Heiliger Zeno im Bayerischen Nationalmuseum

Sonderausstellung mit Silberschatz

Sie ist ungefähr so groß wie eine Kaffeemaschine und zählt zu den Schönsten im Land: die Silberbüste des Heiligen Zeno aus Isen. Eine Sonderausstellung im Bayerischen Nationalmuseum zeigt das Stück und seine Geschichte.

Die Silberbüste des Heiligen Zeno aus Isen © Bayerisches Nationalmuseum/Krack

München – Sie ist etwa 550 Jahre alt und glänzt wie neu, denn soeben ist sie aus der Restaurationswerkstatt zurückgekehrt. Jetzt steht die aus Isen stammende Zenobüste auf einer Stele unter Plexiglas und lässt sich umschreiten, so dass die feinen Gravuren auf den Bändern der Mitra zu sehen sind. Nicht viel größer als eine Kaffeemaschine und gut zwei Kilo schwer zählt das Werk zu den Kostbarkeiten der Gold- und Silberschmiedekunst in Altbayern.  Annette Schommers kennt das Stück in- und auswendig und wird trotzdem nicht müde, es fasziniert anzuschauen. Die Kunsthistorikerin hat die Sonderausstellung im Bayerischen Nationalmuseum zusammengestellt.

Schwerer Silberguss

Bei der Restaurierung wurde die mit Amethyststeinen besetzte Büste zerlegt. Sie stammt aus einer Salzburger Werkstatt. Entscheidend daran mitgewirkt hat wohl der aus der Kunstgeschichte bekannte Meister von Seeon. Besonders schwer wiegt der Kopf aus purem Silber, künstlerisch, aber auch materiell: „Denn er ist gegossen“, erläutert Annette Schommers. „Normalerweise sind solche Darstellungen aus Silberblech getrieben, das sparte Material und war entsprechend billiger.“ Das längst untergegangene Kollegiatsstift von Isen, eine Art Klostergemeinschaft von Priestern, wollte bei Zeno aber an nichts sparen. Dessen Propst, Ladislaus von Achdorf, hat die kostbare Büste, die auch eine Reliquie enthielt, gestiftet. Schließlich war Zeno Patron der Isener Kirche.

Historisches Patrozinium in Isen

Der heilige Korbinian, also der Gründer des Freisinger Bistums, soll dessen Verehrung über die Alpen gebracht haben, erzählt Franz Wenhardt. Der Heimathistoriker und Leiter des Isener Heimatmuseums führt das Patrozinium bis ins 8. Jahrhundert zurück. Die Verehrung in der Marktgemeinde bei Erding sei damit älter als in der berühmteren Zenokirche von Reichenhall. Und sie dauert bis heute an. Bei den Fronleichnamsprozessionen ist selbstverständlich die historische Zenofahne dabei und ins Gotteslob hat die Pfarrei ein Extrablatt mit dem 1945 komponierten Zenolied eingeklebt. An jedem 12. April, dem Namenstag des Heiligen, steht eine verkleinerte Nachbildung der Büste, die auch die Reliquie enthält, auf dem Altar der Isener Kirche. Die Gläubigen verehren Zeno vor allem als Patron gegen Hochwasser. Der Legende nach sollen vor den Gebeinen des Heiligen einstmals die Fluten der Etsch in Verona zurückgewichen sein. Auch Isen wurde immer wieder von Hochwassern des gleichnamigen Flusses heimgesucht. Zeno passte also gut hierher und die Marktgemeinde gedieh unter seinem Schutz.

Vorm Einschmelzen gerettet

Die ihm gewidmete Silberbüste wäre 1803 aber fast vernichtet worden. Damals kassierte der bayerische Staat den Kirchenbesitz. Aus dem Edelmetall ließ der Finanzminister Taler prägen. Der damalige Isener Bürgermeister rettete die Zenobüste vor diesem bösen Schicksal.  Später landete der Schatz im Kunsthandel, wo ihn das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg erwarb. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschlug es den silbernen Zeno ins Bayerische Nationalmuseum in München. Aber da bleibt das bewegte Kunstwerk nicht mehr lange: „Ministerpräsident Söder und Wissenschaftsminister Sibler haben entschieden, dass das Stück wieder ins Germanische Nationalmuseum kommt“, erklärt Annette Schommers. Ab dem kommenden Jahr wird Zeno also wieder in Nürnberg glänzen und den Franken zeigen, was für kostbare Kunstwerke in Altbayern entstanden sind.

Die kleine, aber feine Sonder-Ausstellung „Silberkopf“ über die Büste des Heiligen Zeno ist bis Ende dieses Jahres im Bayerischen Nationalmuseum in der Münchner Prinzregentenstraße zu sehen. Geöffnet ist täglich, außer Montag, von 10.00 bis 17.00 Uhr. Ein Besuch lohnt sich! Noch ein Tipp: An den Sonntagen kostet der Eintritt nur einen Euro.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

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Beitrag über die Zeno-Ausstellung im Bayerischen Nationalmuseum

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