikaner kurz nach seiner Ankunft in München. „Es gibt hier mehr Verantwortung und Sicherheit.“ Gleich ins Auge gestochen sind dem Studenten zum Beispiel die vielen Radfahrer, die er als Ausdruck des größeren Umweltbewusstseins in Deutschland deutet. Der junge Mann, der sich zu Hause ehrenamtlich beim Roten Kreuz engagiert und bei Glaubensunterweisungen in kleinen Dörfern mitgeholfen hat, ist Gott sehr dankbar, dass er ihn nach Deutschland geführt hat, wo er behinderte Kinder in der Heilpädagogischen Tagesstätte St. Ansgar der Caritas in Pullach betreuen wird.

Erster südamerikanischer „Kolperer“ im Erzbistum

Anthony Vélez Sánchez ist vor allem wegen der Sprache hier. „Das Deutsche gefällt mir“, schwärmt der Sprachstudent von der Technischen Universität Manabí und gibt auch gleich ein paar deutsche und bairische Vokabeln zum Besten: „Grüß Gott“, „Spätzle“ und natürlich „Bundesfreiwilligendienst“. Der 19-Jährige war Gruppenleiter im ecuadorianischen Kolpingverband und ist der erste südamerikanische „Kolperer“, der bei der Kolpingjugend im Erzbistum einen Freiwilligendienst absolviert (wir berichteten). Er möchte in diesem Jahr sehen, „wie der Kolping-Verband in München arbeitet und wie der katholische Glaube in Deutschland gelebt wird“.

Ideelle Hilfe

Auch Dennys Espín Ortiz weiß genau, warum er nach Deutschland gekommen ist: Der Automechaniker will in Ecuador eine Ausbildungseinrichtung für benachteiligte Jugendliche gründen, wie er sie selbst bei den Jesuiten in seiner Heimatstadt Quito besucht hat. Dafür erhofft er sich ideelle und finanzielle Unterstützung aus der Bundesrepublik. Beispielsweise möchte er in Deutschland gelebte Werte wie Verantwortung und Teamarbeit nach Ecuador importieren und so die Gesellschaft dort verändern. Erst einmal aber wird der 26-Jährige, der Erfahrung als Gruppenleiter in seiner Heimatpfarrei mitbringt, seinen Freiwilligendienst in der Stiftung Attl in Wasserburg leisten. Dort wird er sich um Kinder und Jugendliche mit Behinderung kümmern oder bei der Feldernte mit anpacken, „je nachdem, wo sie Hilfe brauchen“.

Dass sie gemeinsam im Erzbistum sind, betrachten die vier jungen Männer als große Stütze. So können sie sich gegenseitig helfen und wie von Deutschland, so auch voneinander lernen. Schließlich kommen sie aus verschiedenen ecuadorianischen Provinzen und entstammen selbst unterschiedlichen Kulturen.

Die Autorin
Karin Hammermaier
Münchner Kirchenzeitung
k.hammermaier@st-michaelsbund.de