Die Causa Mollath

Vernunft und Augenmaß

Gustl Mollath, jahrelang gegen seinen Willen in der Psychiatrie festgehalten, ist frei – und nun? Nun feiern die einen den gefühlten „Triumph der Gerechtigkeit“; und Mollath selbst wie einen Helden.

Korbinian Morhart ist Redakteur bei der Münchner Kirchenzeitung (Bild: Münchner Kirchenzeitung)

Andere schießen sich auf Bayerns Justizministerin Beate Merk ein und kritisieren, sie habe zu langsam  auf alles reagiert, was den festgefahrenen Fall wieder hätte in Bewegung bringen können. Und ganz andere verbreiten montierte Fotos in sozialen Netzwerken, die Mollaths schon sprichwörtliche Topf-Pflanze (er trat an seinem ersten Tag in Freiheit mit dem Gewächs im Arm aus der Psychiatrie) in den Pranken von Fußballer Mario Balotelli oder im Arm von Herzogin Kate zeigen; eine große Gaudi halt.

Eines jedoch verbindet zahlreiche Reaktionen auf den spektakulären Justiz-Skandal: Dass es nämlich  vielen Rufern, Mahnern und  Beobachten wohl eher um sich selbst geht als um Gustl Mollath. Da verbirgt sich womöglich die Sehnsucht nach mehr eigenem politischen Profil oder nach höheren Zugriffszahlen auf einer Internet-Seite hinter der vollmundigen „Free-Gustl“-Attitüde. Vollends um den eigenen Profit auf dem Rücken Mollaths ging es offenbar einem Münchner Autovermieter, der ein Bild Gustl Mollaths ungefragt für ein umstrittenes Werbeplakat nutzte. Ob der Mann bereits eine Person des öffentlichen Lebens ist? Sollen es die Juristen entscheiden.

Und selbst wenn: Dann darf man vielleicht mit ihm werben, es gehört sich aber trotzdem nicht. Denn Mollath wurde ungut mitgespielt; er verdient nun die Ruhe, die er sich wünscht sowie Vernunft und Augenmaß in der Aufarbeitung des komplizierten Falls. Alles andere riecht schnell nach Trittbrett-Fahrerei oder befördert eine Kulisse der Lächerlichkeit, die nicht hilft – und das Geschehene unangemessen verniedlicht.

Korbinian Morhart ist Redakteur bei der Münchner Kirchenzeitung