Veranstaltung der Katholischen Akademie in Bayern

Theologin Rahner: Katholische Kirche ist längst gespalten

In der Katholischen Akademie in Bayern wurde zum Thema "Die Rückkehr der Reformdebatte" diskutiert.

Die Tübinger Theologin Johanna Rahner hält die Kirche für gespalten. © Fernando Soares - stock.adobe.com

München – Die Tübinger Theologin Johanna Rahner hat sich gegen die Warnung vor einer drohenden Spaltung der katholischen Kirche gewandt. "Wir stehen nicht vor einer Spaltung, wir haben sie bereits - nur traut sich keiner offen darüber zu reden", sagte die Dogmatikprofessorin am Dienstagabend in München. Ihr fehle die Fantasie, wie ein Gespräch zwischen Reformern und Bewahrern in Gang kommen könnte, fügte sie hinzu. In der Kirche spiegle sich insofern etwas von der gesellschaftlichen Entwicklung wider. "Jeder lebt in seiner Blase."

Der im 19. Jahrhundert wurzelnde prinzipielle Gegensatz von Katholizismus und Moderne müsse "einkassiert" werden, so die Theologin. Die Kirche müsse dazu von ihrer Ideologie Abschied nehmen, eine übergeschichtliche Größe zu sein. Alles, was in ihr existiere, sei geworden und könne damit auch anders werden. Geschichte und Tradition enthielten ein großes Innovationspotenzial, das gehoben und aktualisiert werden müsse. Rahner äußerte sich bei einer Diskussionsveranstaltung der Katholischen Akademie in Bayern zum Thema "Die Rückkehr der Reformdebatte".

Diskussion um die Zölibatspflicht

Der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf forderte die deutschen Bischöfe auf, sich einer Diskussion um die Zölibatspflicht für Priester zu stellen. Am vereinbarten "synodalen Weg" müssten die Gläubigen stärker beteiligt werden, "auch Gruppen, die sich durch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken nicht repräsentiert sehen", sagte er. Zugleich warnte er vor der Wiederholung eines folgenlosen Gesprächs. Die anstehenden Themen seien schon 1968 auf dem Katholikentag in Essen diskutiert worden. Die Zeit für Reformen laufe ab.

Der im schweizerischen Fribourg lehrende Moraltheologe Daniel Bogner sagte, die katholische Kirche brauche eine neue Verfassung. Sie müsse die Errungenschaften des freiheitlich-demokratischen Rechtsstaates adaptieren, insbesondere Gewaltenteilung, Grundrechte für alle Mitglieder und Kontrollinstanzen. Er hoffe darauf, dass sich eine Handvoll reformbereiter Bischöfe zusammentue, dafür einen Entwurf mache und dann weltweit darum werbe. (kna)