Fernsehmoderator über seinen Glauben

Stefan Gödde: Dankbar fürs kleine Glück

Der Fernsehmoderator, Journalist und Buchautor Stefan Gödde ist gläubiger Katholik. Beim Spaziergang an der Isar spricht er über seine religiöse "Omma" und warum er dankbar für das vermeintlich Normale in seinem Leben ist.

Stefan Gödde (vorne) beim entspannten Isar-Selfie mit Redakteur Joachim Burghardt © Gödde

Ursprünglich hatte ich gehofft, Stefan Gödde würde sich als Rahmen für unser Gespräch eine Bergtour aussuchen. Aber dann war ich doch froh, dass er sich für einen Spaziergang an der Isar entschied und damit genau die richtige Wahl traf – denn bei sonnigen 30 Grad war es definitiv zu heiß für eine größere Unternehmung. Vor der Kapuzinerkirche St. Anton in der Münchner Isarvorstadt begrüßen wir uns, und nach einem kurzen Besuch in der Schmerzhaften Kapelle gehen wir los.

Zügig fliehen wir aus dem gleißenden Mittagslicht in den Schatten der Isarauen. Gödde erzählt mir von seinem beruflichen Werdegang, der ihn von einem Lehramtsstudium für Deutsch und Englisch über einen Studentenjob als Radiomoderator in die Redaktion der Talkshow „Sabine Christiansen“ führte. Durch einen Zufall – weil in der Produktionsfirma an anderer Stelle ein TV-Moderator gebraucht wurde und er gerade zur Stelle war – wechselte er vor die Kamera und übernahm die Moderation des Boulevardmagazins „taff“. Von dort war es kein großer Schritt mehr zur Wissens-Sendung „galileo“, in der er nunmehr seit 2009 zu sehen ist.

Bücher über Rom und Jerusalem

Doch Gödde möchte sich nicht nur als Fernsehmoderator verstanden wissen. Vor der Kamera zu stehen, bedeute ihm auch nicht mehr als seine anderen Tätigkeiten – und ebenso unverhofft und ungeplant, wie er in dieses schnelllebige Geschäft hineingeraten sei, könne das Ganze auch wieder enden; damit hätte er auch kein Problem. Und er hat ja noch weitere Standbeine: So moderiert er auch ohne Kamera, wenn er etwa privat für eine Veranstaltung gebucht wird. Und er hat zwei Bücher geschrieben – Stadtführer für Jerusalem und Rom.

Dass ihn ausgerechnet jene beiden „religiösen Hauptstädte“ so faszinieren, ist kein Zufall: Stefan Gödde ist gläubiger Katholik und sucht auf seinen Städtereisen immer wieder spirituelle Orte auf. Besonders gern erforscht er unterirdische Nekropolen und Krypten, in die Grabeskirche in Jerusalem hat er sich schon mehrmals die ganze Nacht über einschließen lassen. Auch das Ordensleben übt eine Faszination auf ihn aus: In den selbst auferlegten Beschränkungen im klösterlichen Leben erkennt er einen Zugewinn an Freiheit, und er schätzt das karitative Engagement vieler Orden, wie zum Beispiel die „Antoniusküche“ der Kapuziner in München.

Katholisches Fundament

Karitativ engagiert ist Gödde auch selbst, wenngleich er nicht viel darüber spricht: Patenschaften, Botschaftertätigkeiten oder auch das Spenden seiner gesamten Buchhonorare lassen erahnen, dass hinter seinem Bekenntnis nicht nur eine Tradition oder ein Lebensgefühl steht, sondern die Entschlossenheit, den Glauben auch zu leben. Am Sonntagsgottesdienst nimmt er regelmäßig teil – und er verrät mir, wie wichtig er beim Friedensgruß in der Messe die direkte Zuwendung der Gläubigen untereinander findet: „Bei Jesus ging es doch ums Miteinander und nicht darum, von hinten lauter graue Köpfe in den Bankreihen anzuschauen.“

