Auftakt zum Projekt „Leichte und Einfache Sprache“

Sprache als Brücke zur Integration

Nichtverstehen grenzt aus. Leichte und einfache Sprache kann helfen, komplexe Sachverhalte für alle verständlich auszudrücken. Das Bildungswerk Rosenheim hat zusammen mit der Stadtbibliothek Rosenheim, dem Sankt Michaelsbund und der Erzdiözese München und Freising dazu ein Projekt gestartet.

Die Auftaktveranstaltung zum Projekt „Leichte und Einfache Sprache“ fand in der Rosenheimer Stadtbibliothek.

Rosenheim – Die gut besuchte Auftaktveranstaltung fand in der Rosenheimer Stadtbibliothek statt. Auf dem Programm standen Workshops, Improvisationstheater und ein Vortrag von Jörg Roche, dem stellvertretenden Leiter des Instituts für Deutsch als Fremdsprache an der Ludwig-Maximilians- Universität München, zum Thema „Leichte Sprache in Spracherwerb und Gesellschaft“.

Erzbistum finanziert das Projekt

Das Projekt „Leichte und Einfache Sprache“ soll Flüchtlingen auf dem Weg zur sprachlichen Eigenständigkeit dienen. Es richtet sich aber auch an Menschen mit Lern- und Sprachschwierigkeiten oder einer Behinderung. Das Projekt wurde vom Bildungswerk Rosenheim zusammen mit der Stadtbibliothek Rosenheim, dem Sankt Michaelsbund und der Erzdiözese München und Freising ins Leben gerufen. Finanziert wird es von der Erzdiözese. 10.000 Euro wurden dafür zur Verfügung gestellt. Die Hälfte davon wird nach Auskunft von Bibliotheksleiterin Susanne Delp in ihrem Haus in die Anschaffung spezieller Medien investiert, die andere Hälfte verwendet das Bildungswerk für Schulungen und Fortbildungsveranstaltungen.

Unter „Einfacher Sprache“ versteht man einen klaren und deutlichen Sprachstil. Fremdwörter, lange Sätze und unübersichtliche Satzstrukturen sollen vermieden werden. Im Gegensatz dazu ist die „Leichte Sprache“ strikten Regeln unterworfen. Einen kurzen Überblick darüber gab Roche in seinem Eröffnungsvortrag.

Stadtbibliothek Rosenheim will Angebot weiter ausbauen

Die „Leichte Sprache“ hat nicht nur Befürworter. Es gibt auch kritische Stimmen. Für Roche steht fest: „Die leichte Sprache gibt es nicht.“ Vielmehr müsse man in der Mehrzahl, also von leichten Sprachen sprechen, angepasst an die jeweilige Zielgruppe. Eine vereinfachte Sprache sei auch kein Ersatz für die Standardsprache, sondern diene als Brücke zur Integration.

In der Stadtbibliothek Rosenheim gibt es bereits einen Ständer mit Büchern, die in leichter oder einfacher Sprache verfasst wurden. Dieses Angebot wird in den kommenden Monaten weiter ausgebaut. Außerdem werden Bibliotheksführungen mit Elementen des Improvisationstheaters angeboten, bei denen Schulklassen die Räume der Bibliothek als Lern-, Aktions- und Wohlfühlorte erfahren können.

Weitere Informationen zu dem Projekt finden Sie bei der Stadtbibliothek Rosenheim.

Beim Bildungswerk steht bereits ein Fachtag für Mitarbeiter von Behörden und sozialen Einrichtungen auf dem Programm, bei dem sie lernen können, wie man Texte in „Leichte Sprache“ übersetzt. Außerdem wird eine „Klartext-Werkstatt“ für Verwaltungsmitarbeiter angeboten, bei der es ebenfalls darum geht, Texte einfacher zu formulieren. (Karin Wunsam)