Schauspieler, Schriftsteller und Vorkämpfer

Trauer um Peter Radtke

Peter Radtke ist vielen ein Vorbild: Selbst starke körperliche Einschränkungen hielten den Inklusions-Aktivisten nicht von seinem Engagement ab. Jetzt ist er im Alter von 77 Jahren gestorben.

Peter Radtke war Dolmetscher, promovierter Romanist, Schauspieler, Schriftsteller und Vorkämpfer für Inklusion.

München Der Schauspieler und Schriftsteller Peter Radtke ist tot. Der Behinderten-Aktivist starb am Wochenende im Alter von 77 Jahren in München, wie die von ihm gegründete Arbeitsgemeinschaft Behinderung und Medien (abm) mitteilte. Der Sozialverband VdK Bayern würdigte den Verstorbenen als leidenschaftlichen Vorkämpfer für Inklusion in Kunst und Gesellschaft. "Die Zahl der Freundinnen und Freunde, die um ihn trauern, ist groß, für viele ist er ein Vorbild", sagte die VdK-Landesvorsitzende Ulrike Mascher.

Karriere trotz Behinderung

Radtke wurde 1943 in Freiburg mit der Glasknochenkrankheit geboren, saß im Rollstuhl und war seit einigen Jahren auf ein Beatmungsgerät angewiesen. Trotz seiner starken körperlichen Einschränkungen hatte der promovierte Romanist Mitte der 1970er Jahre eine erfolgreiche Schauspielkarriere gestartet. Er verkörperte viel beachtete Rollen auf großen Bühnen in München, Zürich und Wien. In Ulm führte er selbst Regie. Zuletzt war Radtke als Autor tätig und beteiligte sich häufig in gesellschaftlichen Debatten.

Von 2003 bis 2016 gehörte Radtke dem Deutschen Ethikrat an. Von 1994 bis 2001 war er Präsident der internationalen Dachorganisation EUCREA, der europäischen Vereinigung zur Förderung von Kreativität und Kunst behinderter Menschen.

Konfrontiert mit eigener Sterblichkeit

Im Mai sagte der gelernte Dolmetscher in einem Interview, die Frage der eigenen Sterblichkeit, die sich vielen Menschen angesichts der Corona-Pandemie stelle, begleite ihn schon sein ganzes Leben. "Die Ärzte hatten mir bei der Entbindung nur eine Lebensdauer von wenigen Monaten prophezeit", so Radtke. "Ich brauche deshalb keinen Sklaven wie die römischen Imperatoren, der mich beständig daran erinnert: 'Gedenke, dass du sterblich bist.'"(kna)