Heiligsprechung in Rom

Titus Brandsma - Der erste Heilige des KZ Dachau

Im Priesterblock des KZ Dachau wurden Geistliche aus ganz Europa gefangen gehalten. Mehr als die Hälfte von ihnen starben. Jetzt wird einer von ihnen heiliggesprochen.

Der Priester und NS-Widerstandskämpfer, Titus Brandsma, wird heiliggesprochen. © IMAGO / United Archives International

Das erste Konzentrationslager errichteten die Nazis in Dachau nördlich von München. Bis 1945 waren dort und in vielen Außenlagern mehr als 200.000 Menschen aus ganz Europa inhaftiert. Ab 1940 verschleppten die Nazis gezielt Geistliche dorthin. Insgesamt waren es nach Angaben der Stiftung Bayerische Gedenkstätten 2.796 Männer, darunter 2.652 katholische Priester. Von ihnen starben etwa 1.800, darunter auch der niederländische Karmelit Titus Brandsma (1881-1942). Am Sonntag wird er in Rom heiliggesprochen.

Brandsma war 1985 bei seiner Seligsprechung der erste Märtyrer des KZs, der für seinen Widerstand von der katholischen Kirche so geehrt wurde. Am 27. Juli ist sein Gedenktag.

Mittlerweile sind 57 Geistliche, die in Dachau das Martyrium erlitten, seliggesprochen worden: Karl Leisner, der im Lager unter Mitwirkung eines ebenfalls internierten Bischofs aus Frankreich im Dezember 1944 heimlich zum Priester geweiht wurde; der sorbische Jugendseelsorger Alojs Andritzki, Pallotinerpater Richard Henkes, der Mariannhiller Missionar Engelmar Unzeitig und andere. Das Erzbistum München und Freising gedenkt aller "seligen Märtyrer von Dachau" am 12. Juni.

Brandsma starb in Dachau an tödlicher Giftspritze

Der Niederländer Brandsma gehörte zu den frühesten und kompromisslosesten Nazi-Gegnern. Zum Verhängnis wurden ihm seine Aktionen im Widerstand, als die deutschen Besatzer im November 1941 gegen die katholische Presse vorgingen. Brandsma sollte die Redakteure katholischer Titel auf die Linie der Bischöfe einschwören und sie in ihrem Widerstand bestärken. Dass diese Aufgabe gefährlich sein würde, war ihm bewusst.

Es dauerte nicht lange, bis er auf der Schwarzen Liste der Nazis landete: Am 19. Januar 1942 ließen sie ihn in seinem Kloster in Nimwegen verhaften. Es begann ein Leidensweg durch mehrere Gefängnisse, der in Dachau am 26. Juli 1942 mit einer tödlichen Giftspritze endete. Es war der Tag, an dem die niederländischen Bischöfe in den Kirchen ihren Protest-Hirtenbrief gegen die Deportation von Juden verlesen ließen.

Bald Schutzpatron der Journalisten?

Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, würdigt Brandsma wenige Tage vor der Heiligsprechung als "Vorbild an Mut, Glaubensstärke und der Fähigkeit zur Vergebung". Niederländische und belgische Journalisten haben eine Initiative gestartet, den Karmeliten zum Schutzpatron der Journalisten zu erklären.

Die Gesellschaft Katholischer Publizisten (GKP) in Deutschland unterstützt das. "In Wort und Tat stellte Titus Brandsma sich gegen die mörderische Ideologie des Nationalsozialismus", sagt der Vorsitzende der GKP, Joachim Frank. "Brandsma steht für eine Publizistik im Dienst von Wahrheit, Freiheit und Menschenwürde."

Zwar gibt es schon einen Schutzheiligen der Journalisten, nämlichen den französischen Bischof und Autor Franz von Sales (1567-1622). Aber Frank hat einen Vorschlag: "Heute, wo Gewalt gegen Journalistinnen und Journalisten wieder an der Tagesordnung ist und von Publizistinnen und Publizisten Mut und Haltung gefragt sind, sehen wir in Titus Brandsma einen überzeugenden Co-Patron unserer Profession."

Erinnerungen an Geistliche im Priesterblock wachhalten

Um die Erinnerung an Brandsma und die vielen Geistlichen im Priesterblock des KZ Dachau wachzuhalten, hat die Katholische Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte vor knapp zwei Jahren eine Smartphone-App entwickelt, mit Informationen über die Biografien der inhaftierten Geistlichen.

Das Thema "Priesterbaracken" beschäftigt nach Angaben der Gedenkstätten-Stiftung auch die wissenschaftliche Forschung. Die Ergebnisse sollen in die geplante Neugestaltung der Dauerausstellung in der KZ-Gedenkstätte einfließen.

Ein weiterer potenzieller Publizisten-Patron wurde im KZ Dachau schon im Sommer 1934 ermordet: Fritz Gerlich, Chefredakteur der äußerst NS-kritischen katholischen Wochenzeitung "Der gerade Weg". Sein Seligsprechungsverfahren läuft seit Dezember 2017. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx empfahl Gerlich damals Medienschaffenden als Vorbild. Klarer als viele andere habe dieser erkannt, "was die Stunde geschlagen hat, mit der braunen Herrschaft". (kna)