Vollversammlung der deutschen Bischöfe

Synodaler Weg wird ein langer Marsch

Die deutschen Bischöfe treffen sich ab diesem Montag in Fulda. Im Mittelpunkt ihrer Beratungen steht der synodale Weg, der neue Antworten und Lösungen auf brennende Kirchenfragen bringen soll.

Gute Kondition und gute Ausrüstung: das wird auch der synodale Weg der deutschen Kirche brauchen.

Der synodale Weg hat noch keine zuverlässigen Landkarten, allenfalls ein paar Wegweiser, die gelegentlich sogar unterschiedliche Richtungen anzeigen. Wenn sich die Bischöfe in dieser Woche über diesen synodalen Weg austauschen, dann haben sie ein schwieriges Gelände zu vermessen, Neuland, das bisher noch niemand betreten hat. Denn nach wie vor ist undeutlich, wie verbindlich die Route ist und wo der Weg endet. Klar ist nur, dass er nicht an Rom vorbeiführen kann, das hat der Vatikan schon einmal klargemacht. Die Unzufriedenheit vieler Katholiken in Deutschland ist aber zu groß, als dass sich die Bischöfe erlauben könnten sich nicht zu bewegen. Spätestens der Missbrauchsskandal hat den meisten deutschen Oberhirten klar gemacht, dass die Kirche in einer Sackgasse steckt, in die ihr selbst die treuesten Gläubigen nicht mehr folgen wollen.

Etappen finden

Die aus Laien und Bischöfen bestehenden Vorbereitungsgruppen für den synodalen Weg haben vier Gebiete ausgemacht, durch die marschiert werden muss: Die Lebensform der Priester, die Sexualmoral, die Beteiligung von Frauen und die Teilung kirchlicher Macht. Bei den ersten Punkten, beim Zölibat sowie außerehelicher und gleichgeschlechtlicher Sexualität ist der momentane Spielraum tatsächlich gering. Darauf haben der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer und der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki zurecht hingewiesen. Vielleicht muss der synodale Weg um diese Etappen zunächst herumführen. Oder eine kleine internationale Expedition bekommt den Forschungsauftrag, ob diese altbekannten Gebiete nicht doch neu erschlossen werden und die Kirche zu neuen Horizonten vorstoßen kann. Horizonte, die sie bis jetzt noch nicht gesehen hat.

Zögerliche mit auf die Reise nehmen

Wenn es darum geht, Macht zu teilen oder den Einfluss von Frauen deutlich zu steigern, kann aber jeder Bischof den synodalen Weg fördern. Am besten geschieht das einvernehmlich und einheitlich. Die von den Bischöfen selbst bestimmte und verbindliche„Quote“, mit dem Ziel ein Drittel aller Leitungsstellen mit Frauen zu besetzen ist dafür ein gutes Beispiel. Nicht in der Macht der Oberhirten steht es, Diakoninnen oder gar Priesterinnen zu weihen. Bischofskonferenzen könnten das aber als Mehrheit empfehlen und einen solchen Standpunkt streitbar vertreten. Sozusagen ein Magnetfeld aufbauen, damit die Kompassnadel allmählich eine Richtung anzeigen kann. Vielen Gläubigen, die schon lange auf Aufbrüche und Veränderungen warten wird das bestimmt zu langsam gehen. Sie dürfen aber nicht vergessen, dass der synodale Weg eine Großgruppenreise ist, mit den unterschiedlichsten Traditionen, Ansichten und Meinungen im Gepäck. Da wollen besonders die ersten Schritte gut überlegt und auch bedächtig gemacht sein, damit auch die Zögerlichen mit auf die Reise kommen.

Keine Knüpelpfade, die im Kreis führen

Sie werden gebraucht, denn auch sie haben ihren Teil beizutragen, den richtigen Pfad einzuschlagen. Die Einheit der Kirche ist ein hohes Gut. Der synodale Weg wird nicht einladend und breit genug sein, wenn er nur von Teilen der Bischöfe und Gläubigen gegangen wird. Dann entsteht ein Labyrinth aus engen unverbundenen Trampelpfaden. Die verschiedenen Gruppen und Grüppchen, die Knüppelwege bahnen, könnten dabei schnell übersehen, dass sie sich im Kreis bewegen und immer dieselben öden Felder berühren. Der synodale Weg wird jedoch allen Beteiligten große Geduld und Selbstüberwindung abfordern. Er wird kein Spaziergang sein, sondern ein langer Marsch, dessen genaue Ziele noch verschwommen sind. Aber er lohnt sich, weil der Stillstand zu vielen Katholiken unerträglich geworden ist und neue Perspektiven erschlossen werden müssen. Es geht jetzt um die ersten Schritte, bei denen die Weggemeinschaft gut aufeinander achten muss, damit niemand verloren geht.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

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Kommentar im Münchner Kirchenradio

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Synodaler Weg