Internationaler Kongress Renovabis

Spannungsverhältnis Kirche und Medien

Medien-Hype um Papst Franziskus versus Medien-Schelte zum so genannten „Protzbischof“ Tebartz-van Elst: Das Spannungsverhältnis Kirche und Medien ist Thema beim „Internationalen Kongress Renovabis“, der am Mittwoch in Freising beginnt.

Kirche und Medien - Thema des Renovabis Kongresses (Bild: carlosgardel - Fotolia.com)

Freising – Es dürfte einige spannende Diskussionsrunden geben beim 18. „Internationalen Kongress Renovabis“. Rund 350 Teilnehmer aus 30 verschiedenen Ländern tauschen sich bis zum Freitag über die Herausforderungen aus, welche die Medien an die Kirche stellen.

Die Kirche befindet sich dabei in einer Doppelrolle: Auf der einen Seite nutzt sie Presse, Rundfunk und das Internet, um Glaubensinhalte zu vermitteln. Bestes Beispiel dafür ist der Papst, sagt Christof Dahm, der den Kongress organisiert hat. Mehr als 15 Millionen Menschen folgen Franziskus auf Twitter, so viele wie keinem anderen Religionsführer. Gleichzeitig verfolgt die Weltpresse gespannt jede spontane Aktion des Pontifex, die aus dem päpstlichen Protokoll zu fallen scheint: Franziskus' Besuch bei den Flüchtlingen auf Lampedusa oder zuletzt sein Anruf bei den Eltern des US-Journalisten James Foley, der von der Terrororganisation IS ermordet wurde.

Fakten und Vorurteile vermischt

Seit Franziskus' Amtsantritt hat die Berichterstattung über Kirchen-Themen in weltlichen Medien deutlich zugenommen. Gleichzeitig lasse Sachlichkeit und Qualität der Darstellung aber zu wünschen übrig, kritisiert Dahm im Gespräch mit den Münchner Kirchennachrichten. Im Fall des so genannten „Protzbischofs“ Tebartz-van Elst zum Beispiel seien Fakten und Vorurteile vermischt worden. „Jeder Verurteilte hat ein Recht darauf, gehört zu werden“, so Dahm. Ein Verhaltenskodex unter Journalisten sei deshalb nötig. Die eigene Meinung müsse zunächst zurückgestellt werden, um allein die Fakten sprechen zu lassen. Dennoch, und auch das hat der Fall Limburg, oder auch die Missbrauchsfälle gezeigt: Die kirchliche Pressearbeit muss auf die immer schneller werdende Medienberichterstattung reagieren. Hier habe größtenteils bereits ein Bewusstseinswandel stattgefunden: „Es hat keinen Sinn, Dinge auf die lange Bank zu schieben und sie – wie es früher üblich war – innerhalb des rein kirchlichen Forums zu behandeln“, erklärt Dahm. In dem Zusammenhang müsse sicher weiter über eine stärkere Öffnung nachgedacht werden.

Thema: Berichterstattung im Ukraine-Konflikt

Neben medienethischen Fragen stellt der Kongress aber auch unterschiedliche kirchliche Medienauftritte, etwa in Form von Homepages von Ordensgemeinschaften vor. Außerdem geht es um das Thema objektive Berichterstattung im Ukraine-Konflikt. Zu Gast sind unter anderem der deutsche Medienbischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, und der Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, Pater Bernd Hagenkord. Das Osteuropa-Hilfswerk Renovabis veranstaltet den „Internationalen Kongress“ seit 1997 jedes Jahr im Spätsommer. Er dient zur Information und Diskussion über wichtige Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft in Mittel-, Ost- und Südosteuropa. (es)