Info-Point am Münchner Hauptbahnhof

Ukrainische Geflüchtete helfen neu Angekommenen

Sie selbst sind vor Putins Angriffskrieg geflohen. Monatelang haben sie ihre Landsleute ehrenamtlich in der Landessprache willkommen geheißen. Jetzt konnte die Caritas 14 Geflüchtete einstellen.

Am Infopoint helfen Vadym Snitko, Katharina Hahnreich und Anto Blazevic ukrainischen Geflüchteten.

Ein blau-gelbes Plakat sticht sofort ins Auge, wenn man zum Infopoint kommt: „Welcome“ steht darauf. Derzeit befindet sich die Anlaufstelle für Geflüchtete aus der Ukraine in der Halle des Starnberger Flügelbahnhofs am Hauptbahnhof München. Die Info-Theke besteht aus mehreren Tischen, hinter denen immer jemand steht und sofort Auskunft geben kann. Daneben Tische und Bänke zum Ausruhen und zwei Zelte mit Feldbetten, wo Menschen nach der langen Reise zur Ruhe kommen können. Aber übernachten dürfen sie hier nicht, erklärt Anto Blazevic, der Leiter der Caritas-Einrichtung.

Verteilung nach Quoten

Die Ankommenden müssen zuerst ins Ankunftszentrum in der Dachauer Straße, wo sie registriert und auf Covid getestet werden. Dann schaut man, wo sie dauerhaft unterkommen. Denn die Bundesländer haben Quoten vereinbart. Und wenn in Bayern die Quote erfüllt ist, geht’s weiter in andere Bundesländer. Also kommen die Geflüchteten wieder zum Hauptbahnhof. Hier müssen sie ins Reisezentrum gehen und herausfinden, wann der nächste Zug geht. Dabei helfen die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Info-Points. In der Wartezeit versorgen sie die Geflüchteten mit Kaffee, Tee, Wasser, Müsliriegeln und Toilettenjetons und auch Handys können hier aufgeladen werden.

Waren es in den ersten Wochen des Krieges noch bis zu 2.000 Geflüchtete täglich, die in München ankamen, sind es jetzt etwas mehr als 100 Menschen. Aber die kommen über den ganzen Tag verteilt.

 

Wenn Sie ehrenamtlich am Info-Point helfen möchten: Im Internet finden Sie Kontaktadressen und Möglichkeiten, sich zu engagieren.

Tragische Geschichten

Oft spielen sich tragische Geschichten ab, erzählt eine Mitarbeiterin: „Eine Mama mit ihrem neunjährigen Sohn hat bitterlich geweint. Sie hatte hier einen Freund wiedergetroffen. Aber sie musste nach Thüringen weiter. Da können wir dann leider auch nicht helfen. Da können wir nur trösten.“

Zwei Mal hatten Geflüchtete ihre Taschen im Bus vergessen – da waren Fotos, Pässe und andere Schätze drin, die die Frauen aus der Heimat mitgebracht hatten. Da hilft der Info-Point, eine Vermisstenanzeige bei der Polizei aufzugeben.

Oft kommen aber auch Geflüchtete, die schon seit einigen Monaten in München sind und einfach eine Frage haben. „Für die sind wir zwar eigentlich nicht zuständig, aber wenn wir ihre Fragen beantworten können, helfen wir natürlich gerne,“ erklärt Anto Blazevic. Auf die Frage, warum die Leute denn zurückkämen, lächelt er und sagt: „Der erste Eindruck bleibt.“ Denn er weiß, wie freundlich und mit wieviel Engagement seine Ehrenamtlichen helfen.

Ehrenamtliche eingestellt

Seit Beginn des Krieges waren unglaublich viele, vor allem junge Menschen, hier im Einsatz, teilweise Tag und Nacht. Unter ihnen auch einige, die selbst aus der Ukraine geflohen sind. Jetzt hat die Caritas 14 von ihnen eingestellt.

Einer von ihnen ist Vadym Snitko. Er selbst ist im März angekommen. Zuhause in Kiew hatte er bereits zweieinhalb Jahre lang Deutschkurse besucht, weil er nach der Schule in Deutschland studieren wollte. Dann kam der Krieg und er ist geflohen. Seit Juni arbeitet er jetzt hauptberuflich am Info-Point im Hauptbahnhof. Er selbst meint, die Reaktion sei nicht sehr überschwänglich, wenn die Geflüchteten feststellten, einen Landsmann vor sich zu haben. Aber Anto Blazevic sieht das anders: Neben ihren Sprachkenntnissen brächten die neuen Kolleginnen und Kollegen Informationen über die Situation in der Ukraine mit. Sie könnten auch viel leichter Kontakt zu den Menschen herzustellen. „Manchmal geht’s nicht nur um die Sprache. Da kommst du mit einem Dolmetscher oder Google-Translator nicht weiter.“ Und dann sind Vadym und die anderen Gold wert.

Sie sind einfach immer da

Überhaupt bewundert der Leiter die Ehrenamtlichen, Deutsche wie Ukrainer: „Ohne sie hätten wir das hier nicht geschafft. Ich frage mich immer, wo nehmen sie die Energie her? Sie sind einfach immer da!“

Inzwischen sind sie ein eingespieltes Team. Richtig gut läuft auch die Zusammenarbeit zwischen der Caritas, der Stadt München, der Bundesbahn, der Polizei und der Bahnhofsmission. Trotzdem haben alle dort einen gemeinsamen Wunsch: Dass der Krieg endlich endet und der Info-Point überflüssig wird.

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Die Autorin
Brigitte Strauß-Richters
Radio-Redaktion
b.strauss-richters@st-michaelsbund.de