Werkstattgespräch „Freiwilligenmanagement“

Unterstützen statt reglementieren

Für das Erzbistum ist seit Jahren eine „Ehrenamtsakademie“ im Gespräch. Im Raum Rosenheim ist man schon weiter: Das Bildungswerk plant einen Kurs zum Thema. Vorab fand ein Werkstattgespräch statt.

Pfarrgemeinderäte und Pastoralreferenten aus dem Rosenheimer Raum beim Werkstatt- gespräch mit Elisabeth Ternyik (hinten links) und Markus Roth (hinten rechts)

Rosenheim – Erstmals genannt wurde der Begriff „Ehrenamtsakademie“ im Rahmen des Gesprächsforums „Dem Glauben Zukunft geben“ (2008 – 2010). Seitdem wird die Schaffung eines Kompetenz-, Netzwerk- und Ausbildungszentrums für ehrenamtlich Engagierte der Pfarreien immer wieder einmal gefordert – aber eine konkrete Umsetzung ist nach wie vor in weiter Ferne.

Dass es jetzt aber höchste Zeit ist, auf Veränderungen in Gesellschaft und Kirche zu reagieren, steht für Markus Roth, Geschäftsführer des Bildungswerks Rosenheim, außer Frage: „Die Kirche kann ihre Aufgaben ohne Ehrenamtliche nicht mehr erfüllen“. In den rund 750 größtenteils zu Pfarrverbänden zusammengeschlossenen Pfarreien der Erzdiözese engagieren sich bereits jetzt mehr als 120.000 Menschen ehrenamtlich in verschiedenen Funktionen und Diensten – vom Pfarrgemeinderat über den Ministrantendienst bis hin zur Nachbarschaftshilfe und zum Kirchenchor.

„Es geht immer um Wertschätzung.“

In Zukunft wird diese Zahl noch steigen, steht für Elisabeth Ternyik fest. „Die Kirche verändert sich rasant. Was früher Hauptamtliche gemacht haben, leisten jetzt Ehrenamtliche. Das muss man anerkennen und wollen“, meint die Projekt- und Personalmanagerin beim Kreisjugendring München-Land. Bei dem Werkstattgespräch gibt sie Impulse, wie man mit dieser Entwicklung für beide Seiten zufriedenstellend umgehen kann. Nach Ternyiks Erfahrung lässt sich kaum ein Unterschied zwischen hauptberuflicher und ehrenamtlicher Tätigkeit ausmachen: „Es geht immer um Wertschätzung.“

Immer weniger Ehrenamtliche seien bereit, sich über einen langen Zeitraum hinweg für eine Sache zu engagieren. „Man darf nicht mehr erwarten, dass jemand 24 Mal im Jahr Kuchen backt. Man muss auch schon anerkennen, wenn jemand ein Mal diese Aufgabe übernimmt“, betont Ternyik. Um in Zukunft auch noch für die Funktionärsebene Ehrenamtliche zu begeistern, rät sie, neue Wege zu beschreiten: „Man kann beispielsweise auch einmal ein Vorstandsamt auf Probe anbieten oder zulassen, dass jemand an einer Sitzung mittels Skype teilnimmt, weil er sich gerade im Ausland befindet.“

Feste Ansprechpartner, transparente Strukturen und zeitliche Begrenzungen

Ehrenamtliche brauchen nach Ternyiks Ansicht feste Ansprechpartner. Dabei dürfe es aber nicht um Reglementierung gehen, sondern viel mehr um Unterstützung. Wichtig seien außerdem transparente Strukturen, klare Grenzen und zeitliche Begrenzungen: „Die Hauptamtlichen müssen sich fragen, wie offen bin ich wirklich für diese Neuerungen?“ Gut sei es auch, Ehrenamtliche dabei zu ermutigen, ihr Wissen mit anderen zu teilen und für nachfolgende Kräfte festzuhalten. Dass das auch mal zu Widerstand führen kann, sei klar: „Da gibt es auch Ängste, dass man nicht mehr so gebraucht wird.“

An dem Werkstattgespräch zum Thema „Freiwilligenmanagement“ nehmen sieben Pfarrgemeinderäte und Pastoralreferenten aus der Stadt und dem Landkreis Rosenheim teil. Sie berichten über ihre eigenen Erfahrungen in Sachen Ehrenamt. „Am schwierigsten ist es, die Jugend für das Ehrenamt zu gewinnen“, meint ein Teilnehmer. Ein anderer wünscht sich, dass seine Pfarrei offener für Neues wird: „Dabei darf man aber nicht vergessen, das Alte zu würdigen und zu begleiten.“

„In unserer Pfarrei läuft auf ehrenamtlicher Ebene schon sehr viel“, berichtet Sabine Ficile, Pfarrgemeinderats-Vorsitzende in der Rosenheimer Pfarrei Christkönig. Das Problem: „Die Gruppen agieren sehr eigenständig. Gut wäre eine Vernetzung.“ Mit einem Freiwilligenmanagement könnte das gelingen. (Karin Wunsam)