Kardinal Marx zur Kirche in der Krise

Verständnis für Menschen, die mit der Kirche hadern

Die Kirche ist seit Jahren in der Krise. Immer mehr Menschen treten aus. Kardinal Reinhard Marx zeigt sich darüber besorgt.

Kardinal Reinhard Marx

Berlin – Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, zeigt Verständnis für Menschen, die mit der Kirche hadern. "Als Institution sind wir seit Jahren ohne Zweifel in einer tiefen Krise und werden in unserer Glaubwürdigkeit durch jeden Skandal erschüttert. Ich kann verstehen, wenn viele mit dieser Institution hadern", sagte Marx im Interview der "Bild am Sonntag".

So sei beim Thema sexueller Missbrauch zwar bei Prävention und Aufarbeitung vieles in Gang gebracht worden. "Doch wir haben noch einen gehörigen Weg vor uns. Es bleiben systemische Fragen. Es geht um wichtige Schritte zur Reform der Kirche", betonte Marx. Dazu komme, dass die Kirche "heute in einer freien pluralen Gesellschaft viel stärker sichtbar machen muss, warum der Glaube positiv für das jeweilige Leben ist".

Auf die Frage, wie Vertrauen zurückgewonnen werden könne, sagte der Kardinal: "Wir haben klare Beschlüsse gefasst, was die Punkte Orientierung an Betroffenen, Aufarbeitung, Prävention und Personalführung angeht." Zudem werde man sich "auf den Weg machen", grundlegendere Fragen anzugehen wie Sexualmoral, Ausbildung und Lebensform der Priester "sowie das Thema Macht und Teilhabe in der Kirche".

Kritik an "Wintermärkten" oder "Sonne, Mond und Sterne"-Feiern

Marx zeigte sich besorgt angesichts eines Mitgliederschwunds in der Kirche. Der Auftrag Jesu laute aber nicht "habt viele Mitglieder!, sondern: Tut euren Dienst!" Und da er, Marx, keinen Zweifel, dass es auch künftig noch Menschen geben werde, "die das Evangelium leben und die Heilige Messe feiern".

Kritik über der Kardinal an der Umbenennung von Weihnachtsmärkten in "Wintermärkte" oder von Sankt Martin in "Sonne, Mond und Sterne"-Feiern. "Aber es liegt an uns Christen selbst, unsere Gesellschaft zu gestalten", sagte Marx. Wer christliche Traditionen erleben und eine christliche Prägung Deutschlands fortschreiben wolle, "der sollte sie auch selbst mit Leben erfüllen wollen". Marx weiter: "Das endet nicht mit Weihnachtsmärkten oder damit, dass wir den heiligen Nikolaus wichtiger finden als den Weihnachtsmann. Da steht mehr auf dem Spiel." (kna)