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Telefonseelsorge im Dezember stark nachgefragt

Normalerweise wird die Telefonseelsorge zwischen den Jahren besonders oft angerufen. Dieses Jahr verteilen sich die Anrufe anders.

Einsamkeit ist ein Hauptthema bei der Telefonseelsorge. © Evrymmnt - stock.adobe.com

München –  0800/111 0 222. Zwischen den Jahren wird die Nummer der Telefonseelsorge normalerweise häufiger gewählt als in den anderen Monaten, erzählt der Leiter Telefonseelsorge im Erzbistum München und Freising, Alexander Fischhold. An Weihnachten selbst seien viele Menschen in familiären Kontexten eingebunden, so dass zwischen Weihnachten bis zum Dreikönigstag oft angerufen wird.  Doch dieses Jahr sei es anderes gewesen! Schon in der Adventszeit und an Weihnachten war die Telefonseelsorge stark nachgefragt: „Weil viele Veranstaltungen, wo einsame Menschen hätten hingehen können, nicht stattgefunden haben.“

Corona ist Gesprächsthema

16 Hauptamtliche und 110 Ehrenamtliche haben an 365 Tagen rund um die Uhr ein Ohr für die Menschen. Einsamkeit sei eines der Hauptthemen, so Fischhold. Durch Corona sei das nochmal deutlich geworden. Aber das Virus selbst sei zuletzt auch oft Teil der Gespräche gewesen. Ein Telefonat mit einer älteren Dame ist Fischhold besonders in Erinnerung geblieben. Denn sie habe sich auch einsam gefühlt, habe aber eine hohe Empathie mit den jungen Leuten gehabt. 

Er fand es sehr berührend zu hören, wie leid der Frau die jungen Menschen tun, die sich jetzt nicht mit Freuden treffen können. Für den Leiter der Telefonseelsorge war das berührendste Gespräch, das er hatte: „Das hat den Blick ein Stück geweitet.“ Auch das Thema „Impfen“ und die daraus resultierenden Ängste und Nöte sei zuletzt häufiger angesprochen worden.

Jüngere Menschen nutzen den Chat

Fischhold und sein Team hören am Telefon zu oder kommunizieren per Chat. Das digitale Angebot würde vermehr nachgefragt, gerade auch von Jüngeren. So hätten Studenten geschrieben, die allein in einer neuen Stadt sitzen und niemanden kennenlernen können. Denn durch die Pandemie fänden keine Präsenzveranstaltungen an der Uni statt und natürlich auch keine Partys. Bei der Telefonseelsorge kann sich jeder mit seinem individuellen Anliegen melden. „Wir können keine Berge versetzen, aber wir sind für sie da.“, betont Fischhold. Für ihn selbst sei es „purer Luxus“ eine sinnvolle Aufgabe zu haben. Es sei für ihn ein gutes Gefühl, „ein Stück mitzuhelfen, dass die Krise gemeistert wird.“ Er rät auch anderen in der jetzigen Situation Hilfe anzubieten, zum Beispiel Eltern die Kinder für ein paar Stunden abnehmen oder für einen Nachbarn die Einkäufe erledigen.

Die Telefonseelsorge im Erzbistum München und Freising ist unter 0800/111 0 222 rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr erreichbar. Der Anruf ist kostenlos und bleibt völlig anonym.

Die Autorin
Katharina Sichla
Teamleiterin mk online
k.sichla@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Advent & Weihnachten Corona - Pandemie