Die Grundlage für seinen Glauben hat der 46-Jährige in seiner Familie mitbekommen: Geboren in Paderborn und aufgewachsen im Sauerland, wurde er in einem katholisch geprägten Umfeld groß. „Ich kenne keine Frau auf der Welt, die so religiös war wie meine Omma“, erzählt er lachend und erinnert sich an die gemeinsamen Gebete in der Kindheit. Auch wenn ihm der Glaube in späteren Jugendjahren eine Zeit lang nichts bedeutet habe, konnte er anschließend doch wieder auf dem gelegten Fundament aufbauen. Und steht heute zum Katholizismus, an dem er großartig findet, dass dieser „überall auf der Welt ein Stück Heimat“ biete. Wenn er das sagt, weiß er genau, wovon er spricht: Er hat viel erlebt, war in China und Nordkorea, in den USA und Assisi („einer der friedlichsten Orte, die ich kenne“), in Tschernobyl und in Fukushima. Zwischendurch zaubert mein Gesprächspartner als Überraschung zwei kühle Flaschen alkoholfreies Bier aus dem Rucksack, und wir setzen uns direkt ans Isarufer. Ich möchte wissen, was er durch all die Reisen für sein Leben gelernt hat. „Dass die Menschen, auch in anderen Religionen, im Kern gleich sind“, antwortet der Vielgereiste ohne langes Nachdenken, „und dass man sich auch mit wenigen Möglichkeiten sein kleines Glück schaffen und dafür dankbar sein kann“.

Akute Lebensgefahr

Am Ende wird es genau das sein, was mir von unserem Treffen besonders in Erinnerung bleibt: Während vor uns im flachen Uferwasser ein Raubfisch kleine Mini-Fische jagt und hinter uns ein vereinzeltes Brüllen aus dem Tierpark zu hören ist, spricht Stefan Gödde wieder und wieder von der Dankbarkeit im Alltag; vom Glück, leben zu dürfen. Er erinnert sich dabei auch an ein einschneidendes Ereignis seiner eigenen Biografie, als er plötzlich in akute Lebensgefahr geriet und nur durch glückliche Fügung seine Gesundheit wiedererlangte. Bis heute, erzählt er, dankt er Gott für das vermeintlich Normale: dass er körperlich unversehrt ist, schmerzfrei leben darf, hören, sehen und sprechen kann und sogar den Luxus genießt, sich jederzeit etwas aus dem Kühlschrank holen zu können. „Das alles ist nicht normal“, betont Gödde.

Als wir dann noch einen kurzen Abstecher zur Marienklause machen, erspähe ich beim genauen Hinsehen, dass mein Weggefährte seinen Glauben sogar auf der Haut trägt: Auf dem einen Oberarm hat er eine Tätowierung mit einem Motiv des heiligen Georg, auf dem anderen ein Jerusalemkreuz. Schließlich wandern wir in unseren beruflichen Alltag zurück, und ich frage nach Zukunftsplänen. Beruflich gebe es keine speziellen, winkt Gödde ab, aber wenn er ans Reisen und Entdecken denkt, leuchten seine Augen: Der Berg Athos wäre ein Wunschziel, auch Nepal oder Bhutan, vielleicht Tibet. (Joachim Burghardt)

Buchtipp

Gödde, Stefan: Nice to meet you, Rom!

Nach über 30 Reisen nach Rom schlägt Stefan Göddes Herz mehr denn je für die Ewige Stadt mit ihren Geheimnissen, Rätseln und versteckten Winkeln. In diesem Buch stellt er die Orte vor, die ihn am meisten faszinieren, erzählt von spannenden und kuriosen Details, die dem Blick des hastig Vorbeireisenden verborgen bleiben, und gibt Tipps, wie selbst Rom-Kenner noch Neues entdecken können.

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